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Profil / Archiv | Beitrag vom 01.07.2009

Ein Kleid wie Scarlett O’Hara

Die Modemacherin Frida Weyer

Von Mandy Schielke

Modenschau auf der Fashion Week 2009 in Berlin. (AP)
Modenschau auf der Fashion Week 2009 in Berlin. (AP)

Frida Weyers Start ins Modegeschäft vor ein paar Monaten sorgte für Aufmerksamkeit: Mit wenig alltagstauglichen Abendroben hat die Berliner Designerin selbst die Großen der Branche beeindruckt. Sie ist bei der derzeit stattfindenden Fashion Week in Berlin dabei.

Frida Weyer: "Ursprünglich bin ich auf diese ganze Modeschiene gekommen, weil ich schon als Kind so wahnsinnig gern Kostümfilme geschaut habe."

Clark Gable als Rhett Butler und Vivien Leigh als Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht" (AP-Archiv)Szene aus "Vom Winde verweht" (AP-Archiv)"Vom Winde verweht" mit Vivien Leigh als Scarlett O’Hara zum Beispiel.

"Frauen, die so wahnsinnig weiblich präsentiert wurden, mit schönen Kleidern. Anmutig sahen die aus, bezaubernd. Das hat mich schon immer fasziniert."

Aber wer will in Zeiten von Street Wear schon schwere Roben tragen? Selbst abends hat es der moderne Mensch schließlich gern bequem.

Also legt Frida Weyer, die auch selbst am liebsten Jeans trägt, nach dem Studium an der Berliner Modehochschule Esmod ihre Entwürfe erst einmal beiseite und arbeitet als Kostümassistentin beim Film.

Später jobbt sie bei Werbeagenturen, oder als Stylistin für Mode-Fotoshootings, manchmal – dann, wenn das Geld ausgeht – kellnert sie.

"Mir war immer klar, dass ich erst einmal ganz viel lernen wollte, ich wollte die Modebranche verstehen, ehe ich dann auch den Schritt in die Selbstständigkeit mache, um auch unabhängig zu sein. Und irgendwann war dieses Bauchgefühl schlagartig da."

Ein Bauchgefühl, das sie wissen ließ, es ist Zeit fürs eigene Label. Acht Monate ist das jetzt her. Frida Weyer war gerade 30 Jahre alt geworden. Von ihren Eltern leiht sie sich Geld, kauft meterweise Seide und fängt an mit ihrer ersten eigenen Kollektion. Das Label trägt ihren Namen: Frida Weyer.

Die Kleider sind bodenlang, opulent und hochgeschlossen. Mode für den großen Auftritt nennt sie selbst das, was sie macht.

"Da hab ich mich inspirieren lassen am Stil, an den Silhouetten der 40er Jahre."

Im Wohnzimmer ihrer kleinen Wohnung im Prenzlauer Berg läuft die große, energische Frau mit den wachen Augen zu einer Kleiderstange, vorbei an Collagen aus Modefotografien, die an den Wänden kleben, dann zieht sie ein champagnerfarbenes Kleid hervor. Unterhalb der Knie ist es weit ausgestellt, der Stoff legt sich in große Schlaufen.

Zwölf Meter Seide stecken in dieser Abendrobe. Die Schulterpartien sind verstärkt, so wie bei den meisten Kleidern ihrer ersten Kollektion. Auch das erinnert an die dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

"Dadurch sah die Frau sehr groß und schlank, repräsentativ aus und eben auch sehr stark. Auch in der heutigen Zeit finde ich, dass Frauen Frauen sein sollten, um auch ihre Weiblichkeit auszuspielen ohne gleich in solch eine Mutter hinterm Küchentisch hineingepresst werden."

Bei einem Nachwuchswettbewerb auf der Fashion Week im vergangenen Januar gehört sie zu den Finalistinnen, kann ihre Debütkollektion auf einem großen Laufsteg vor dutzenden, blitzenden Kameras zeigen.

Dann, wenige Tage später, ruft die Agentin einer deutschen Schauspielerin an. Natalia Avelon möchte einen Frida-Weyer-Entwurf zur Berlinale tragen. Stylisten melden sich, bitten um Frida-Weyer-Kleider für Fotostrecken in Modemagazinen. Alles ging so rasend schnell, sagt die junge Frau jetzt und bindet ihre langen braunen Haare zum Zopf.

Jetzt spürt sie vor allem Druck, den Druck der Erwartung von Modekritikern, Journalisten und Einkäufern. Die Kleider der neuen Kollektion sind luftiger, leichter, kürzer, sagt die 30-Jährige, und mit viel Spitze verarbeitet. Sie redet schnell. Manchmal, wenn sie ganz in ihren Gedanken verloren ist, fängt sie an zu berlinern.

Inspiration findet Frida Weyer in der Natur.

"Das Wiegen der Baumkronen, wenn da Sonnenstrahlen durchkommen und dann dort so ein Bach ist und alles fängt an zu glitzern. Das hat ja auch etwas Glamouröses."

Frida Weyer ist außerhalb von Berlin in Karow aufgewachsen, auf dem Land, mit vielen Tieren aber ohne Geschwister.

"Weil ich Einzelkind bin, war ich auch immer viel mit mir allein, was ein Vorteil ist, weil man sehr viel herum fantasiert."

Vor der Fashion-Week schläft Frida Weyer wenig, die Aufregung treibt sie an. Manchmal fährt sie mit ihrem Hund raus aus Berlin, um Reiten zu gehen und - wie sie sagt - runterzukommen. Dann hält sie inne. Irgendwann möchte sie sowieso weg aus der Großstadt.

Erst einmal, wenn es auf der Messe gut läuft, will sie im Herbst jedoch ein Atelier mieten und mit dem Wegziehen wartet sie noch ein bisschen. Irgendwann wird es wieder da sein dieses Bauchgefühl.

Service
Die neue Kollektion von Frida Weyer ist vom 1. - 4. Juli auf der Fashion Week Berlin zu sehen.Frida Weyer

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