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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 13.06.2012

"Ein Jahr vogelfrei!"

Intelligente Komödie über ein paar schräge Vogelliebhaber und ihre seelischen Abgründe

Von Hans-Ulrich Pönack

Auch Enten dürfen gezählt werden. (Stock.XCHNG / Martin Boulanger)
Auch Enten dürfen gezählt werden. (Stock.XCHNG / Martin Boulanger)

Sie ziehen los, um ein Jahr lang Vögel zu zählen und ins "American Birding Journal" aufgenommen zu werden. Was sich zunächst banal anhört, inszeniert US-Regisseur David Frankel als unterhaltsamen Seelen-Kitzel für Erwachsene, die gerne nachdenken.

Diese Sache existiert wirklich. In den Vereinigten Staaten. Dort gibt es einen undotierten, also nicht profitorientierten Wettbewerb. Eine Meisterschaft im Vögel-Zählen. Wer innerhalb eines Jahres die meisten Vogelarten zählt und dies belegen kann, ist Gewinner und wird im "American Birding Association"-Journal veröffentlicht und respektiert. Dabei ist dieses "Turnier" eine kostspielige Angelegenheit für die Teilnehmer, denn sie müssen sich quasi ein Jahr lang ausklinken, um sich auf die Seh- und Fotojagd nach allem Fliegbaren (wie Kolibris, Haubentaucher, Buntspecht oder Pinkfußgans und Weißkopfseeadler) kreuz und quer durchs Land zu bewegen.

"The Big Year", so der Originaltitel, basiert auf dem gleichnamigen Buch von Mark Obmascik (Zusatztitel: "A Tale of Man, Nature and Fowl Obsession") und erzählt von drei grundverschiedenen Teilnehmern. Von dem dicklichen, geschiedenen Nichtssnutz Brad (jedenfalls wird er, der Computer-Experte, so von seinem grantigen Vater bezichtigt); von dem Erfolgsunternehmer und glücklichen Familienvater Stu, der sich im Rentneralter befindet und sich (bevor die "richtigen Wehwechen" beginnen) einmal dieser Leidenschaft der Vogelsuche ganz "hingeben" möchte; und vom frechen, mitten im Lebens-Saft stehenden Selfmade-Typen Kenny, der "amtierender Meister" ist und diesen Titel unbedingt wiedererlangen will. Der Schwache, der Reiche, der Lockere. Der Film, eine 41-Millionen-Dollar-Produktion, folgt ihren Spuren; die 55-tägigen Dreharbeiten führten an über 100 Orte in den USA, darunter New York, Kanada, Kalifornien - mit Temperaturschwankungen von minus 30 Grad im Yukon bis zu plus 40 Grad in den Florida Keys.

Dabei geht es bisweilen zu wie beim Poker-Match: Wer am besten zu bluffen versteht, hat die Nase vorn. Natürlich gibt der blonde, dynamische Kenny (Owen Wilson) das Tempo vor. Er hat’s schlitzohrig drauf, setzt erneut auf lukrative Werbeverträge hinterher, ist besessen ehrgeizig. Brad dagegen (Jack Black) ist vernarrt in die Natur und deren fliegende Lebewesen und will sich zugleich beweisen. Kenny (Steve Martin) hat der Ehrgeiz gepackt, da draußen ebenso erfolgreich zu sein wie in der Firma. Zudem will er sich darüber klar werden, wie es dort weitergehen soll.

"Ein Jahr vogelfrei" erinnert in vielen gedanklichen Motiven an den amerikanischen Streifen "Grand Canyon" von Lawrence Kasdan aus dem Jahr 1991,der eine "Oscar"-Nominierung für das Drehbuch erhielt und auf der Berlinale von 1992 den "Goldenen Bären" zugesprochen bekam. Thema einst und heute: Die amerikanische Suche nach den wahren Werten.

Der New Yorker Regisseur David Frankel (51) bei uns auch bekannt durch seine vorzüglichen Komödien "Der Teufel trägt Prada" (mit Meryl Streep) und "Marley & Ich" (mit Owen Wilson), hat mit "Ein Jahr vogelfrei" einen schönen Denk-Film als unterhaltsamen Seelen-Kitzel realisiert. Für ein erwachsenes Publikum.

Ein Jahr vogelfrei! Regie: David Frankel, Schauspieler: Owen Wilson, Jack Black, Steve Martin, Rashida Jones, Anjelica Huston, Jim Parsons u. a. freigegeben ohne Altersbeschränkung - Länge: 100 Minuten

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"Marley und ich“

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