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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.06.2008

Ein gnadenloser Film

Woody Allens Film "Cassandras Traum"

Von Jörg Taszman

Zwei Brüder aus einer britischen Arbeiterfamilie erhalten in "Cassandras Traum" ein unmoralisches Angebot ihres reichen kalifornischen Onkels. Für viel Geld sollen sie einen unliebsamen Konkurrenten aus dem Weg räumen. Zur Musik von Philip Glass hat Woody Allen einen Film um Träume, Gier, Lügen und Mord inszeniert, der nun ins Kino kommt.

Ian und Terry sind zwei ungleiche Brüder und kommen aus einer typisch-britischen Arbeiterfamilie. Der von Colin Farrell gespielte Terry ist der bodenständige Typ und Automechaniker mit fester Freundin. Aber Terry hat eine große Schwäche. Er ist Spieler und hochverschuldet. Sein Bruder Ian ist der Smarte von Beiden. Er will hoch hinaus und nicht ewig im Restaurant seines Vaters jobben. Ab und zu leiht er sich schicke Wagen von seinem Bruder und lernt dabei auch die schöne Schauspielerin Angela kennen.

Aus dem Film:
" Ich muss mir nochmal den X-Kay ausborgen.
Oh, der ist schick! Spielst du ein hohes Tier? Fahr ihn nicht zu Schrott. Dann hätten wir viel zu erklären.
…Danke nochmal , dass Sie mir auf der Straße geholfen haben. Ich habe in den zwei Nächten darauf von Ihnen geträumt.Gerettet zu werden, gehört zu meinen verdorbenen Träumen.
So verdorben ist das nicht, sich von anderen retten zu lassen.
Aber das, was Sie danach mit mir tun."

"Cassandras Dream" ist der dritte Film von Woody Allen, der in England spielt und zur Musik von Philip Glass hat der New Yorker Filmemacher einen fast gnadenlosen Film abgeliefert um Träume, Gier, Lügen und Mord. Denn Terry und Ian werden mit einem unmoralischen Angebot ihres erfolgreichen Onkels Howard konfrontiert. Der ist reich und lebt in Kalifornien, möchte aber, dass die Brüder ihm einen Gefallen tun und einen unliebsamen Konkurrenten für viel Geld aus dem Weg räumen.


Aus dem Film:
" Ich werd euch dann vorstellen und ihr könnt ihn euch dann genau ansehen.
Hört sich gut an. Wir sollten wissen, wer das ist, den wir…
Du kannst es nichtmal aussprechen Terry. Du kannst nicht mal sagen, über was wir hier reden.
Nein, wartet mal.Ich dachte, das Thema hätten wir abgehakt.
Haben wir auch. Haben wir. Wir werden ihn uns genau ansehen.
Also gut, ich gebe euch dann alle Informationen die ihr braucht., wo er in London lebt, wann er seine Mutter besucht, Telefonnummern. Und dann liegt es in euren Händen. Enttäuscht mich nicht. Ich werde einige Tage in Nahost sein und möchte, dass es erledigt wird, während ich weg bin. Ich möchte nichts davon wissen."

Noch gnadenloser als in "Match Point" zeigt Woody Allen in "Cassandras Dream" was geschehen kann, wenn man mit aller Macht und mit allen Mitteln aus seiner sozialen Klasse ausbricht, wenn die Liebe zu einer Frau auch berechnend wird, um den sozialen Aufstieg zu schaffen. Es ist immer wieder verblüffend, mit welcher Regelmäßigkeit sich Woody Allen Geschichten ausdenkt und jedes Jahr einen Film abliefert. Was aber treibt ihn an?

Woody Allen: " Normalerweise kommen mir innerhalb eines Jahres verschiedene Ideen. Ich lese Dinge in der Zeitung oder unterhalte mich mit Leuten beim Abendessen. Dann schreibe ich es auf und lege es beiseite. Wenn ich dann einen Film beendet habe, kehre ich zurück nach New York und schneide ihn. Abends gehe ich dann in mein Schlafzimemr und suche mir meine Ideen und Notizen heraus. Einige davon finde ich dann sehr langweilig und ich verstehe kaum noch, was ich mir dabei dachte, andere dagegen sind so, dass sich daraus eine interessante Geschichte formen lässt. Ich denke dann darüber nach und arbeite daran. Vielleicht fiunktioniert die Geschichte nicht, vielleicht aber doch. Ich habe eigentlich nie zuwenig Ideen für Filme. "

Insgesamt hat es Woody Allen gutgetan, für seine Filme nach Europa zu gehen. Nach dem herausragenden "Match Point" und dem amsüsanten aber leichtgewichtigen "Scoop" kann sich auch der dritte Film "Cassandras Dream" sehen lassen, vor allem weil Woody Allen ein hervorragender Schauspielerregisseur ist. Colin Farrell hat man selten so berührend und so gut gesehen und auch Ewan McGregor zeigt nach "Star Wars" endlich wieder, was er kann.


Ewan McGregor: " Ich liebe die Schauspielerei wirklich! Und nachdem ich nun jahrelang in sehr erfolgreichen Filmen spielte und anerkannt werde, wird mir klar, dass Erfolg wichtig und möglich ist. Und dennoch fühlt man sich dabei nie erfolgreich. Wenn man am Ende eines Drehtages nach Hause kommt und sich sagt, ich habe mein Bestes gegeben und ich fühle mich gut und einem viele Regisseure gute Rollen anbieten und wieder mit Dir zusammenarbeiten wollen, dann ist das gut. Wenn du aber versuchst, berühmt zu werden, dann ist es etwas anderes. Ich glaube nicht, dass Ruhm wirklich existiert. Man kann gar nicht berühmt genug sein. Niemand wacht morgens auf und sagt sich: Nun bin ich berühmt genug und glücklich! Das wird nie geschehen. Ruhm bedeutet mir einfach nichts aber Erfolg ist schon wichtig. "

Fast hätte es "Cassandras Dream" übrigens nicht in die deutschen Kinos geschafft. Der deutsche Verleih schickte im Januar eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Kinostart eine launige Rundmail und wollte den Film im Juni nur auf DVD starten. Das hing vielleicht auch mit dem Misserfolg des Films in den USA zusammen und dem Umstand, dass es mal wieder ein ernster Woody Allen geworden ist, der nicht so überzeugen kann wie Allens Klassiker.So bleibt die Frage im Raum, ob man nur aus schierer Geldnot wirklich bereit wäre, einen Menschen umzubringen oder ob sich das eher Drehbuchautoren ausdenken, die keine materielle Not leiden. Dennoch lohnt sich "Cassandras Dream" der auch in Italien und Frankreich wieder Hunderttausende von Allen-Fans in die Kinos lockte. Bleibt nur zu hoffen, dass "Cassandras Dream" nicht im Frühsommerloch und während der Fußball-EM völlig untergeht.

Kulturpresseschau

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