Seit 17:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 17:07 Uhr Studio 9
 
 

Profil / Archiv | Beitrag vom 29.01.2007

Ein Comic-Star

Der Schweizer Frederik Peeters

Von Bettina Ritter

Beim 34. Internationalen Comic-Festival im französischen Angoulême war der junge Schweizer Comic-Autor Frederik Peeters zum fünften Mal für einen der begehrten Preise nominiert. Sein erfolgreichstes Buch ist nun auch auf Deutsch erschienen. Darin beschreibt der junge Mann den Beginn seiner großen Liebe - zu einer Frau, die das HI-Virus in sich trägt.

Peeters: "”Bereits als Kind habe ich gezeichnet. Als ich sieben war, hatte ich schon meinen eigenen Comic über mich selbst.""

Peeters: "”In den Geschichten war ich ein Super-Held. Ich konnte mich verwandeln. Und ich hatte ein Cape und ein grünes Kostüm. Ich habe gegen Monster gekämpft und so. Ich habe schon immer Comics gemacht, immer!""

Jungenhaft und freundlich - so kommt Frederik Peeters daher. 1,85 groß, dunkle, kurzgeschorene Haare, kleine Brille, Cordhose und Strickpulli, 32 Jahre. Er sitzt in der Genfer Altstadt in einem geschäftigen Café mit abgewetzten, dunklen Holzmöbeln und Karikaturen an den Wänden. Peeters erzählt lebhaft, gestikuliert viel. Sein Buch "Blaue Pillen" hat er in nur drei Monaten gezeichnet, sagt er und zündet sich eine Zigarette an.

Peeters: "Das war wie eine Jazz-Improvisation, eine Übung. Als Thema habe ich meine Lebenssituation genommen, das war das einfachste. Es war trotz allem eine komplizierte Situation. Es gab viele Fragen, zum Beispiel über den Tod. Darüber wollte ich reden."

Seine Lebenssituation damals - damit meint Peeters den Beginn seiner Beziehung. Hals über Kopf verliebt er sich in einer Silvesternacht in die schöne Cati. Schnell gesteht sie ihm, dass ihr Sohn, gerade mal drei Jahre alt, das Aids-Virus in sich trägt. Auch sie selbst ist HIV-positiv. Ein Umstand, der am Anfang für den 26-Jährigen und seine Umgebung viele Fragen aufwirft.

Freund: "Kann ich dich mal was fragen? Was Intimes, meine ich..."
Frederik: "Klar."
Freund: "Die Kondome..."
Frederik: "Was ist damit?"
Freund: "Na ja, ist das nicht ein Problem für dich? Ähm... Zu akzeptieren, dass du's nie ohne machen kannst?"
Frederik: "Aaach, ein Detail!"
Freund: "Tja, ein wichtiges Detail, oder? Hab mich nur gefragt, wie du damit klar kommst."
Frederik: "Ich verbiete mir, diese Frage zu stellen."

So locker konnte Peeters nicht immer damit umgehen. Als beim dritten Mal Sex die Verhütung versagt, leidet er Todesängste. Umsonst, wie ihm sein Arzt versichert. Denn Aids fängt man sich nicht ein, wie eine Grippe.

Peeters: "”Als das Kondom riss - das war ein extrem schwieriger Moment, da wusste ich gar nicht, was passiert. Ich fragte mich, ob ich wohl sterbe. Es gab dann diesen Arzt, zu dem ich gegangen bin. Der hat mir wahnsinnig geholfen. Er war so unverkrampft und ruhig. Wir haben über alles gesprochen und ich habe angefangen, alles durch seine Augen zu sehen. Die Krankheit wurde zum Detail.""

Die Kreativität wurde Peeters nicht in die Wiege gelegt. Seine Mutter arbeitet als Personal-Managerin, sein Vater ist Unternehmensberater, der drei Jahre jüngere Bruder Informatiker. Nach der Schule studiert Peeters in seiner Heimatstadt Genf visuelle Kommunikation, und weiß schnell, dass er damit nichts anfangen kann. Er arbeitet als Gepäckträger am Flughafen und reist durch die Welt. Nebenbei zeichnet er und gründet mit drei Freunden den kleinen Comic-Verlag Atrabile. 1997 veröffentlicht Peeters hier seinen ersten Band.

Peeters: "Damit waren wir in Angouleme. Wir hatten einen ganz kleinen Stand in der Ecke, direkt neben den Toiletten. Und dann kam dieser berühmte, französische Comic-Autor vorbei, David B., und war ernsthaft interessiert. Er machte uns massenweise Komplimente. Das hat uns wahnsinnig motiviert, und von da an haben wir richtig losgelegt."

Peeters zeichnet hauptsächlich schwarz-weiß. Seine ersten Einflüsse: Tim und Struppi. Dann kamen die US-Zeichner, später japanische Mangas. Heute inspiriert ihn vor allem das Kino der 30er und 40er Jahre, alte amerikanische und französische Filme. Oder auch, wie in seinem neuen Buch, das im Mai in Frankreich erscheint, die Realität.

Peeters führte Tage lang Interviews mit einem Polizisten des französischen Geheimdienstes, der heute ein Bodyguard von Ministerpräsident Jacques Chirac ist. Es geht um Terrorismus-Bekämpfung. Eine Art illustrierter Reportage.

In seine eigenen Geschichten mischt er immer wieder abstrakte Bilder, die hauptsächlich Stimmungen ausdrücken. Wie in seiner erfolgreichen Serie "Lupus". Hier verlieren sich drei Freunde im Weltall.

Peeters: "Ich wollte etwas Dunkles machen. Also habe ich Themen gewählt wie die Schwierigkeit zu kommunizieren und zu lieben, die Einsamkeit. Sehr moderne Gefühle. Ich habe die Geschichte im Weltall spielen lassen, und einer der Charaktere verschwindet einfach darin. Ich fand das ein schönes Bild für die Isolation der Menschen heutzutage."

Einsamkeit - dieses Gefühl kennt Peeters nun seit sieben Jahren nicht mehr. So lang sind er und seine Freundin schon zusammen. Und Dank der "Blauen Pillen", der Medikamente für HIV-Infizierte, konnten beide sogar ein eigenes Kind bekommen. Seine Tochter ist heute drei Jahre alt und kerngesund, erzählt er strahlend.

Profil

Poetry-SlamSelbstzweifel in Reime verpackt
Poetry-Slammerin und Psychologie-Studentin Julia Engelmann während einer NDR-Fernsehsendung (dpa picture alliance/ Georg Wendt)

Poetry-Slammerin Julia Engelmann wurde mit einem einzigen Video im Internet schlagartig bekannt. Nun hat sie ein Buch herausgebracht und geht damit auf Tour. Den Rummel um ihre Person sieht sie gelassen. Mehr

Chor der Woche Leichtigkeit für die Deutschen
Blick auf das Münchner Rathaus, aufgenommen am 11.03.2003. (picture alliance / dpa / Jochen Eckel)

Es ist ein kleines Ensemble für Laien mit Anspruch - und eine feste Größe in der Münchner Musikszene: der Chor "Catchatune". Die Brasilianerin Lilian Zamorana versucht vor allem, Leichtigkeit zu vermitteln.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur