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Studio 9 | Beitrag vom 27.04.2015

Ebola in LiberiaDie Angst vor der Rückkehr der Epidemie

Von Laura Salm

Schüler in Monrovia (Liberia) waschen sich die Hände, um sich vor Ebola zu schützen. (dpa / picture alliance / Ahmed Jallanzo)
Schüler in Monrovia (Liberia) waschen sich die Hände, um sich vor Ebola zu schützen. (dpa / picture alliance / Ahmed Jallanzo)

Liberia könnte ab 10. Mai offiziell als Ebola-frei gelten - falls es keine Neuansteckungen mehr gibt. Doch in den Nachbarländern Guinea und Sierra Leone erkranken immer noch Menschen. Und eine totale Kontrolle der Grenzübergänge ist schwierig.

"Das ist die Grenze zwischen Guinea und Liberia. Diese Seite hier ist Liberia und das da drüben ist Guinea."

...beschreibt ein Grenzbeamter die geographische Situation.

Emmanuel Dweh arbeitet für das Gesundheitsamt des liberianischen Bezirks Bong. Seit fast einem Jahr kämpft der schlanke, groß-gewachsene Mann an vorderster Front gegen Ebola in seinem Land. An diesem Sonntagmorgen besucht er zusammen mit einem Grenzbeamten einen der Übergänge zwischen Liberia und dem Nachbarland Guinea.

Im seichten Fluss stehen ein paar Männer und Frauen die ihre Wäsche waschen, ein Mann säubert sein Motorrad. Immer wieder balancieren Menschen über eine wackelige Fußgängerbrücke aus Bambusrohren. Pässe oder Passierscheine kontrolliert der Beamte nicht. Für die Menschen, die nahe der Grenze wohnen, existiert diese nicht, erklärt Emmanuel.

"Guinea und Liberia – wir sind eins. Weil diese Leute vieles zusammen machen. Wir sind eng miteinander verbunden. Diese Frauen da haben Verwandte in diesem Dorf. Und wenn jemand dort in einem Dorf stirbt, wird jeder aus dem Dorf hier dorthin gehen, weil sie mit dem Toten verwandt sind."

Und genau das bereitet Emmanuel Sorgen.

"Die müssen lernen, sich gegenseitig zu schützen. Bei Ebola geht es nicht darum, ob du Guineer oder Liberianer bist. Bei Ebola geht es darum, dass man Menschen daran hindert, die Krankheit in andere Dörfer und Länder zu tragen. Obwohl Liberia seinen letzten Ebola-Patienten entlassen hat, ist das noch nicht genug. Es gibt noch immer Fälle in Guinea. Wenn jemand mit Fieber über diese Grenze kommt, wird er weitere Kontakte haben und es wäre eine erneute Katastrophe für Liberia."

"Ebola darf nicht zurück nach Liberia kommen"

Auch im März 2014 kam das Virus von Guinea ins Land. Die Folge waren fast 4500 Tote. Nun gilt es langfristig zu verhindern, dass Ebola zurück nach Liberia kommt.

"Guten Morgen. Wie geht es Euch. Ich bin hier, um Eure Arbeit zu kontrollieren. Zeigt mir wie viele Leute heute schon vorbeigekommen sind.

Emmanuel blättert durch unterlagen vom Check-Posten, spricht mit Helfern. Seit kurzem wird der Grenzübergang nicht nur von einem Grenzbeamten bewacht, sondern auch von freiwilligen Helfern, die die Temperatur kontrollieren, von jedem, der passieren will. Jene, die Fieber oder sonstige Ebola-Symptome haben, werden an die nächstgelegene Klinik verwiesen oder nach Guinea zurück geschickt.

Unbewachte Übergänge zwischen Guinea und Liberia

Die Gesundheits-Checks werden allerdings nur an den offiziellen Grenzübergängen durchgeführt, die seit einigen Wochen wieder geöffnet sind. Es gibt aber auch unzählige kleinere, nicht bewachte Übergänge.

"Es ist unmöglich die Menschen daran zu hindern, die Grenzen zu überqueren. Diese sind viel zu durchlässig. Wenn es Leute schaffen uns zu umgehen, dann alarmieren uns die Dorfbewohner, dass ein Fremder bei ihnen aufgetaucht ist."

Die Rolle der traditionellen Heiler

In einem von der Grenze nicht weit entfernten Dorf lässt sich Emmanuel zu einer traditionellen Heilerin führen. Die Dorfbewohner versammeln sich um ihn und Nowai Gbartekpa, eine kleine, dickliche Frau.

"Der Grund warum wir hier sind ist klar. Sie ist eine von unseren Heilerinnen. Jeder kennt sie. Also kommen Menschen von überall her, um sie zu sehen. Wir alle müssen zusammenarbeiten."

Frauen wie Nowai sind die erste Anlaufstelle für Kranke. Die nächste Klinik ist meist weit entfernt. Und oft haben die Patienten mehr Vertrauen in die traditionellen Methoden. Vor allem, wenn die Leiden von einem vermeintlichen Fluch herrühren.

Immer wieder gab es daher im letzten Jahr Fälle von Heilern, die Ebola-Patienten mit ihrer traditionelle Medizin behandelt und nicht nur sich, sondern auch andere Patienten angesteckt haben. Durch unermüdliche Aufklärung versucht, Emmanuel solche Szenarien in Zukunft zu vermeiden.

"Wenn sie Leute berührt muss sie Handschuhe verwenden, sie muss sich die Hände waschen. Wir wollen sie nicht verlieren. Wenn du also jemanden siehst, der krank sein könnte, dann verständige die Leute an der Grenze und die rufen uns dann an."

Ebola ist noch immer in der Region

Trotz aller Erfolge im Kampf gegen Ebola bleibt Emmanuel skeptisch. Denn solange es in Guinea und Sierra Leone auch nur einen Patienten gibt, ist die Gefahr für Liberia noch nicht gebannt.

"Jetzt kommt die Zeit, wo sich die Menschen entspannen. Aber Ebola ist noch immer in der Region. Also wenn wir uns jetzt entspannen und einer kommt durch, dann können wir es vergessen!"

Doch heute scheinen seine Worte auf fruchtbaren Bode zu stoßen. So behauptet die Heilerin Nowai zumindest, dass sie wegen Ebola ihre Patienten nicht mehr direkt behandelt. Diese sollen sich nun selber mit ihrer heilenden Kreide – einem Mittel gegen alle möglichen Leiden - einreiben. Also ganz ohne jemanden zu berühren.

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