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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 07.10.2014

Die Wende in PlauenEin Denkmal für die Demonstranten

Zehntausende gingen 1989 auf die Straße

Von Thilo Schmidt

Blick auf den Weihnachtsmarkt Plauen (Deutschlandradio / Hansen)
Vor einem Vierteljahrhundert fand in Plauen eine der bedeutendsten Demonstrationen der DDR statt. Heute erinnert nur noch wenig daran. (Deutschlandradio / Hansen)

Zehntausende versammelten sich 1989 in Plauen, die Demonstration markierte einen Wendepunkt in der Geschichte des SED-Regimes: Zum ersten Mal musste es sich geschlagen geben. Heute erinnert ein Denkmal daran. Doch daneben ist die Stadt längst im ernüchternden Nachwendealltag angekommen.

Sachs: "Die Menschen in Plauen hatten überall in dieser Phase, schon vor dem 7. Oktober, Kerzen in den Fenstern. War also ein stiller Protest. So dass die Kerze im Prinzip das Hauptsymbol war, in dieser Zeit."

Das Wendedenkmal am Tunnel, dem zentralen Platz in der Innenstadt: Eine bronzene Kerze, an der Seite Reliefs. Darauf: Symbole der Zeit, von Unterdrückung, Mut und den Orten, an dem sich der Plauener Widerstand manifestierte. Wolfgang Sachs, einer der Initiatoren des Wendedenkmals:

"Also die Entwicklung kam daher, dass im Prinzip Denkmäler in Berlin und Leipzig geplant waren und steuerlich auch finanziert wurden. Mit hohen Summen. Und das hat den Plauenern schon zu denken gegeben: Diese erste große Massendemonstration hat hier stattgefunden, und eigentlich müssten wir hier in Plauen auch ein Denkmal haben. Oder mir wollten ein Denkmal."

Das Geld für das Denkmal sammelten die örtlichen Service-Clubs ein – als Lions, Rotary und Co.

Plauen hat sich heute so gut es geht herausgeputzt

"Die Bürger haben ja dazu das Geld gegeben, also sprich Betriebe, Bürger... Wir hatten damals noch einen guten Schachzug gemacht: Wir haben also den Herrn Tillich als Schirmherr genommen, unser Ministerpräsident von Sachsen, und haben dadurch noch mal 28.000 Euro Fördergelder bekommen."

Plauen, am Tunnel. Wo vor 25 Jahren auf freier Fläche Zehntausend demonstrierten und der Staat zurückweichen musste, steht heute die "Stadt-Galerie", ein großes Einkaufszentrum mit den üblichen Geschäften. Plauen hat sich herausgeputzt, so gut es geht, zumindest in der Innenstadt. Die einst wohlhabende und heute schrumpfende Stadt ist längst in der Nachwende-Realität angekommen.

"Heute ist Plauen eigentlich das ganze Gegenteil von dem, was '89 passiert ist, heute ist ... man muss leider sagen, irgendwo, die ganze Region Vogtland, auch durch die Politik, die hier betrieben wird, einfach ne sterbende Region irgendwo, ja?"

...sagt Jörg Schneider, der 1989 mit dem heimlichen Verteilen von Aufrufen die Demonstration erst ermöglichte.

Die Stadt hat sich viel vorgenommen für den 25. Jahrestag

"Ja, natürlich war es damals was ganz Großes, was wir damals in Plauen vollbracht haben. Da können wir auch stolz drauf sein als Plauener, keine Frage. Ist halt bloß die Enttäuschung, dass ich das bei der großen Masse der Plauener eigentlich vermisse. Dass die Plauener wirklich stolz drauf sind, was damals erreicht worden ist, hier in Plauen, was damals auch mit von Plauen ausging, das fehlt mir einfach irgendwo, nich, auch jetzt, das hat man schon bei 20 Jahre Wende gemerkt, dass das Interesse von der großen Masse der Bevölkerung einfach nicht da ist."

Viele der Oppositionellen sind der Politik längst überdrüssig geworden, manche organisieren sich in einer "Bürgerplattform für demokratische Erneuerung", weil die Kommunikation zwischen Regierung und Bevölkerung gestört sei – wie damals, Ende der 80er.

Die Stadt Plauen hat sich viel vorgenommen für den 25. Jahrestag. Vorträge, Konzerte, Wanderungen an der nahegelegenen innderdeutschen Grenze.

"Und sie sehen, hier ist ne verwelkte Rose drin, einer kommt speziell, der wohnt jetzt in Frankfurt, ein Plauener, jedes Mal wenn er hier ankommt, geht er erstmal vom Bahnhof hier runter und bringt hier an dem Wendedenkmal eine Rose an."

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