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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 17.06.2009

"Die Stimme des Adlers"

Hans-Ulrich Pönack bespricht einen Film über das Erwachsenwerden

Szene aus dem Film "Die Stimme des Adlers" (Movienet Film)
Szene aus dem Film "Die Stimme des Adlers" (Movienet Film)

Der zwölfjährige Bazarbai möchte aus der Wildnis der mongolischen Steppe ausbrechen. Das Ziel ist die Stadt - der Ort, an den es auch seinen Bruder verschlagen hat. Doch der Vater hat andere Pläne: Sein Sohn soll die uralte Kunst der Jagd mit dem Adler erlernen.

Schweden / Deutschland 2008 - Originaltitel: The Eagle Hunter's Son - Regie: René Bo Hansen - Darsteller: Barzabai Matei, Serikbai Khulan, Mardan Matei - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 85 min.

René Bo Hansen ist ein 1952 in Kopenhagen/Dänemark geborener Dokumentarfilmer, der hier – inmitten einer schwedisch-deutschen Co-Produktion - in der Mongolei seinen ersten Spielfilm realisierte, der auf der diesjährigen Berlinale im Rahmen der Reihe "Generation Kplus" erstmals lief. Es ist ein schlichter Film, mit erheblicher Außenwirkung. In der Mischung aus Tierfilm, Road-Movie und Selbstfindungs- bzw. Erwachsenwerden-Geschichte blickt er auf das "zweigeteilte" Land Mongolei: Hier die Steppe, die herbe Natur, dort die "Zivilisation", mit ihren unrühmlichen "Begleiterscheinungen".

Aber der Reihe nach: Der zwölfjährige Bazarbai (Bazarbai Matyei) lebt mit seiner traditionsverbundenen Nomadenfamilie im Grenzgebiet zwischen Kasachstan und der Mongolei. Doch anstatt hier in dieser abgelegenen Einöde aufzuwachsen, würde der Junge viel lieber in die Hauptstadt Ulan Bator umziehen. Wie sein älterer Bruder. Doch sein Vater möchte, dass Bazarbai in seine Fußstapfen tritt und die uralte Kunst der Jagd mit dem Adler erlernt.

Doch der Junge ist störrisch, zänkisch, fahrlässig. So fliegt ihm der Familien-Adler durch eine Unachtsamkeit eines Tages davon. Und das große Abenteuer "Leben und Erfahrung" kann beginnen. Ein kleiner, stiller Film als Hymne auf die Achtung vor der Natur, die bedroht ist. Inmitten einer episodenhaften Erzählung und beeindruckenden landschaftlichen Aufnahmen geht es um die zu vermittelnden "wahren Werte": Mit der Natur weiterhin im Einklang und dafür in entbehrungsreicher Zufriedenheit zu leben oder die zerstörerischen "Errungenschaften" der modernen (Stadt-)Zeiten in Kauf zu nehmen, zu akzeptieren.

René Bo Hansen, der als Dokumentarfilmer bereits viel mit Kindern gearbeitet und über Kinder berichtet hat und auch bereits in der Mongolei tätig war, trifft mehr mit seinen Bilder-Motiven als mit seinem einfachen Laien-Ton: Wenn er die authentischen Zerstörungen durch Industrie- und Häuser-Brachen zeigt und auf kaputte, unwürdige Stadt-Exzesse blickt, sagt das mehr aus als viele Worte.

Und authentisch wird der Film dann auch wegen seiner Laienschauspieler: Die Geschichte Bazarbais ist zugleich auch die tatsächliche Geschichte seines Darstellers Bazarbai Matyei. Wenngleich holzschnittartig mitunter zusammenfindend, ist der Film eine ruhige, atmosphärische Fabel über heutige Wertigkeiten und Lebensstimmungen an einem exotischen Weltfleck. Mit durchaus allgemeiner (Be-)Deutung.

Die Filmhomepage [url=http://www.diestimmedesadlers.de/]"Die Stimme des Adlers"

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