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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.01.2011

"Die Potemkinschen Dörfer des Iran"

Iran-Experte: Teherans Taktik bei Besucherauswahl der Atomanlagen ist gescheitert

Matthias Künztel im Gespräch mit Gabi Wuttke

Präsident  Ahmadinedschads Plan ist nicht aufgegangen, meint Matthias Küntzel. (AP)
Präsident Ahmadinedschads Plan ist nicht aufgegangen, meint Matthias Küntzel. (AP)

Der Politologe Matthias Küntzel hat die Taktik des Iran, nur ausgewählte Staaten zur Besichtigung seiner Atomanlagen einzuladen, für gescheitert erklärt. "Der Iran möchte gerne Katz und Maus mit dem Rest der Welt spielen. Aber in diesem Fall war dies ein Eigentor", sagte Küntzel.

Russland, China und die EU hätten erklärt, das Spiel nicht mitzuspielen und die Abkoppelung der USA nicht hinzunehmen, sagte der Politikwissenschaftler und Autor des Buches "Die Deutschen und der Iran". Im Endeffekt seien nur noch vier Länder übrig geblieben, die "diese tolle Besichtigungstour durch die Potemkinschen Dörfer des Iran durchführen wollen", so Küntzel weiter: "Das ist Kuba, das ist Venezuela, das ist Ägypten und das ist Syrien. Das ist keine tolle Bilanz für den Iran und zeigt, wie massiv die iranische Bombe weltweit gefürchtet wird."

Es sei gut, dass sich Moskau und Peking nun erneut, wie schon im Sommer 2010 bei dem Sanktionsbeschluss der Vereinten Nationen gegen den Iran, dagegen entschieden hätten, sich zugunsten des Iran aufspalten zu lassen, sagte der Iran-Experte: "Insofern war es schon ein wichtiges Signal an Teheran, dass dieser Plan nicht aufgegangen ist."

Von den Gesprächen, die in der kommenden Woche in der Türkei zwischen den Vertretern der internationalen Gemeinschaft und dem neuen iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi geplant sind, erwartet der Politikwissenschaftler keine Fortschritte. "Es ist eine doppelte Strategie", so seine Einschätzung des Absichten des Iran: "Man möchte auf der Ebene der Diplomatie die Weltmächte ein wenig hinhalten und hinter dieser Kulisse das Atomprogramm, so schnell wie es geht, vorantreiben."

Das Schicksal der beiden im Iran gefangen gehaltenen deutschen Journalisten wird nach Einschätzung des Politologen bei den Gesprächen nicht auf der Tagesordnung stehen. Er glaube nicht, dass der Iran bereit sei, "dieses Faustpfand, zwei Geiseln zu haben, über die man Wohlverhalten der deutschen Behörden erzwingen könnte, eventuell so schnell aus der Hand zu geben", sagte er. Küntzel kritisierte, die Pressefreiheit, die mit der Verhaftung der Journalisten verletzt worden sei, werde in Deutschland nicht durch aufrechten Gang verteidigt, sondern es herrsche eine "Politik der Leisetreterei und der Bücklinge". Er verstehe auch nicht, warum das Auswärtige Amt eine Nachrichtensperre über das Schicksal der Journalisten verhängt habe, sagte Küntzel weiter.

Das vollständige Gespräch mit Matthias Küntzel können Sie mindestens bis zum 15.6.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

Interview

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