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Robert CecilUnermüdlicher Verfechter des Völkerbunds
Der britische Staatsminister Philip John Noel-Baker (L.), der norwegische Politiker Carl Joachim Hambro (M.) und Lord Edgar Algernon Robert Cecil (R.) während der letzten Sitzungsperiode des Völkerbundes am 12.4.1946 in Genf.

Die Geschichte des Völkerbunds ist stark mit dem Namen von US-Präsident Woodrow Wilson verbunden. Doch auch der vergessene britische Diplomat Lord Robert Cecil hat seinen Teil dazu beigetragen. Heute vor 150 Jahren wurde er geboren.Mehr

Martin Luther King Spontanpredigt in Ostberlin
Der amerikanische Bürgerrechtler und Baptistenpfarrer Martin Luther King, Bischof Otto Dibelius und der Regierende Bürgermeister Willy Brandt am 13.09.1964 in Berlin zum Tag der Kirche

Willy Brandt lud den Bürgerrechtler Martin Luther King bei einem Besuch in Washington nach Berlin ein. Dreieinhalb Jahre später, im September 1964, folgte der Baptistenpastor der Bitte. Trotz Mauer hielt King eine Predigt in der Ostberliner Marienkirche ab.Mehr

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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 29.01.2013

Die näselnde Stimme des Hörfunks

Vor 100 Jahren wurde der Journalist Peter von Zahn geboren

Von Hartmut Goege

Peter von Zahn, Hörfunk- und Fernsehenjournalist, am Mikrofon im Studio des NWDR im Februar 1951.
Peter von Zahn, Hörfunk- und Fernsehenjournalist, am Mikrofon im Studio des NWDR im Februar 1951. ( picture-alliance/ dpa)

Peter von Zahn gilt als einer der wesentlichen Hörfunk- und Fernsehpioniere der Nachkriegszeit. Seine unverwechselbare Stimme und Sprechweise war sein Markenzeichen, das ganze Reportergenerationen beeinflusste. Am 29. Januar 1913 wurde er geboren.

Rund 3.000 Radiobeiträge hat er verfasst, 1.000 Fernsehfilme gedreht und zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darüber hinaus schrieb er Bücher, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel. Der am 29. Januar 1913 in Chemnitz geborene Peter von Zahn gehört zu den produktivsten und populärsten deutschen Rundfunkjournalisten nach 1945. Seine ruhige, leicht näselnde Stimme, eigenwillig betonend, zuweilen merkwürdig gepresst klingend, entwickelte sich zu seinem Markenzeichen. Fast drei Jahrzehnte lang sollte sie den journalistischen Klang in der Bundesrepublik mitprägen.

"So seltsam, wie ich, sprach damals beim Rundfunk keiner. Der deutsche Radiohörer war zwölf Jahre lang der betont zackigen, gewollt schneidigen Sprechweise ausgesetzt gewesen, die uns aus alten Wochenschauen noch in die Ohren gellt. Es dauerte lange, bis sich die deutschen Radiohörer daran gewöhnten, dass man ihnen nichts befehlen, sondern nur etwas mitteilen wollte."

In Dresden als Sprössling einer sächsischen Adelsfamilie aufgewachsen und in Freiburg als Historiker über die Wiedertäufer promoviert, hatte von Zahn gerade beim Deutschen Verlag Berlin seine berufliche Laufbahn begonnen, als der Krieg ausbrach. Er wurde eingezogen und arbeitete bis 1945 als Frontberichterstatter der Wehrmacht. Nach Kriegsende setzten ihn die Briten wegen seiner Englischkenntnisse als Gefangenendolmetscher ein.

"Ich sprach eines Tages in der Kaufmannsvilla an der Rothenbaum-Chaussee in Hamburg vor, die den Reichssender Hamburg beherbergt hatte und nun Sitz von 'Radio Hamburg', ein Sender der alliierten Militärregierung, war. Das war, wie sich herausstellte, meine Stunde Eins."

Die Engländer behielten ihn gleich da. Neben Hörfunkpionieren wie Peter Bamm, Gregor von Rezzori, Axel Eggebrecht und Ernst Schnabel war er wesentlich am Aufbau des Nordwestdeutschen Rundfunks - nach britischem BBC-Vorbild - beteiligt. 1951 ging er als erster deutscher ARD-Auslandskorrespondent in die Vereinigten Staaten und wurde für das Nachkriegsdeutschland der Entdecker Amerikas, der nachhaltig das USA-Bild der Deutschen prägte.

"Meine Damen und Herren, die neue Welt ist groß und bunt."

Fast zehn Jahre lang berichtete er zunächst für den Hörfunk, ab 1955 auch für das Fernsehen. In der monatlichen Reportagereihe "Bilder aus der neuen Welt" zeigte von Zahn seinen Landsleuten jenseits von Hollywoodfilmen das authentische Leben der Amerikaner. Es ging um Verkehr, Schulwesen, Shopping, Ernährung oder einfach um die Wunder technischen Vorsprungs:

"Wir haben vor genau sechs Minuten schmutziges Geschirr in diese Maschine gepackt. Wir öffnen die Maschine, sie hält von selbst und sie hat gespült."

Hatten seine Fernsehbeiträge oft unterhaltenden Charakter, so widmete er sich in seinen Radiobeiträgen mehr den ernsthaften politischen Ereignissen. Sein unverwechselbarer feuilletonistischer Stil wurde zum Vorbild ganzer Reportergenerationen. 1958 berichtete er über den Chruschtschow-Besuch in den USA.

"Der Mann aus dem Kreml wurde vorhin mit allem Pomp empfangen und dann an der Seite Eisenhowers durch ein viele Meilen langes Spalier neugierig-kühler Menschen gefahren. Er ist ohne Zweifel nicht gekommen, um Gewalt vorzubereiten, sondern dem Frieden zu dienen, wie er ihn versteht. Sein Friede soll erwachsen aus einer vorläufigen Teilung des Globus zwischen den beiden Mächtigsten."

1960 verließ von Zahn die ARD und gründete seine eigene Produktionsfirma "Die Windrose GmbH". Er hatte sich für das private "Adenauer-Fernsehen" stark gemacht, dessen Auslandsberichterstattung er übernehmen sollte. Nach dem Verbot durch das Bundesverfassungsgericht wurden viele schon fertig produzierte Beiträge vom WDR gekauft. Daraus entstand ab 1963 die Sendereihe Weltspiegel. Peter von Zahn war bis ins hohe Alter unermüdlich und rastlos als TV-Produzent, Moderator und Hörfunkautor aktiv. Er starb 88-jährig am 26. Juli 2001 in Hamburg.