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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 30.11.2013

Die menschlichen SinneDas Gehirn malt

Ernst Peter Fischer: "Wie kommt die Welt in den Kopf?"

Von Michael Lange

Das menschliche Gehirn ist eine immer noch nicht vollkommen verstandene Maschine. (AP)
Das menschliche Gehirn ist eine immer noch nicht vollkommen verstandene Maschine. (AP)

Es geht um das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken - und noch einiges mehr. Dieses Buch richtet sich nicht an Studenten oder Fachleute, sondern an alle Leser, die die Funktionsweise ihrer Sinnesorgane besser verstehen wollen.

Wer nach wie vor glaubt, dass wir Menschen die Welt über fünf Sinne wahrnehmen, wird von dem Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer eines Besseren belehrt. Neben dem Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen gelangen auch Informationen über Temperatur, Gleichgewicht, Schmerz und Körpergefühl über Sinneszellen in unsere Schaltzentrale: das Gehirn. Damit zählen auch sie zu den Sinnen des Menschen.

Der Inhalt dieses Buches lässt sich auch in Lehrbüchern über Sinnesorgane und Wahrnehmung nachlesen. Die Sprache jedoch unterscheidet sich erheblich von einem Lehrbuch. Sie richtet sich nicht an Studenten oder Fachleute, sondern an alle Leser, die die Funktionsweise ihrer Sinnesorgane besser verstehen wollen. Anschaulich erklärt Ernst Peter Fischer, dass die Welt, die wir sehen, nicht vom Auge fotografiert oder gefilmt, sondern vom Gehirn gemalt wird. Das Bild der Außenwelt, die wir wahrnehmen, entspricht nicht 1:1 den physikalischen Realitäten. Es ist eine Interpretation, die das Gehirn mit Hilfe der Informationen aus den Sinnesorganen erstellt. Wichtig ist nicht, ob dieses Bild wirklichkeitsgetreu ist, sondern ob wir Menschen uns damit in der Welt zurechtfinden können.

Sorgfältig  beschreibt Ernst Peter Fischer den Aufbau von Augen, Nase, Gehirn und so weiter. Ergänzt wird der Text durch einfache, leicht verständliche Grafiken. Den Gebrauch von Fachwörtern kann der Autor dabei nicht immer vermeiden. Aber es gelingt ihm durch bildhafte Vergleiche, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen. So wird die Myelinhülle, die die Nervenfasern umgibt, zu einer Bandage, wie sie nach einer Verletzung den Arm eines Patienten umhüllt. Die Gliazellen im Gehirn sind der Arzt, der die Bandage anlegt. Manchmal wählt Fischer mehrere Vergleiche. So sind die Gliazellen auch Trainer und Sportfunktionäre. Sie versorgen und betreuen die Sportler (Nervenzellen), deren Aktivität letztlich entscheidet. Ohne Gliazellen (Funktionäre) geht es nicht. Und wenn sie ihre Aufgabe nicht erfüllen, sind die Folgen für die Sportler fatal.

Durch die vielen wissenschaftlichen Details ist das Buch nicht als leichte Feierabendlektüre geeignet. Die an Sprachbildern reiche Ausdrucksweise des Autors hilft oft beim Verständnis der wissenschaftlichen Informationen, kann manchmal aber auch verwirren. Das gilt auch für die Wortspiele, die Fischer immer wieder einfließen lässt. Dennoch ist das Buch für alle zu empfehlen, die es genauer wissen wollen, ohne gleich zu studieren. Besonders interessant sind die eingefügten Ausflüge in die Wissenschaftsgeschichte. Davon hätten es ruhig ein paar mehr sein können.

Ernst Peter Fischer: Wie kommt die Welt in den Kopf? Oder Die Macht der Sinne
Herbig Verlag, München 2013
280 Seiten, 19,99 Euro

 

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