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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 23.04.2006

Die Dinge beim Namen genannt

Vor 20 Jahren starb der Regisseur Otto Preminger

Von Marli Feldvoß

Otto Preminger im Jahr 1979. (AP Archiv)
Otto Preminger im Jahr 1979. (AP Archiv)

Otto Preminger, der Amerikaner aus Österreich, war ein stets umstrittener und streitbarer Regisseur und Produzent, ein Unabhängiger in der Hollywood-Maschinerie. Er sah das Kino als moralische Anstalt und handelte auch danach. Preminger starb am 23. April 1986 in New York an Krebs.

Mit der "Neger"-Oper "Porgy and Bess" nahm sich Opernliebhaber Otto Preminger zum zweiten Mal nach seiner sehr erfolgreichen "Carmen Jones" eines umstrittenen "schwarzen" Stoffes an. Er gilt seitdem als der Regisseur, der mit seinem Raumgefühl als erster eine Riesenleinwand, in diesem Fall die Breitwand des Todd-AO-Verfahrens, sinnvoll zu nutzen verstand. Otto Preminger war ein streitbarer Regisseur und Produzent, ein Macher mit Zivilcourage, ein Showman in eigener Sache, der sich in den 50er Jahren als einer der ersten "Independents" etablieren und ohne Studio im Rücken spektakuläre und gewagte Stoffe wie "Exodus","The Cardinal" oder "The Man With The Golden Arm" realisieren konnte.

Er: "Ich brauche eine Dröhnung."

Sie: "Nein!"

Er: "Fünf Dollar oder drei oder zwei, aber bitte nur schnell."

Sie: "Du darfst das entsetzliche Zeug nicht mehr anrühren."

Er: "Ich weiß, Du hast Recht. Aber ich verspreche es Dir. Aber jetzt brauche ich eine Spritze, damit die Schmerzen aufhören."

Der drogensüchtige Frank Sinatra – das war damals ein Tabubruch. Otto Preminger nannte die Dinge beim Namen. Er drehte auch den ersten Spielfilm über Israel, der als englandfeindlich galt. Für "Exodus" nahm er obendrein als erster den unter McCarthy verfolgten Drehbuchautor Dalton Trumbo wieder unter Vertrag.

Otto Preminger war ein Machtmensch, der Schauspieler wie Untergebene terrorisierte; er erfüllte das Klischee des typischen Hollywood-Regisseurs bis zur Parodie, aber er verstand es besser als andere, ökonomisch zu wirtschaften und seine Unabhängigkeit zu bewahren.

"Ich halte jeden Film, den ich mache im Moment, in dem ich ihn mache, für sehr aktuell und wesentlich."

Zielstrebig verfolgte der am 5. Dezember 1905 in eine notable jüdische Wiener Juristenfamilie hineingeborene Otto Preminger seine Theaterinteressen. Er machte – dem Vater zuliebe - seinen Doktor iur., stand aber schon mit 17 auf der Bühne und ging als Nachfolger von Max Reinhardt als der jüngste Theaterintendant in die Geschichte ein. Bald holte Twentieth Century Fox den begabten jungen Mann nach Hollywood, wo sich Preminger mit dem Studiochef Darryl F. Zanuck überwarf und wichtige Jahre am Broadway in New York verbrachte. Der Durchbruch als Filmregisseur gelang ihm erst 1944 mit "Laura". Damit begann eine Serie stimmungsvoller Film-noir-Produktionen, die Premingers besondere Handschrift in Vollendung präsentierten: eine "mise en scène" mit langen Einstellungen, subtiler Charakterzeichnung und psychologischem Tiefgang.

"Ich habe niemals ein Gefühl, dass ich ein ausgefallenes Drehbuch habe. Ich mache die Filme, die mich interessieren. Und wenn meine Interessen nicht mit der allgemeinen Meinung zusammenfallen, dann sagen die andern Leute, es ist ausgefallen. Ich glaube, dass das wichtigste an einem Regisseur ist, dass man ihn nicht bemerkt, so dass eine besonders neue Art, Regie zu führen, eigentlich nicht existiert. Und jeder Stoff diktiert, glaube ich, die Art wie er inszeniert werden soll, obwohl natürlich jeder Regisseur seine eigene Individualität und seine eigenen Manien hat."

Otto Preminger starb am 23. April 1986. Noch heute sieht man den "Preußen" Hollywoods plastisch vor sich – ein "Ehrentitel", den der Wiener Jude auch seiner kahlköpfigen mächtigen Erscheinung verdankte, die ihn ausgerechnet für Nazirollen prädestinierte. Seine Schauspieler führte er zu Höchstleistungen: Gene Tierney in "Laura", seine Entdeckung Jean Seberg in "Bonjour Tristesse", Henry Fonda in "Advise and Consent" – drei bleibende Meisterwerke, die den ewigen Konflikt zwischen Richtig und Falsch als ambivalentes Grundmuster der "condition humaine" zum Inhalt haben. Auch der jungen Marilyn Monroe - sicher keine überzeugende Sprecherin - verhalf er in "The River of No Return" in Cinemascope und Technicolor zu einem erinnerungswürdigen Auftritt:

"There is a river called the river of no return. Sometimes it’s peaceful and sometimes wild and free.""

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