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Buchkritik

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 03.07.2012

Die digitale Bedrohung

Misha Glenny: "Cybercrime"; Sandro Gaycken: "Cyberwar"

Spionage, Diebstahl oder Zerstörung von sensiblen Computerprogrammen – all das ist Alltag in unseren Netzen.
Spionage, Diebstahl oder Zerstörung von sensiblen Computerprogrammen – all das ist Alltag in unseren Netzen. (Stock.XCHNG / Sachin Ghodke)

Hackerangriffe, Datendiebstahl, Kreditkartenbetrug: In der digitalen Welt sind wir – Privatpersonen, Unternehmen und Staaten – äußerst verwundbar. Misha Glenny und Sandro Gaycken widmen sich in "Cybercrime" und "Cyberwar" diesen Schattenseiten des Internets.

Berichte über Cyberkriminalität sind seit einigen Jahren aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Sie hinterlassen ein mulmiges Gefühl, denn Hackerattacken im Internet verlaufen unsichtbar und leise. Spionage, Diebstahl oder Zerstörung von sensiblen Computerprogrammen – all das ist Alltag in unseren Netzen, meist ohne dass wir es bemerken. Die Bedrohung ist allgegenwärtig. Auch Misha Glenny und Sandro Gaycken geben keine Entwarnung. Zwar widmen sie sich in "Cybercrime" und "Cyberwar" wohltuend unaufgeregt dieser Schattenseite des Internets. Ihre Warnung ist dafür umso nachdrücklicher: In der digitalen Welt sind wir – Privatpersonen, Unternehmen und Staaten – äußerst verwundbar. Und bislang gibt es keine Rezepte dagegen.

Der britische Journalist Misha Glenny, spezialisiert auf das internationale organisierte Verbrechen, hat zwei Jahre lang in der Unterwelt der Cyberkriminalität recherchiert. 200 Stunden Interviews, Gerichtsdokumente und Archivmaterial hat er zu einer einzigartigen Geschichte des Kreditkartenbetrugs komprimiert, die sich liest, wie ein spannender Krimi. Erzählt wird der Aufstieg und Niedergang der wichtigsten Internetplattformen in der Szene wie Carderplanet, Shadowcrew, CardersMarket und Darkmarket, die bis vor wenigen Jahren nur ein Ziel verfolgten: Den Milliarden-Markt mit gestohlenen Kreditkartendaten zu etablieren und zu koordinieren. Gezeigt werden die Männer hinter den Websites, ihre Lebensgeschichten und die mafiösen Strukturen, aber auch die Jäger von FBI und Secret Service. Denen gelingt es zwar, die Kriminellen zu fassen und die Plattformen zu schließen, allerdings – so das ernüchternde Fazit Glennys – steht bereits eine neue Generation sogenannter Carder in der Spur. Der Aufwand, Cyber-Kriminelle zu jagen, wird immer größer, konstatiert der Journalist.

Während Glenny einen winzigen Teil der Cyberkriminalität wie unter einem Brennglas zeigt, hat sich der Technik- und Sicherheitsforscher Sandro Gaycken das weite Feld des Cyberkriegs vorgenommen – also jene Attacken von staatlichen Akteuren, Geheimdiensten und Militärs, die auf die Informationstechnologien anderer Staaten zielen. Anschaulich klärt er über verschiedene Spielarten des Cyberwars auf, indem er beunruhigende Szenarien entwirft für Cyberspionage, Wirtschaftssabotage, Manipulation der öffentlichen Meinung oder den direkten Hackerangriff auf die Kommunikationsstrukturen des militärischen Gegners. Mit konkreten Fällen eines realen Cyberwars hält er sich zurück. Denn bekannt gewordene Beispiele sind tatsächlich rar – wie etwa der Computerwurm Stuxnet, der 2010 von den USA gegen iranische Atomanlagen eingesetzt wurde. Auch wann und ob ein Cyberwar wirklich kommt, lässt Gaycken offen. Sein Verdienst besteht vor allem darin, für mögliche Gefahren zu sensibilisieren und die Schaffung von Abwehrstrategien anzumahnen. Denn gerade hoch technisierte Staaten wie Deutschland sind aus seiner Sicht besonders anfällig gegen Angriffe aus dem Internet.

Besprochen von Vera Linß

Misha Glenny: CyberCrime. Kriminalität und Krieg im digitalen Zeitalter
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel.
DVA 2012
352 Seiten, 19,99 Euro

Sandro Gaycken: Cyberwar. Das Wettrüsten hat längst begonnen: Vom digitalen Angriff zum realen Ausnahmezustand
Goldmann 2012
256 Seiten, 9,99 Euro