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Profil / Archiv | Beitrag vom 05.03.2010

Die Beatles in Lautschrift

Chor der Woche: Die Chorifeen aus Wewnzenbach

Von Michael Böddeker

Notenblatt (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Notenblatt (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Der "Chor" und die "Feen" – zusammen: Chorifeen. Dieses Wortspiel benutzen gleich mehrere Chöre als Namen. Heute stellen wir die Chorifeen aus Wenzenbach bei Regensburg vor und schauen, ob sie auch Koryphäen auf ihrem Gebiet sind.

"Spitzt die Ohrn, Ihr Wenzenbacher Leut. Chorifeen, die singen für Euch heut. Hört nur, die kleine Melodie, die schöne Harmonie, wir alle lieben sie, mit ihrem ... Baaa ..."
"... bapapapapapapapaaaaa ..."

Carmen Hartl: "Ja mir macht's riesig Spaß. Ich muss sagen, ich kann in den eineinhalb Stunden, die wir Chorprobe haben, total abschalten."

Carmen Hartl singt seit drei Jahren bei den Chorifeen in Wenzenbach. Einmal pro Woche treffen sich die Frauen zur Probe.

Carmen Hartl: "Ich versuche, in meiner Stimme halt alles zu geben. Das Singen alleine macht mir schon ganz viel Spaß, und im Chor ist es halt einfach noch viel schöner."

Wenzenbach ist eine kleine Gemeinde bei Regensburg. Mitten im Ort steht das "Haus der Musik", in dem der Frauenchor probt. Ebenso der Männerchor. Und auch eine Musikschule hat hier ihr Zuhause.

Montagabend, 20 Uhr: Nach und nach treffen die etwa 25 Sängerinnen im Proberaum ein. Das Altersspektrum reicht von Anfang 30 bis Mitte 60. Vorne an der Wand steht ein altes Klavier, an den Wänden hängen Musikinstrumente sowie Teller mit dem Wappen des Musik- und Gesangsvereins.

Die Stühle für die Chormitglieder sind im Halbkreis um ein graues Yamaha-Keyboard aufgebaut, wo Chorleiterin Melinda Schwarz gerade ihre Notenblätter sortiert.

"Die Leiterin der Musikschule hier in Wenzenbach hat mich vor vier Jahren gefragt, ob ich einen Frauenchor leiten würde, weil es noch keinen gab in Wenzenbach. Einen Männerchor gibt's mittlerweile seit 50 Jahren, aber die Frauen hatten noch keine Chance zu singen. Und dann wurde dieser Chor eben ins Leben gerufen."

Die 26-Jährige hat am Music-College in Regensburg ihren Abschluss gemacht. Inzwischen gibt sie Unterricht in Gesang, Klavier und Gitarre, und hat darüber hinaus ab und zu Auftritte mit ihren zwei Bands.

"Hab vor vier Jahren eben den Chor übernommen – besser gesagt: gegründet – und ja, war schon ziemlich jung für so einen Chorleiter, dann vor älteren Leuten zu stehen."

Trotzdem, sagt Melinda Schwarz: Schwierigkeiten, sich als Leiterin durchzusetzen, habe sie nicht gehabt. Nur manchmal sei es harte Arbeit ...

"Wenn es vom Lautstärkepegel so enorm ist. Weil das doch eben lauter Frauen sind, und das Gegacker ist schon öfters mal zu hören. Da ist es dann für mich anstrengend, die ein bisschen zu bändigen. Aber ansonsten ist das einfach vom Singen her der Spaßfaktor sehr groß und, joh, macht uns allen Spaß."

"Why do birds suddenly appear
Every time you are near?
Just like me, they long to be
Close to you.

Why do stars fall down from the sky
Every time you walk by?
Just like me, they long to be
Close to you."


Heute wird der Song "Close To You" geübt. Die Chorleiterin gibt Handzeichen für die Einsätze von Sopran und Alt. Am Keyboard spielt sie die Melodie, oder singt selbst die richtigen Töne vor. Schwierige Passagen lässt sie wiederholen ...

"Okay, machen wir noch mal. Ich geb Euch den Einsatz ... Just Like Me ... They Long To Beeeeeee …"

Nicht immer klappt es ...

"Auf die Vier! Eins, zwei, drei ... Whyyyy ...
Also wir üben ja noch. Also eins zwo die vier UND"

Die bekannteste Version von "Close To You" stammt von den Carpenters. Es ist nicht der einzige Pop-Klassiker, den die Chorifeen im Repertoire haben. Auch die Beatles gehören dazu, oder "Eternal Flame" von den Bangles.

"Ich hätt noch 'Imagine' da"
"Ja, 'Imagine'! Machen wir 'Imagine'!"

"Imagine there's no heaven
It's easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today
Imagine there's no countries
It isn't hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace"

Die englischen Texte sind gerade für die älteren Sängerinnen etwas schwierig. Sie werden deshalb zunächst ins Deutsche übersetzt, damit jeder weiß, worum es geht, und danach anhand von Lautschrift gesungen. Ebenso machen es die Damen bei schwedischen Texten, wie "Gabriella's Song" aus dem Soundtrack des Films "Wie im Himmel". Den haben sich die Frauen einmal begeistert zusammen angeschaut. Dann haben sie den Text nach dem Gehör nachgesungen.

Bald steht ein Auftritt im Regensburger Seniorenzentrum an – dort wird wohl eher deutsches Liedgut auf dem Programm stehen ...

"Horch was kommt von draußen rein
Horch was kommt von draußen rein
Horch, was kommt von draußen rein, holahi, holaho,
wird wohl mein Feinsliebchen sein, holahiaho?
Geht vorbei und schaut nicht rein, holahi, holaho,
wird's wohl nicht gewesen sein, holahiaho!"

Auftritte wie der demnächst in Regensburg gehören zu den Höhepunkten, findet auch die Leiterin der Wenzenbacher Musikschule, Brigitta Guggenberger. Sie singt im Chor in der Stimmlage Alt.

"Ich denke schon, dass wir dann allgemein nervöser sind. Wir bemühen uns alle sehr, dass wir beim Auftritt möglichst gut singen. Aber wir sind auch sehr nervös dabei, das muss ich schon sagen."

Ende der Probe. Chorleiterin Melinda Schwarz ist zufrieden mit den Fortschritten ihres Chors.

"Vielen Dank Euch! Dass Ihr das so durchgestanden habt."

Sängerin Carmen Hartl ist nach der Probe nicht erschöpft, sondern eher erfrischt ...

"Mir geht's ganz gut danach. Und ich sing auch das Lied, was wir zum Schluss gesungen haben oder was uns gerade momentan beschäftigt, die ganze Nacht noch durch (lacht). Das macht einfach sehr viel Spaß, zusammen zu singen."


Immer mehr Menschen in Deutschland singen im Chor. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Chorverbände (ADC) stellt Deutschlandradio Kultur jeden Freitag um 10:50 Uhr im Profil Laienchöre aus der ganzen Republik vor: Im "Chor der Woche" sollen nicht die großen, bekannten Chöre im Vordergrund stehen, sondern die Vielfalt der "normalen" Chöre in allen Teilen unseres Landes: mit Sängern und Sängerinnen jeden Alters, mit allen Variationen des Repertoires, ob geistlich oder weltlich, ob klassisch oder Pop, Gospel oder Jazz und in jeder Formation und Größe.

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