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Profil / Archiv | Beitrag vom 31.10.2012

Der Pensionär als Popstar

Helmut B. wagte den Schritt vom Manager zum Sänger

Von Petra Marchewka

Er hatte immer "einen tiefen Komplex, was das Klavierspielen angeht", gesteht Helmut Butzmann - und spielt heute doch.
Er hatte immer "einen tiefen Komplex, was das Klavierspielen angeht", gesteht Helmut Butzmann - und spielt heute doch. (Stock.XCHNG)

Helmut Butzmann ist ursprünglich Gründer eines Hamburger Software-Unternehmens. Jetzt, mit 68 bastelt er an seiner Gesangskarriere und hat mit namhaften Musikern wie Annett Louisan eine CD über das Altwerden produziert.

Musik: "Tiefe Hosen"

Helmut B.: "Unter den 16 deutschen Tänzen, opus 33, ist der fünfte Tanz ein Tanz, der mir auffiel eim Spielen, und da dachte ich, da könnte man doch einen hübschen Text dazu machen, der Schubert hat ja wunderbare kleine Tänze komponiert ..."

Wer sagt eigentlich, dass ein Newcomer unbedingt am Anfang seines Lebens stehen muss?

Helmut B.: "Und da hab ich dann irgendwann ..." (beginnt zu singen) "Häng die Hosen tiefer, trag die Mütze schiefer, tritt die Schuhe breiter ... Und so weiter."

Musik: "Tiefe Hosen" von Helmut B.

Der grauhaarige, charmante Mann erzählt, wie ihn die Reime ganz unverhofft überfallen. Zack, ein Spaß der Synapsen, morgens unter der Dusche, unterwegs im Auto, oder hier zu Hause am Klavier. Am Klavier allerdings, berichtet er augenzwinkernd, ereile ihn zeitweise eine biografisch bedingte Schüchternheit.

Helmut B.: "Meine Schwester ist ja Musikerin. Acht Jahre älter als ich. Und als ich anfing, Klavier zu spielen, hat sie immer aus der Küche gerufen: Fis! Oder B! Oder Hör auf!, und seitdem habe ich einen tiefen Komplex, was das Klavierspielen angeht."

Musik: "Beim Italiener" von Helmut B.

Ein paar Autominuten von seinem Zuhause in Hamburg Othmarschen entfernt liegt das italienische Restaurant, in dem Helmut Butzmann gelegentlich zu Mittag isst. Der weltgewandte Geschäftsmann a.D. parkt souverän in zweiter Reihe und studiert gelassen die Speisekarte.

Helmut B.: "Ich nehm Ravioli..."
Kellner: "Ravioli gefullt mit drei verschiedene Käse?"
"Nee, mit Trüffel."
Kellner: "Mit Truffel, alles prima. La signorina, bitte?"

Eine perfekte Reimschmiede, so ein Lokal. Sein Stück "Beim Italiener", schmunzelt er spitzbübisch, sobald der Kellner wieder weg ist, sei als Geburtstagsgeschenk für einen Freund entstanden.

Helmut B.: "Da gibt es so ältere Herren, die gerne italienisch sprechen würden, es auch schon einigermaßen können, aber eben nicht richtig, und wenn die einen italienischen Kellner ansprechen – das habe ich in einem Lokal so erlebt – dann antwortet der Italiener auch in falschem Italienisch."

Musik: "Beim Italiener"

Helmut Butzmann hatte schon immer ein Faible für die Kultur und gab dem - so gut es eben ging - parallel zu den IT-Geschäften Raum. In den 70ern schrieb der Wahl-Hamburger eine Revue über Heinrich Heine. Seit einigen Jahren schon organisiert er die Reihe "Happy New Ears", eine Veranstaltungsplattform für neue Musik. Und am 8. November bestreitet Butzmann gemeinsam mit dem Thalia-Theater-Schauspieler Jens Harzer einen Abend über den Hitler-Attentäter Georg Elser in den Hamburger Kammerspielen.

Dass sein beruflicher Weg ihn nicht in die Kunst, sondern Mitte der 60er Jahre in die Computerbranche geführt hatte, war lediglich der Vernunft geschuldet.

Helmut B.: "Ich bin ganz früh Vater geworden und musste alle spinnerten Pläne fliegen lassen und musste eine kleine Familie ernähren. Mit 21 schon, und da habe ich eben einen Brotberuf erwählt, wo ich sicher Geld verdienen konnte, und der hat mich erstmal 15 Jahre lang beschäftigt. Und dann habe ich wieder angefangen, mich ein bisschen um andere Dinge zu kümmern."

Ruhestand ist nichts für Helmut Butzmann. Deshalb zögert er nicht lange, als ihm ein Zufall den Weg in Richtung Sängerkarriere ebnet.

Helmut B.: "Also als Helmut B. bin ich sozusagen entdeckt worden. Auf der Geburtstagsfeier meiner Tochter war die Frau des Pianisten Joja Wendt, und die fragte mich, nachdem ich meiner Tochter ein kleines Ständchen gesungen hatte, mit nem eigenen Text: Hast Du davon noch mehr?"

Musik: "Go on" von Helmut B.

Helmut Butzmann trifft einen Manager, liest ihm ein paar Texte vor. Daraus machen wir eine Platte, sagt der Manager, mit den Arrangements des Hamburger Musikers Hardy Kayser.

Musik: "Go on" von Helmut B.

Helmut B.: "Ich weiß, wie man tickt als über 65-Jähriger. Ich weiß, dass da das Leben so eine melancholische Grundierung bekommt, und ich würde behaupten, dass alle über 65 auch einmal jeden Tag ans Ende denken. Aber die Texte zeigen Aspekte auf, die es möglich machen, mit diesem Altwerden zu leben. Und nicht mal schlecht."

Musik: "Go on" von Helmut B.

Seine Zukunft im Schlager-Business? Die gibt es nicht, antwortet Helmut Butzmann wie aus der Pistole geschossen, um sofort zu ergänzen, dass er allerdings noch viele, viele Textideen in der Schublade habe.

Helmut B.: "Mein großer Sohn hat mich erinnert, dass so was auch Nerven kostet. Ich soll mich hinterfragen, ob ich diese Nerven auch habe, und diese Frage habe ich mir auch ernsthaft gestellt und hab dann gesagt: Ja, ich hab die Nerven. No risk, no fun, ja (lacht)."

Musik: "Go on” von Helmut B.