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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 17.03.2009

Der Küchenroboter

Von Wolfgang Nitschke

Küchenroboter im Laborbetrieb an der Technischen Universität München. (Institut für Informatik/Technische Universität München)
Küchenroboter im Laborbetrieb an der Technischen Universität München. (Institut für Informatik/Technische Universität München)

Auf dem Campus der Technischen Universität München gibt es eine Küche. Keine Küche, in der sich die Professoren Kaffee kochen können, sondern eher ein Küchen-Labor, voll gestopft mit Elektronik. Die Klimaanlage sorgt für gleich bleibende Temperatur und Luftfeuchtigkeit, denn der Küchenchef ist noch etwas empfindlich, bei ihm handelt es sich um einen Roboter.

So hört es sich an, wenn ein Mensch eine Spülmaschine ausräumt und die Teller und Tassen auf den Tisch stellt. Das geht relativ schnell, aber eben nicht geräuschlos. Der Roboter ist da noch wesentlich langsamer, aber er macht auch weniger Krach.

Er fixiert mit seiner Kamera das Objekt, fährt zur Spülmaschine hin, öffnet seine Roboterhand und nimmt Teil für Teil einzeln und stellt es auf den Tisch.

Gedacht ist der Küchenroboter aber nicht als Haushaltshilfe für arbeitsscheue Haumänner oder Hausfrauen. Michael Beetz, Professor für autonome künstliche Systeme am Institut für Informatik der TU München

"Es gibt ganz verschiedene Anwendungsbereiche, wo man solche Systeme einsetzten kann. Eines der Hauptziele ist für uns, dass wir es älteren Leuten ermöglichen wollen, länger unabhängig zu Hause zu leben und so die Qualität der Menschen in dem Alter erhöhen möchten und eben auch ihre Selbstständigkeit unterstützen."

Um das zu erreichen darf der Roboter aber keine reine Maschine sein. Er muss aus Erfahrung lernen. Was steht in der Küche wo? Was bedeutet es, wenn Jemand den Tisch deckt? Und der Technik sei Dank - der noch recht unförmige Küchenchef lernt tatsächlich.

"Zum einen haben wir eben ein Netzwerk von Sensoren, Kameras, aber auch andere Sensoren, wie RFID-Tech-Lesegeräte, die Objekte in ihrer Umgebung erkennen. Diese Systeme erkennen zum Beispiel die Teller im Schrank, oder, dass Teller auf dem Tisch stehen, oder die würden erkennen, dass Leute den Tisch decken, wenn die Teller aus dem Schrank verschwinden und auf dem Tisch erscheinen. Und andere Systeme sind eben Kamerasysteme, die die menschlichen Bewegungen beobachten und die können dann zum Beispiel Dinge wie Unfälle, oder, dass jemand hingefallen ist, erkennen."

Viele Forschungseinrichtungen und Universitäten arbeiten momentan an vergleichbaren Projekten, die älteren Menschen das Leben leichter machen sollen. denn schon im Jahr 2030 werden ein Drittel der Einwohner Deutschlands über 60 Jahre alt sein. Gleichzeitig nimmt aber die Zahl der Angehörigen pflegebedürftiger Menschen ab. So genannte Patientenassistenzsysteme, wie der Küchenroboter haben deshalb große Marktchancen.

In der Pflege und Betreuung ist jedoch auch soziale Kompetenz wichtig, weshalb noch viel Arbeit vor den Forschern liegt. Das Ausräumen der Spülmaschine darf nur ein Teil der Arbeit eines Roboters sein.

Professor Thomas Brand, Leiter des Instituts für klinische Neurowissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München:

"Wichtig ist, dass diese Roboter nicht nur motorische Eigenschaften haben, sondern, dass man sie auch mit Sinneseigenschaften versieht: dass sie hören können, dass sie sprechen können, dass sie sehen können und dass sie fühlen können. Diese Roboter müssen ein Modell vom Menschen haben, wie er zum Beispiel aufsteht, wenn sie ihm behilflich sein wollen, sie müssen an den Blicken des Menschen sehen, was er möchte. Sie können ein Gesicht haben, lächeln, fragend schauen und dann bin ich mir sicher, dass pflegebedürftige Menschen solche Systeme gerne annehmen."

Was sich zunächst nach Zukunftsmusik anhört, ist aber gar nicht mehr so weit weg von der Realität. In der Labor-Küche in München steht bereits der "kleine Bruder" des unförmigen Küchenchefs. Er hat ein Gesicht, die Kameras sind nicht mehr auf dem Kopf montiert, sondern hinter den Augen und er hat Arme und Beine, die an menschliche Gliedmaßen erinnern.

Das Argument, nur die wenigsten älteren Menschen hätten Erfahrungen mit Computern und Elektronik und würden solche Roboter sicher falsch bedienen, zählt für Professor Brand nicht.

"Wir bauen ja für die Zukunft und in der Zukunft wird eine Generation pflegebedürftig, die mit dem Computer aufgewachsen ist und dann kann man auch erwarten, dass auch mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten solche Menschen noch elektronische Geräte bedienen können."

Marktreif sind Pflegeassistenzsysteme aber erst, wenn sie zu 100 Prozent funktionieren. Systemabstürze dürfen bei diesen Robotern nämlich nicht vorkommen.

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