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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 18.05.2011

"Der Biber"

Film über einen depressiven Mann und sein Stofftier

Gesehen von Hannelore Heider

Walter (Mel Gibson) und seine geliebte Biber-Handpuppe (Concorde Filmverleih)
Walter (Mel Gibson) und seine geliebte Biber-Handpuppe (Concorde Filmverleih)

Nachdem Mel Gibson in den letzten Jahren vor allem mit Exzessen in seinem Privatleben Schlagzeilen gemacht hat und auch von Jodie Foster lange kein Film mehr auf die Leinwand kam, ist das Interesse an ihrem gemeinsamen neuen Film groß, zumal er eine ungewöhnliche und in ihrem ernsten Kern für Hollywood auch mutige Geschichte erzählt.

Der Held des Filmes, Walter Black (Mel Gibson) ist ein schwer depressiver Mann, der seine Firma und seine Familie längst ruiniert hat. In leicht sarkastischem Ton wird uns die Leidensgeschichte in wenigen Rückblenden erzählt. Die Filmhandlung setzt ein, als sich seine Frau Meredith (Jodie Foster) endlich dazu durchringt, ihn aus ihrem Heim und vor allem von ihren Kindern zu entfernen.

Walter bleibt eigentlich nur noch der Selbstmord, doch bevor das Unterfangen gelingt, findet er im Müll ein Stofftier, den titelgebenden Biber, der fortan die Kommunikation mit der Welt für ihn unternimmt. Und das Wunder geschieht, Walter gewinnt über diese Handpuppe, die auch im Schlaf über seine Hand gestülpt bleibt, sein altes Selbstvertrauen und damit auch seine Familie zurück.

Diese surreale Kreation des alten Walter-Ichs birgt aber auch das Risiko, sich nicht nur lächerlich zu machen, was Walter dank des neuen Selbstbewusstseins zu umgehen weiß, sondern auch die Gefahr der Abhängigkeit von dieser Hilfskonstruktion. Seine Frau drängt immer mehr darauf, dass sich Walter dieser Puppe bald entledigt und als geheilter Mann glücklich mit ihr leben kann. Dass dies nicht so einfach funktioniert, ist eine der Stärken des Stoffes.

In einer viel realistischer erzählten Parallelhandlung, der Liebesgeschichte von Walters ältestem Sohn Porter (Anton Yelchin) und einer seelisch angeschlagenen Schulfreundin (Jennifer Lawrence), wird deutlicher als in der überhöhten Biber-Geschichte, dass alle Liebe der Welt Lebensprägungen unseeliger Art nicht heilen kann. Darauf zu bestehen, ist mutig, das anzunehmen wird dem Zuschauer aber durch die unausgegorene Mischung unterschiedlicher Erzählebenen und Tonlagen schwer gemacht.

Mel Gibsons immer viel zu theatralisches Spiel passt zwar zur Schizophrenie des Puppenspiels, das er mit zwei Dialekten bravourös durchzieht, weniger aber zur ansonsten realistischen Anlage der Geschichte. Die Altersfreigabe ab 6 Jahren ist nicht nur unangemessen, sie macht den Film auch klein, da sie eindeutig nur auf den Spaß mit dem rasant plappernden Stofftier zielt.

USA 2011, Regie: Jodie Foster, Darsteller: Mel Gibson, Jodie Foster, Jennifer Lewrence, Anton Yelchin, FSK: ab 6 Jahren, 91 Minuten

Filmhomepage Der Biber

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