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Religionen / Archiv | Beitrag vom 15.08.2009

Das Pfeifen der Gekreuzigten

30 Jahre Monty Python’s "Das Leben des Brian" - Was von der Blasphemie übrig blieb

Von Ralf Bei der Kellen

Die Kirchen nahmen unter anderem an der Darstellung der Gekreuzigten in "Das Leben des Brain" Anstoß. (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)
Die Kirchen nahmen unter anderem an der Darstellung der Gekreuzigten in "Das Leben des Brain" Anstoß. (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)

Die Bibel-Persiflage "Das Leben des Brian" der britischen Kult-Komikertruppe Monty Python kam vor 30 Jahren ins Kino. Der Film löste zu seiner Uraufführung am 17. August 1979 Proteste bei alle etablierten Kirchen aus.

"Always Look On The Bright Side Of Life” - Wenn dieses Lied erklingt, verspüren viele Menschen einen fast reflexartigen Drang zum Mitpfeifen. Kein Wunder, schließlich handelt es sich um die Erkennungsmelodie einer der bekanntesten Komödien der Filmgeschichte – "The Life Of Brian" von der britischen Comedytruppe Monty Python.

Die Szene, in der dieses Lied erklingt, fanden viele Menschen allerdings alles andere als lustig: Auf einem Berg stehen rund ein Dutzend Kreuze, an denen Menschen hängen, die fröhlich singen. Einige Zuschauer gewannen den Eindruck, als verspottete der Film das Leben und das Leiden von Jesus Christus.

Ursprünglich sollte Brian der 13. Apostel sein, der zu allen wichtigen Ereignissen zu spät kam. Diese Idee wurde allerdings bald verworfen. Monty Python-Mitglied John Cleese erklärte 1979 in einer amerikanischen Talkshow, warum:

"We tried this, and found that it just didn’t work. Because the moment you got near the figure of Christ, I mean really near, it just wasn’t funny, because Christ was wise and flexible and intelligent. And he didn’t have any of the things that comedy is about: envy, greed, malice, avarice, lust and stupidity.”"

Übersetzung: ""Es funktionierte einfach nicht, denn – in dem Moment, wo wir uns mit der Handlung der Person Jesus näherten, verlor es jeglichen Witz. Denn Jesus war weise und intelligent. Und er hatte so gar nichts von den Dingen, die üblicherweise im Mittelpunkt von Comedy stehen, wie Neid, Gier, Bosheit, Geiz, Wollust und Dummheit."

Also wurde Brian ein von seiner alten Mutter dominierter, eher charakterschwacher junger Mann, der um das Jahr 33 in Nazareth lebt, und der wider Willen zu einem Messias erklärt wird. Diese Figur wurde von vielen mit Jesus verwechselt – obwohl Letzterer selbst als Figur im Film auftritt. Diesem Irrglauben erlag auch Lord Bernard Delfont von der britischen Firma EMI, die den Film produzieren wollte. Er las das Drehbuch – und zog dem Projekt den Stecker. Seine Begründung: der Films sei blasphemisch. Der Journalist Volker Bleeck ist Autor des Buches "Kommen wir nun zu etwas völlig anderem. 40 Jahre Monty Python".

"Also nachdem Lord Bernard Delfont mitgeteilt hatte, dass der Film nicht produziert werden könnte bei der EMI, hat der Produktionschef noch versucht, ihn umzustimmen. Und daraufhin hat Bernard Delfont irgendwann den Satz gesagt: ’I’m not gonna have people saying that I’m making fun of fucking Jesus Christ!’”"

"Ich will nicht, dass die Leute sagen, dass ich mich über diesen verfluchten Jesus lustig mache" – die ganze Scheinheiligkeit, die dem Film später entgegenschlug, ist bereits in diesem einen Satz enthalten. Dass die Pythons ihren Film schließlich doch noch drehen konnten, hatten sie einem alten Freund zu verdanken.

Ex-Beatle George Harrison hatte das Skript gelesen und war so begeistert, dass er den Film aus eigener Tasche finanzierte. Die Idee des Films wird bereits in der zweiten Szene deutlich: Man sieht Jesus Christus, wie er die Bergpredigt hält. Die Kamera schwenkt auf Brian und seine Mutter, die weit hinten stehen und versuchen, sich einen Reim auf das akustisch Halbverstandene zu machen.

""Das komische Element des Films liegt in der Interpretation der Evangelien. Jesus predigte Friedfertigkeit, Nächstenliebe, Barmherzigkeit. Und anschließend schlugen sich die Menschen 2000 Jahre lang die Köpfe ein, weil sie sich nicht einig werden konnten, wie er das nun genau gemeint hatte."

So formulierte es das Monty Python-Mitglied Terry Jones. Seine Uraufführung erlebte der Film schließlich am 17.August 1979 in New York. Man entschied sich für Amerika, weil in Großbritannien noch im Jahr zuvor ein Dichter wegen Blasphemie verurteilt worden war. Aber auch im "Land Of The Free" hagelte es Proteste.

John Cleese: "I mean they were all protesting outside the New York Cinema. And there were all the established churches: The Lutherans, the Catholics, two lots of the Jewish faith, and the Calvinists, I think. And Eric Idle said: At least we brought them together for the first time.”" (Talkshow 1979)

Übersetzung: ""An den Protesten vor dem Premierenkino nahmen alle etablierten Kirchen teil – Protestanten, Katholiken, die jüdische Gemeinde gleich zweimal – ich glaube, es waren sogar Calvinisten dabei! Und Eric Idle sagte zu mir: ’Na, wenigstens haben wir sie einmal vereint!’"

Volker Bleeck: ""In Irland wurde der Film [auch] wegen Blasphemie verboten und das dauerte dann acht Jahre, bis er tatsächlich dann auch in den Kinos laufen konnte. Der Film wurde nicht aufgeführt in Norwegen, was dann dazu führte, dass die Schweden, die ihn zeigten, gleich damit geworben haben: ’Dieser Film ist so witzig, dass er in Norwegen verboten ist.’ Es gibt dann noch ein paar absurde Ereignisse im Rahmen mit diesen Aufführungsverboten. So war es eben so, dass jede Kommune in England selbst bestimmen konnte, ob der Film laufen darf. Der wurde dann teilweise schon im vorauseilenden Gehorsam verboten – und das eben teilweise in Kommunen, die gar kein Kino hatten."

In Großbritannien erlebte die Diskussion um den Film ihren Höhepunkt in einem TV-Rededuell zwischen den Python-Mitgliedern John Cleese und Michael Palin einerseits und dem Bischof von Southwark und dem bekannten wiedergeborenen Christen Malcom Muggeridge auf der anderen Seite.

Volker Bleeck: "In der Sendung selber eskalierte das Ganze dann irgendwann, als dann den Pythons vorgeworfen wurde, naja, sie würden ihre 30 Silberlinge ja kriegen mit dem Geld, das sie mit diesem Film verdienen. Und für John Cleese und Michael Palin war das erstaunlichste, dass [sich] eben genau diese Kombattanten, diese Gegner, mit denen sie da zu tun hatten, auch nach der Sendung sozusagen hinter den Kulissen auf die Schulter klopften und meinten, das sei doch eine tolle Show gewesen, die man da geliefert habe, und ob man denn nicht noch jetzt einen trinken gehen wollte."

Das Ziel, mit ihrem Film jegliche Form von religiösem Fundamentalismus in Frage zu stellen, haben die Pythons definitiv erreicht. 30 Jahren später, nach der Verfolgung Salman Rushdies, dem dänischen Karikaturenstreit und dem um sich greifenden christlichen Fundamentalismus in den USA, stellten auch die Monty Pythons kürzlich fest, dass man sie einen Film wie "The Life Of Brian" heute wahrscheinlich nicht mehr machen lassen würde, obwohl es notwendiger denn je sei.

Fußnote: Im Januar des Jahres 1990 kamen die Pythons noch einmal zusammen, um das Lied zu singen, an dem so viele Gläubige Anstoß nahmen. Anlass war der Trauergottesdienst für ihren an Krebs verstorbenen Kollegen und Brian-Darsteller Graham Chapman. Dass sie das Lied zu einem solchen Anlass sangen, zeigte, wie ernst es den Pythons mit ihrem Spaß war.

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