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Das Koks der Armen

Die Aufstieg von Crystal Meth von der "Panzerschokolade" zum tödlichen Suchtmittel

Von Christian Berndt

N-Methylamphetamin kommt in Form von Kristallen - daher der Name "Crystal Meth".
N-Methylamphetamin kommt in Form von Kristallen - daher der Name "Crystal Meth". (picture alliance / dpa / Arno Burg)

Vor allem aus Tschechien kommt die synthetische Droge nach Deutschland und ist hier rasant auf dem Vormarsch. Um etwa 40 Prozent ist die Zahl der Suchtberatungen zu Crystal Meth im vergangenen Jahr gestiegen. Das Mittel ist hochgefährlich.

<p>&quot;Naja, dann hatte ich halt probiert. Und aus dem Probieren ist dann mehr geworden. Also, man hat Dinge geschafft, mal kurze Zeit, sag ich mal. Viele Ideen, das waren dann bloß zu viele Ideen, die konntest Du eigentlich gar nicht umsetzen. Ich war manchmal drei, vier Tage wach, habe nicht geschlafen.&quot;<br /><br />Mit 24 Jahren hat Rico das erste Mal Crystal Meth auf einer Party probiert – und das Resultat war euphorisches Glücksgefühl. Die synthetische Droge wirkt am Anfang wie Kokain: extrem stimulierend und leistungssteigernd, hält aber länger an. Und es ist leicht zu kriegen. Crystal kommt überwiegend aus Tschechien, das eine relativ laxe Drogengesetzgebung hat und in der Szene "psychodelische Großmacht" genannt wird, nach Deutschland, und hier vor allem nach Sachsen. Der Schmuggel floriert, und der Stoff ist billig: Ein Gramm gibt es in Tschechien für 30, in Deutschland für etwa 70 Euro. Für den Kick reichen bereits 10 mg<br /><br />&quot;So hattest Du immer drei, vier Mann, wo Du was organisieren konntest und beschaffen konntest. Das ist so, wie wenn Du in den Supermarkt gehst.&quot;<br /><br />In den USA nennt man Crystal das Kokain der Armen – doch die Sucht geht durch alle Schichten. Mittlerweile steht es nach Marihuana weltweit an zweiter Stelle im Drogenkonsum. Dabei sind die Folgen verheerend: Crystal tötet massiv Gehirnzellen ab und macht schnell süchtig. Die euphorisierende Wirkung lässt Schlaf- und Hungerbedürfnis abstumpfen, normal sind Erschöpfung, Abmagerung, schwere Akne und - weil der Stoff den Mund austrocknet – Zahnausfall. Nicht weniger gravierend sind die psychischen Störungen, die oft noch nach jahrelanger Abstinenz weiterwirken. Und die Rückfallquote liegt bei 90 Prozent:<br /><br />&quot;Nach zwei Jahren habe ich einen Rückfall gehabt und habe meinen Führerschein deswegen verloren. Kann meinen Job nicht mehr ausführen als Berufskraftfahrer und… ist schwer eigentlich. Ist ein tagtäglicher Kampf, weil, Du musst wirklich komplett abschließen mit allem, was vorher war. Die Sucht ist immer da.&quot;<br /><br />Crystal ist keine neue Erfindung. Schon im Zweiten Weltkrieg wurde es als sogenannte Panzerschokolade zur Beruhigung an Soldaten verabreicht – allerdings in sehr kleinen Dosen. Doch erst seit den letzten Jahren ist der Stoff, den man leicht aus Hustenmitteln herstellen kann, auf einem beängstigenden Vormarsch. Nach Schätzungen ist die Zahl der Suchtberatungen 2012 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, und die Menge des sichergestellten Stoffs seit 2009 um das 44igfache. Die Zahl der Abhängigen wächst dramatisch.<br /><br /><strong><em>Programmhinweis:</strong> Hören Sie auch das <papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/02/06/drk_20130206_1611_1d79edff.mp3" text="Interview mit Sucht-Therapeutin Juliane Rudolph" title="Interview mit Sucht-Therapeutin Juliane Rudolph" target="_self" /> zum Thema.</em></p>

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