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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.08.2012

"Das ist hohe Ideologisierung"

Jurymitglied Streeruwitz verteidigt Vergabe des Adorno-Preises an Judith Butler

Marlene Streeruwitz im Gespräch mit Gabi Wuttke

Die Kritik des Zentralrats der Juden in Deutschland weist Streeruwitz zurück. (picture alliance / dpa / Uli Deck)
Die Kritik des Zentralrats der Juden in Deutschland weist Streeruwitz zurück. (picture alliance / dpa / Uli Deck)

Die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz hat die Vergabe des Adorno-Preises an die amerikanische Philosophin Judith Butler verteidigt und die Kritik an der Nominierung zurückgewiesen. Butler bekomme den Preis "für ein Riesenwerk und eine Stellungnahme zur Welt, die sehr komplex" sei.

Es sei an der Zeit, die Replik Butlers zu den Vorwürfen, sie sei eine "Israel-Hasserin", entgegenzunehmen "und zu sagen: Jetzt reden wir weiter", forderte die Schriftstellerin, die dem diesjährigen Kuratorium des Adorno-Preises angehört.

"Die Brandmarkung mit 'Israel-Hasserin', das passiert den intellektuellen Nestbeschmutzerinnen in aller Welt, dass dann die Sache so gedreht wird und auch gedreht werden kann, weil es sich ( ... ) um eine weibliche Aussage handelt", kritisierte Streeruwitz.

Sie finde es "unglaublich bedauerlich, dass eine Person die schreckliche Holocaustgeschichte ihrer Familie hervorholen muss, ( ... ) um in ihren Kreisen als Berechtigte aufzutreten". Dies habe ihr "sehr zu denken gegeben".

Die Kritik des Zentralrats der Juden in Deutschland, dem Kuratorium des Adorno-Preises fehle es an moralischer Festigkeit, wies Streeruwitz zurück: "Ich finde es einfach eine maßlose Feststellung, und ich stehe davor und staune". Mehr könne sie dazu nicht sagen, "weil selbstverständlich meine moralischen Kriterien eigentlich für mich ganz gut ausreichen".

Sie glaube, hier sei etwas passiert, das wiederum zu Adorno zurückführe: "In der Moral lässt sich nichts 'richtiger' machen. Da lässt es sich nur richtig machen. Und solche Forderungen, das ist hohe Ideologisierung, das ist populistisch, das ist sehr schwierig. Und es führt nicht zur Kommunikation, es führt nicht zu einer Erweiterung der Argumentation und es führt nicht zu Frieden."

Das vollständige Gespräch mit Marlene Streeruwitz können Sie mindestens bis zum 31.01.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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