Seit 14:30 Uhr Vollbild
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 14:30 Uhr Vollbild
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.04.2010

"Coco Chanel & Igor Stravinsky"

Anke Leweke über eine filmische Doppelbiografie

Regisseur Jan Kounen stellt in dem Film die Liebesgeschichte zwischen dem russischen Komponisten Igor Strawinsky und der Französin Coco Chanel dar. Allerdings: Die Frage, was die beiden Künstler jenseits der Sexualität verbunden haben könnte, interessiert den Regisseur nicht.

Höchstwahrscheinlich war die Affäre nur eine Fußnote im Leben dieser beiden Künstler. Doch warum sollte sich das Kino nicht das Recht herausnehmen, die kurze Beziehung zwischen Coco Chanel und Igor Stravinsky weiterzufabulieren?

In Jan Kounens Film wird der mittellose Stravinsky mitsamt seiner Familie von der mittlerweile wohlhabenden und in der Modeszene etablierten Coco Chanel aufgenommen. Aber hier ist nicht Wohltätigkeit am Werk, sondern Begehren. Vorbei an den Argusaugen seiner Frau beginnen der Komponist und die Modeschöpferin eine wilde Affäre.

Die Frage, was die beiden Künstler jenseits der Sexualität verbunden haben könnte, interessiert den Regisseur allerdings nicht. Dabei handelt es sich hier um zwei Menschen, die beide Avantgardisten in ihrem Fach waren, und jeweils versuchten, die Mode bzw. die Musik neu zu erfinden.

So muss man im gediegenen und hübsch ausgeleuchteten Setting die eine oder andere Sexszene über sich ergehen lassen, ohne dass man so recht nachvollziehen kann, worin eigentlich die beiderseitige Anziehung liegt. Interessanter ist hingegen die Beziehung zwischen Stravinsky und seiner Frau gezeichnet- ein Abhängigkeitsverhältnis.

Er braucht seine Schwerkranke, weil sie die Familie zusammenhält, weil er sie für seine Kompositionen braucht. Während die Coco-Darstellerin Anna Mouglasis (übrigens ein Chanel Modell) nicht mehr als eine Kleiderstange für immer neue, gewagte Kostüme ist und Mads Mikkelsen still vor sich hin leidet, bietet wenigstens Yelema Morozova eine Darstellung, die unter die Oberfläche geht.

Ihrem eigentlich undankbaren Part als betrogene und gedemütigte Ehefrau trotzt sie eine ungeheure Glaubwürdigkeit ab. Ohne auf das Mitleid des Zuschauers zu spekulieren, gelingt ihr die Studie einer Frau, die weiß, dass ihr Leben in eine Zwickmühle geraten ist, und der nur das Erdulden ihres Leidens bleibt.

Frankreich 2009. Regie: Jan Kounen. Darsteller: Anna Mouglalis, Mads Mikkelsen, Elena Morozova, Natacha Lindinger, Grigori Manoukov, Rasha Bukvic, Nicolas Vaude, Anatole Taubman, Eric Desmarestz, Clara Guelblum. Länge: 120 Minuten

Filmhomepage "Coco Chanel & Igor Strawinsky"

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

Internationaler Leibniz-KongressEuropa als Universum der Gelehrten
Blick auf die Leibniz Universität in Hannover (Juli 2016) (imago/Rust)

Unter dem Motto "Für unser Glück oder das Glück anderer" wird Hannover im Rahmen des Internationalen Leibniz-Kongresses Schauplatz von mehr als 300 wissenschaftlichen Vorträgen. Dabei setzt die Europa-Vision des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz einen besonderen Akzent.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur