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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 02.11.2011

"Brasch - das Wünschen und das Fürchten"

Dokumentarfilm über einen faszinierenden Schriftsteller

Gesehen von Hannelore Heider

Thomas Brasch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises, 16.1.1982. (AP)
Thomas Brasch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises, 16.1.1982. (AP)

Der Lyriker, Dramatiker, Philosoph und Filmemacher Thomas Brasch starb am 3. November 2001 mit 56 Jahren in Berlin. Der Filmemacher Christoph Rüter hat Brasch in seinen letzten Lebensjahren mit der Kamera begleitet und ein intimes Porträt eines Getriebenen geschaffen.

In seinen letzten Lebensjahren war es um ihn still geworden. Freunde fürchteten um den Todkranken, der sich bis zuletzt an den deutschen Zuständen aufrieb.

Zu ihnen gehörte sein Freund Christoph Rüter, der jetzt zum zehnten Todestag ein Filmporträt vorlegt, das vor allem davon profitiert, dass Brasch den Freund aufgefordert hatte, nach der Wende seinen Umzug wieder zurück in seine alte Stadtheimat Ost-Berlin im Film festzuhalten. Aus diesen Beobachtungen, vor allem aber den frontal in die Kamera gesprochenen Gedanken und Befindlichkeiten, ist ein Vermächtnis geworden, das heute immer noch verstört.

Da hatte Thomas Brasch ein Leben und Wirken hinter sich, das einzigartig die Zerrissenheit künstlerischer Existenz im geteilten Deutschland spiegelte. Christoph Rüter nutzt die sehr persönlichen Filmaufnahmen vom Ende der 90er-Jahre in der Wohnung und am Ufer des Schiffbauerdamms in Berlin, um in diesen Rahmen hinein die fotografischen und filmischen Belege dieses Lebens zu setzen und so eine Art Erinnerungsstück zu schaffen – ohne Interpretationsansprüche, ohne eigene Kommentare oder den von Zeitzeugen, ganz darauf vertrauend, was das archivierte Material über den Künstler und politischen Menschen aussagt.

Dabei fungiert die Titelzeile als Wegweiser - "Das Wünschen und das Fürchten" ist kongenialer Ausdruck dessen, was Thomas Brasch durchlebt und in seinen Gedichten, Filmen, Theaterstücken, Romanen und Auftritten in der Öffentlichkeit zu verarbeiten gesucht hat: die schmerzhafte Loslösung von seinem als Kommunist und Jude in der DDR bis zum stellvertretenden Kulturminister aufgestiegenen Vater und damit auch seinem Vaterland DDR; das erfolgreiche Sichwehren dagegen, nach seiner Übersiedlung in den Westen Deutschlands als Kronzeuge eines "Unrechtsstaates DDR" vereinnahmt zu werden.

Thomas Brasch forderte sich ab, ein Nonkonformist zu bleiben, die Zumutungen der Wirklichkeit am eigenen Leibe zu erfahren und künstlerisch zu verarbeiten. Am Ende hatte er sich mit diesen Höchstforderungen selbst zerstört und doch genau das bis zum Schluss als einzige Möglichkeit kreativen Wirkens formuliert.

Deutschland 2010. Regie: Christoph Rüter. FSK: ab 12. Länge: 92 Minuten

Filmhomepage "Brasch - das Wünschen und das Fürchten"

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