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Religionen / Archiv | Beitrag vom 19.04.2014

BelgienKunstkrimi um zwei Altarbilder

Vor 80 Jahren wurden zwei Tafeln des Genter Altars gestohlen

Von Kirsten Serup-Bilfeldt

Der Mittelaltar im Genter Altar von Hubert und Jan van Eyck (Ausschnitt) zeigt die "Anbetung des Lammes" als Symbol für das Paradies in einer Frühlingslandschaft. Das Gemälde entstand um 1432. (picture-alliance / dpa )
Der Mittelaltar im Genter Altar (Ausschnitt) (picture-alliance / dpa )

Gerüchte, Verschwörungstheorien, mysteriöse Todesfälle: Der Diebstahl zweier Bildtafeln aus dem Genter Altar des Malers Jan van Eyck im April 1934 ist ein wahrer Kunstkrimi. Bis heute ist eines der beiden Gemälde verschwunden.

Ein geschlossenes Himmelstor: zwölf Tafeln, in Dreierreihen angeordnet, von Nischen und Rundbögenarkaden verziert. Seitlich die Figuren: Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist. Unten der fromme Stifter Jodocus Vijd und seiner Frau, kniend im Gebet vertieft. Alles in sanften Hellbraun- und Ockertönen gehalten. Und dann: ein weit geöffnetes Himmelstor. Tafeln, die in leuchtender Farbenpracht erstrahlen.

"Die glänzenden Brokatgewänder der musizierenden Engel aus purpurroter und grüner Seide, von Gold- und Silberfäden durchbrochen, schimmernde Edelsteine, funkelndes Gold. Ein Engel trägt eine Mantelbrosche mit einem blauen Stein. Hier hat der Künstler die Spiegelung des gotischen Glasfensters in die Farbe geritzt."

Der belgische Autor Ferdinand Dupuis-Panther.

"Eine überreiche Bildersprache: die Verkündigungsszene, Adam und Eva, die Vertreibung aus dem Paradies, das Lächeln der Gottesmutter, das himmlische Gloria. Propheten und Apostel, die Heilige Ursula und ihr Gefolge, Reiter, kirchliche und weltliche Würdenträger. Und über allem thront Gottvater als Weltenrichter mit der Tiara auf dem Haupt und der Königskrone zu Füßen. Die Komposition dieses Altarbildwerks gleicht einem geschliffenen Diamanten."

Ein Juwel spätgotischer Malerei

Es ist eines der berühmtesten Werke abendländischer Kunst, ein Juwel spätgotischer Malerei: Jan van Eycks Meisterwerk, der um das Jahr 1432 geschaffene Flügelaltar in der Kirche St. Bavo in Gent. In geschlossenem Zustand zeigt der Altar seine schlichte "Werktagsseite", an hohen Feiertagen seine prächtige "Festtagsseite", die sich weit hinein in eine Art bebilderte Bibel öffnet. Fixpunkt des Bildwerkes ist das Lamm Gottes, das auf einem Altartisch steht und dessen Blut in einen Kelch fließt.

An der Wende zu einer neuen Zeit, der Renaissance, hat der Künstler hier noch einmal das gesamte Gedankengut mittelalterlicher Religiosität zusammengefasst, ihm Raum und Rahmen gegeben.

Seit rund 600 Jahren schlagen die Schönheit der Figuren, der Glanz der Farben und die Raffinesse der Bildkomposition den Betrachter in Bann. Aber seit seiner Entstehung sind auch viele Fragen um dieses Werk unbeantwortet geblieben. Etwa die, ob neben Jan auch sein Bruder Hubert van Eyck daran mitgearbeitet hat. Oder auch die nach der geheimen Bildersprache des Altars:

Strittige Besitzverhältnisse, politischer Zank, mysteriöse Todesfälle

Stellt der Kelch, in den das Blut des Lamms fließt, eine Anspielung auf den Heiligen Gral dar? Sind die "gerechten Richter", also die vier Reiter auf einer der Seitentafeln, die Grafen von Flandern? Wollte der Maler mit deren Porträt der großen Politik ein Denkmal setzen? Was bedeutet die Darstellung der Tempelritter – immerhin Angehörige eines reichen und mächtigen Ordens, der aber von Papst Clemens V. und dem französischen König Philipp dem Schönen bereits 1307 verboten wurde? Beweist van Eyck damit etwa seine – durchaus gefährliche – Sympathie mit dieser Bruderschaft? Und warum wenden sich einige kirchliche Würdenträger in einer halben Drehung vom Lamm Gottes ab? Versteckte Kritik an der Kirche? Oder gar vorreformatorisches Gedankengut?

Wir wissen es nicht. Denn um die Geschichte des Genter Altars rankt sich eine Vielzahl von Geheimnissen, die sich nicht nur auf die für Laien längst unverständlich gewordene Bildersprache beziehen. Da gibt es strittige Besitzverhältnisse, politischen Zank, mysteriöse Todesfälle oder die fanatischen Suchaktionen deutscher Nationalsozialisten. Keines dieser Rätsel konnte gelöst werden. Stattdessen kam vor 80 Jahren das größte hinzu:

Der Frühling in diesem Jahr ist ungewöhnlich warm und nass. In der Stadt Gent schüttet es seit Tagen aus einem grauen, verhangenen Himmel. Auch die Nacht von Dienstag, dem 10. auf Mittwoch, den 11. April 1934 ist stockfinster. Kein Mondschein durchdringt die dichte Wolkendecke. Nur aus einer Fensternische der gotischen Kathedrale St. Bavo schimmert ein mattes Licht. Was seltsam ist, da die Kirche immer am frühen Abend verschlossen wird.

Einer der spektakulärsten Diebstähle der Kunstgeschichte

Und so stutzt denn auch ein Passant, als er zwei Männer sieht, die etwas Sperriges aus der Kirche tragen, um es in einen klapprigen Chevrolet zu bugsieren. Neugierig geht der plötzlich aufgetauchte Zuschauer auf die beiden zu, um seine Hilfe anzubieten. Doch die drücken ihm hastig einen Geldschein in die Hand und fordern ihn auf, sofort zu verschwinden und den Mund zu halten. Der nächtliche Spaziergänger, der, wie sich später herausstellt, in zwielichtigen Geschäften unterwegs ist, ahnt nicht, dass er gerade Augenzeuge eines der spektakulärsten Diebstähle der Kunstgeschichte geworden ist. In dieser Nacht werden zwei Tafeln des Genter Altars aus der Kirche St. Bavo gestohlen: das Bildnis Johannes des Täufers und das der "gerechten Richter". Das Letztere taucht nie wieder auf.

"In unserer Familie wurde sehr, sehr viel darüber gesprochen. Wenn es Familienfeste gab bei den Goedertiers wurde sehr viel über den Diebstahl des Genter Altars gesprochen. Das war unser Thema",

erinnert sich die gebürtige Belgierin Françoise Gessler-Torck.

 "Wir Kinder bekamen das dann so mit. Vielleicht ich weniger als meine Schwester, denn als der Onkel starb, war sie schon etwa vier Jahre. "

Bie von Seebach: "Da wurde diskutiert. Das habe ich alles noch in Erinnerung."

Der nette "Zucker-Onkel", ein Dieb?

Der "Onkel", von dem Françoise Gessler-Torck und ihre Schwester Bie von Seebach hier berichten, war ihr Großonkel Arsène Goedertier. Und Arsène Goedertier gilt bis heute als einer der Diebe der beiden Tafeln des Genter Altars.

Gessler-Torck: "Meine Mutter war eine Goedertier, und es war ihr immer ein bisschen peinlich, darüber zu sprechen. Onkel Arsène wurde uns immer dargestellt als ein sehr freundlicher offener Mann mit irrsinnig viel Fantasie, sehr katholisch. Fast zu sehr mit der katholischen Kirche verbunden, aber sehr kunstliebend. Er hat selber Bilder gemalt, und es gab bei uns zu Hause ein oder zwei Bilder von Onkel Arsène. Und wir betrachteten die immer mit besonderem Wohlwollen. Onkel Arsène war lange nicht verheiratet und als nicht verheirateter Onkel nennt man das in Belgien 'Zuiker-Onkel', das heißt 'Zucker Onkel'. Von dem erwarteten wir Kinder Zucker und später wurde Zucker die Erbschaft. Aber Onkel Arsène heiratete dann die Tante Julienne und dann war es natürlich damit aus. Aber er war immer sehr freundlich zu uns Kindern."

Was diesen frommen, freundlichen, durchaus wohlsituierten "Zucker-Onkel", der im Kirchenvorstand von St. Bavo saß, bewogen haben könnte, Teile eines weltberühmten Kunstwerks zu rauben, weiß auch Françoise Gessler-Torck nicht. Als gesichert gilt, dass Goedertier zwei entfernte Verwandte als Komplizen hatte, Achille de Swaef und Oscar Lievens, und dass die drei mit Bedacht diese beiden Altartafeln an sich brachten, weil nur sie sich in lose gefügten Holzrahmen befanden, die nicht verschraubt und daher leicht herauszunehmen waren.

Polizei konfus und überfordert

Gessler-Torck: "Die wussten das. Da gab es sogar einen Schlüssel, um diese zwei Paneelen auseinanderzunehmen. Er muss also irgendwie den Schlüssel dazu gehabt haben."

Als der Diebstahl am Morgen des 11. April 1934 entdeckt wird, bricht ein Sturm los. St. Bavo füllt sich mit Schaulustigen, und eine konfuse und überforderte Polizei schafft es weder, den Altar abzuriegeln noch Fingerabdrücke zu sichern. Und selbst die Experten von Scotland Yard, die zwei Tage später die Ermittlungen übernehmen, treten auf der Stelle. Bis zum 1. Mai.

Da trifft bei François-Josèphe Coppieters, dem Bischof von Gent, ein Brief ein:

"Monseigneur, wir haben die Ehre, Sie davon in Kenntnis zu setzen, dass wir über zwei Gemälde verfügen, die aus der Kathedrale Ihrer Stadt gestohlen wurden."

Diebe fordern eine Million Franken für die Rückgabe

Heißt es dort mit ausgesuchter Höflichkeit. Dann wird eine Million belgischer Franken für die Rückgabe der beiden Tafeln gefordert. Unterzeichnet ist der Brief mit den Buchstaben D. U. A. Ein Kürzel, das niemand identifizieren kann.

Als der Bischof per Zeitungsinserat dem Handel zustimmt, bekommt er einen Gepäckaufbewahrungsschein für ein Schließfach im Brüsseler Nordbahnhof zugeschickt. Und tatsächlich wird eine der Tafeln dort gefunden.

von Seebach: "Er hatte dann einen Zettel, wo man seinen Koffer in Brüssel in den Bahnhof setzt. Und mit dem Zettel ist dann die Polizei gucken gegangen in Brüssel und hat tatsächlich das eine Stück, 'Johannes der Täufer', wiedergefunden."

Doch das zuvor zugesagte Lösegeld wird nicht gezahlt. Denn inzwischen haben sich die Spielregeln geändert, weil die Politik ein Machtwort spricht:

Der Bischof darf das Lösegeld nicht zahlen

Gessler-Torck: "Mein Onkel Arsène hat wohl gedacht, dass dieses Gemälde dem Bischof gehört, dem Bistum. Aber in Wirklichkeit gehörte es dem Staat. Und deswegen hat wohl der Bischof das weitergegeben, dass das weg war. Natürlich haben die Leute in Gent auch gesehen, da fehlt ein Stück. Das war sofort bekannt: Aha, hier ist was weg. Also, die Polizei hat sich dann eingemischt, und dann hat der Bischof das Lösegeld nicht geben dürfen. Und das hat der Onkel Arsène wahrscheinlich nicht gedacht. Er hat immer gesagt, unter Verschwiegenheit soll das unter uns bleiben. Er wollte das wohl mit dem Bischof alleine machen. Aber das ist falsch gelaufen."

Weitere Briefe gehen hin und her.

Gessler-Torck: "Dann wurden die Briefe von Onkel Arsène immer trauriger, weil er gesagt hat, sie haben das Vertrauen zwischen uns gebrochen. Diese letzten Briefe von Onkel Arsène sind verzweifelte Briefe. Er wollte nicht, dass es so endet."

Kopien der insgesamt 13 Lösegeldbriefe Goedertiers hat seine Großnichte Françoise Gessler-Torck kürzlich noch einmal gelesen. In einem der letzten schreibt er an den Bischof:

Gessler-Torck: "'Sie haben 'Johannes den Täufer' wiederbekommen. Sie wissen jetzt, dass wir es haben, jetzt bezahlen Sie eine Million. Schreiben Sie in eine Zeitung eine Annonce: Wir sind einverstanden.' Und dann kam etwas vom Bischof: Wir sind nicht einverstanden, wir wollen nicht so viel bezahlen. Und so ging das hin und her. Und dann hat Onkel Arsène noch mal gesagt: Okay, eine Million ist zu viel, 500.000 geht auch und dann 500.000 später. Und da ist der Bischof auch nicht darauf eingegangen."

Die zweite Tafel bleibt verschollen

Was bedeutet, dass die zweite Tafel, die "gerechten Richter", verschwunden bleibt und die Kommunikation abreißt.

Am 25. November 1934, sieben Monate nach dem Diebstahl der Tafeln, leitet Arsène Goedertier eine Gewerkschaftsveranstaltung in Dendermonde. Plötzlich bricht er zusammen. Man vermutet einen Herzinfarkt, bringt ihn in das Haus eines Verwandten, holt einen Pfarrer. Doch der Sterbende, der wiederholt sagt, sein Gewissen sei rein, will keinen Geistlichen, sondern einen Juristen.

Gessler-Torck: "Was natürlich für so einen katholischen Mann eine außerordentliche Aussage ist. Und dann kam dieser Georges de Vos, der ein Freund war, Rechtsanwalt. Und ihm hat er dann gesagt: Ich allein weiß, wo das 'Lamm Gottes' – man nannte das einfach nur das 'Lamm Gottes' – ist. Und dann hat er noch gerade sagen können, 'Schublade, Büro, Schlüssel', und dann war er tot."

Anwalt Georges de Vos geht auf die Suche – und findet Kopien der Lösegeldbriefe und eine Schreibmaschine, die Arsène Goedertier unter einem Decknamen gemietet hatte. Der Deckname lautet: Arsène van Damme.

Auch die Komplizen sterben plötzlich

Arsène van Damme? Ein Anagramm? Denn wenn man die Abkürzung AvD umkehrt, ergibt sich die Buchstabenkombination DvA. Da im Lateinischen das V einem U entspricht, könnten diese Initialen auch D. U. A. ergeben – also das Kürzel, mit dem die Briefe an den Bischof unterzeichnet wurde.

Nur vier Tage nach diesen Ereignissen, am 29. November 1934, stirbt Goedertiers Komplize Achille de Swaef ebenso plötzlich wie Goedertier. Und vier Monate später wird auch der Dritte im Bunde, Oscar Lievens, tot aufgefunden. Eine Vorerkrankung ist bei keinem der drei Männer bekannt. Eine Obduktion wird in keinem Fall angeordnet.

Gessler-Torck: "Sodass natürlich sofort das Gerücht aufkam: Sind die wirklich einen natürlichen Tod gestorben? Da wurde nicht groß untersucht, das ist ganz schnell gegangen. Ich habe auch eine Kopie gesehen vom Todesschein, da wurde radiert und gestrichen und verändert. Das ist ein ganz abenteuerliches Dokument, sodass man sagt, was haben sie denn da gefummelt. Es sind alles große Fragezeichen."

Diebe im Dienste der Nazis?

Die im Lauf der Zeit nicht weniger, sondern mehr werden. Denn nun kommen auch noch deutsche Nationalsozialisten ins Spiel.

Als Arsène Goedertier und seine Kumpane die beiden Tafeln an sich bringen, ist Jan van Eycks Meisterwerk erst seit rund 14 Jahren wieder "zu Hause" in Gent. 1821 war der Altar ganz regulär nach Berlin verkauft worden, musste aber 1920 unter den Bedingungen des Versailler Vertrags an Belgien zurückgegeben werden. Diese Rückgabe empfanden die Deutschen als herbe Demütigung. Bis in die 1930er-Jahre hinein gab es denn auch immer wieder heftige Proteste auf deutscher Seite.

Ist also denkbar, was oft vermutet wird, dass Achille de Swaef und Oscar Lievens im Dienst der Deutschen standen und den Auftrag hatten, die Tafeln an die Deutschen auszuliefern? Doch was sollten die Deutschen mit nur zwei Tafeln? Wollten sie doch schließlich das gesamte Werk.

1940 nämlich – mitten im Krieg – schicken sie den Oberleutnant Henry Koehn ins von deutschen Truppen besetzte Gent. Der hat den Auftrag, den Rechtsanwalt Georges de Vos, der am Sterbebett Arsène Goedertiers zugegen war, zu verhören. Und 1942 reist Ernst Buchner, Direktor des Kölner Wallraf-Richartz-Museums, ins südfranzösische Pau, um den im Krieg dorthin ausgelagerten Altar für das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin "zurückzuholen".

Kann es also sein, dass Goedertier, de Swaef und Lievens einen geheimen deutschen Auftrag erfüllen sollten?

Gessler-Torck: "Das Einzige, was ein bisschen darauf hinweisen könnte, ist die Unterschrift der Briefe. Da stand D. U. A. Und da haben wir nie gewusst, was das bedeuten sollte. 'Deutschland über alles', wurde gesagt."

Doch, so meint Françoise Gessler-Torck, gebe es natürlich noch viele andere Theorien in dieser Geschichte:

"Eine Schwester meiner Mutter, Tante Mimi, wohnte noch lange in Dendermonde. Und die erbte, als Tante Julienne starb, einen Schrank und es wurde in der Familie gesagt, dieses D. U. A. ist nicht 'Deutschland über alles', sondern: 'Dans une armoire'.  Das bedeutet: 'In einem Schrank'. Und sie sind alle zu dieser Erbschaftseröffnung gegangen, und dieser Schrank wurde total zerlegt von der Familie in der Hoffnung, vielleicht das Stück noch zu finden. Und es war immer, wenn jemand starb von den Goedertiers ein großer Auftrieb: Vielleicht finden wir jetzt was."

Zweifel am Motiv des mutmaßlichen Täters

Gefunden worden ist jedoch bis jetzt nichts.

Natürlich ist in der Familie von Françoise Gessler-Torck und Bie von Seebach immer wieder gerätselt worden, wieso ausgerechnet der Onkel Arsène in das Räderwerk eines solchen Kunstraubs geraten konnte. Denn dass er daran beteiligt war, steht für die beiden Schwestern außer Zweifel.

Gessler-Torck: "Er hat auf jeden Fall diese Briefe geschrieben und war also total in der Sache mit drin."

Zweifel bestehen jedoch an Arsène Goedertiers möglichem Motiv. Da gibt es nichts, was sich der Familie als plausibel erschließt. Goedertier war aufrecht, fromm und so wohlhabend, dass er das Geld aus dem Raub nicht brauchte. Bei seinem Tod belief sich sein Vermögen auf drei Millionen belgische Franken. Warum hätte er sich eines solchen Diebstahls schuldig machen sollen? Keine der Schwestern kann das nachvollziehen:

von Seebach: "Er hat wahrscheinlich einem Mann geholfen, der in Schwierigkeiten war. Er hatte viel Fantasie und hat wahrscheinlich gesagt: 'Ich gehe die Sache mal arrangieren', wie wir das sagen."

Gessler-Torck: "Er war nicht in finanziellen Schwierigkeiten. Die ganze Familie kannte ihn gut; er hätte sowas nie gemacht, sagen die. Deswegen sind wir auch überzeugt, dass er es für jemand anders gemacht hat. Er hat versucht, die Kastanien aus dem Feuer zu holen."

Hellseher sollen bei der Suche nach dem Bild helfen

Natürlich ist in den letzten 80 Jahren immer wieder nach den "gerechten Richtern" gesucht worden. Mithilfe von Kunstexperten, Wissenschaftlern, Hellsehern, Wünschelrutengängern. Und mit abenteuerlichen Aktionen – weil offenbar vermutet wurde, dass es Auftraggeber "in höchsten Kreisen" gegeben hatte?

von  Seebach: "Man sagt, dass der Altar ins Grab vom König gelegt worden ist. Man hat da auch noch gesucht, in Brüssel. Aber ich glaube nicht, dass das richtig ist."

Nachdem die Nationalsozialisten den Altar im Zweiten Weltkrieg aus dem Schloss in Pau verschleppen und ihn in das Salzbergwerk bei Altaussee bringen, wird er dort im Frühjahr 1945 von amerikanischen Soldaten, den 'Monuments Men', entdeckt und sichergestellt.  Gerade eben erst hat ein amerikanischer Film diese Geschichte erzählt.

Heute steht der Genter Altar wieder an der Stelle, für die der Meister Jan van Eyck ihn 1432 gemalt hat, in der St.-Bavo-Kathedrale in Gent. Nach einer aufwendigen Restaurierung, die immer noch im Gange ist, strahlen seine Farben wieder wie vor über 600 Jahren, öffnet sich für den Betrachter das ganze farbenprächtige Panorama mittelalterlicher Gottesfurcht und Frömmigkeit.

Wenn auch noch immer ohne die Originaltafel der "gerechten Richter". Sie ist durch eine Kopie ersetzt worden.

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