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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.07.2012

"Banken brauchen spezielle Regeln"

Franz-Josef Leven nennt Banken das Nervensystem in der Wirtschaft

Die Gesellschaft ist abhängig vom Bankensystem. (dpa / Stefan Sauer)
Die Gesellschaft ist abhängig vom Bankensystem. (dpa / Stefan Sauer)

Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut ist skeptisch, ob eine Bankenunion Europa aus der Krise helfen wird. Die Europäische Kommission versuche, die Krise über eine stärkere gemeinsame Haftung in den Griff zu bekommen. Leven: "Ich weiß nicht, ob das am Ende helfen wird."

Hinsichtlich der geplanten Reform der Bankenaufsicht sagte Leven, es gebe zwar mit Basel II und bald auch mit Basel III genaue Vorschriften für die Banken. Auch würden Institutionen wie Bafin und Bundesbank "relativ genau ( ... ) nachsehen: Was haben die einzelnen Banken in ihren Portfolios?" Das Problem sei jedoch, "dass auch eine Bafin oder eine Bundesbank nicht wissen, ob bestimmte Anleihen, ob bestimmte Geschäfte der Banken am Ende erfolgreich sein werden oder nicht."

Als "erzieherische Maßnahme" müsse man überlegen, "ob es sinnvoll ist, immer für alle Schulden anderer aufzukommen und dadurch sie auch zu ermutigen, weitere Schulden zu machen, ( ... ) Investoren herauszupauken, wenn sie mal schiefgelegen haben - oder ob man den Investoren das Risiko lässt, und die Schuldner, die eine nicht nachhaltige Politik betreiben, nicht irgendwann auch mal auflaufen lässt."

Generell verteidigte Leven jedoch Sonderregeln für Banken, weil diese so etwas "wie das Nervensystem in der Wirtschaft" seien. "Wir haben das jetzt bei einer großen Bank in England gesehen, wo Computerfehler dazu geführt haben, dass Millionen von Leuten tagelang kein Bargeld abheben konnten und zum Teil hungern mussten. Da sieht man, wie abhängig wir vom Bankensystem sind. Deswegen brauchen die Banken spezielle Regeln, damit sie einfach sicher sind. Und deswegen muss man genau überlegen: An welcher Stelle lässt man eine Bank im Zweifel in Konkurs gehen und in welchen Fällen lässt man eine Bank, die vielleicht sich verspekuliert hat mit gewissen Staatsanleihen oder so, dann auch in die staatlichen Hände übergehen?"

Das vollständige Gespräch mit Franz-Josef Leven können Sie bis mindestens 9. Dezember 2012 als MP3-Audioin unserem Audio-On-Demand-Player nachhören.

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