Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 10.12.2014

BahngeschichteSeit 1957 unterwegs

Die letzte Fahrt des Vindobona

Von Stefan May

Der VT 18.16 wurde von der Deutschen Reichsbahn auch auf der Strecke des Vindobona eingesetzt. (pi)
Der VT 18.16 wurde von der Deutschen Reichsbahn auch auf der Strecke des Vindobona eingesetzt. (pi)

Am Sonnabend ist Schluss. Zum letzten Mal fährt ein direkter Schnellzug planmäßig von Berlin nach Wien, der "Vindobona". Er war einst eine Prestigeverbindung der Deutschen Reichsbahn und der einzige hochwertige DDR-Express.

"Vindobona" - das ist der lateinische Name für Wien. 57 Jahre lang, seit 1957, gab es die Schnellzugverbindung dieses Namens. Und da zunächst nicht die gesamte Strecke elektrifiziert war, wurde sie bis 1979 mit Dieseltriebwagen bewältigt. Drei Bahnverwaltungen betrieben den Zug im Wechsel, jeweils zwei Jahre lang. Die tschechoslowakische Bahn wartete mit einer in Budapest gefertigten Triebwageneinheit auf. Für Österreich fuhr der "Blaue Blitz", das erste elegante Schnellzugsmodell des Landes nach dem Krieg, mit dem auch Wien und Venedig verbunden wurden.

Die Deutsche Reichsbahn der DDR verwendete für den "Vindobona" einen schnittigen Triebwagen, der dem westdeutschen TEE, dem TransEuropExpress, nachempfunden war. Dieser historische Zug in Weinrot und Elfenbein steht heute noch am Bahnhof Lichtenberg, einer Berliner Anfangs- und Endstation des "Vindobona". Die Wagen mit Teppichboden und Holztäfelung und mit überproportional viel Erster Klasse. Zumeist bestiegen Österreicher den Zug, um zu Besuch oder zur Arbeit in die DDR zu fahren oder Skandinavier auf der Durchreise in den Süden. Auch Diplomaten nutzten bis in die 70er-Jahre den "Vindobona", weil es damals noch keine Flugverbindung zwischen Wien und Berlin gab.

Letze Abfahrt 8.46 Uhr

Die Züge hatten nur wenige Waggons, denn normale DDR-Bürger saßen eher selten im Vindobona. Wer ihn bestieg, musste sich auf eine lange Reise gefasst machen, zwischen elf und 14 Stunden - und auf penible Grenzkontrollen. Eine Stunde Wartezeit - sowohl an der DDR-Grenze wie auch an der tschechoslowakisch österreichischen Grenze.

Das Personal des DDR-Vorzeige-Triebwagenschnellzugs war sorgfältig ausgewählt. Man wollte ja sicher sein, dass die Besatzung auch wieder heimkehrte.

Dann fiel die Mauer und der "Vindobona" verlor seine mythische Bedeutung. Als Eurocity verband er noch Wien mit Berlin – mit japanischen Reisegruppen, Rucksacktouristen aus USA oder Kanada, Berliner Bergwanderern auf dem Weg ins Elbsandsteingebirge, Pendlern innerhalb Tschechiens oder Wiener Tagesreisenden nach Brünn.

Seit einigen Jahren startete der "Vindobona" schon in Hamburg und fuhr bis Villach im Süden. Nun ist Schluss. Am kommenden Samstag, um 8.46 Uhr, verlässt er zum letzten Mal Berlin Richtung Wien. Und der letzte Vindobona aus Wien endet um 19.15 Uhr in Berlin.

Ab dem Fahrplanwechsel am Sonntag müssen Fahrgäste nach Wien in Prag umsteigen. Oder sie müssen mit dem Nachtzug fahren. Aber auch dessen Tage dürften bereits gezählt sein.

Mehr zum Thema

Als die Stehklasse noch beliebt war
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 07.10.2008)

Zeitfragen

Von Ernst Busch bis AntilopengangWenn Lieder politisch sind
Der aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann (r.) tritt am 27.03.77 im Saal des Frankfurter Gewerkschaftshauses in einer Solidaritätsveranstaltung für die Bürgerrechtsbewegung in der CSSR "Charta 77" auf. Auf dem Podium v.l. Studentenführer Rudi Dutschke, Jiri Pelikan (ehemaliger Direktor des Prager Rundfunks) und Adam Michnik (ehemaliger polnischer Studentensprecher).  (dpa/ picture alliance /)

Ob mit Klampfe begleitet oder unterlegt mit HipHop-Beats: Das politische Lied erfindet sich offenbar immer wieder neu. Zum Superstar wird man damit nicht, aber darum geht es den Musikern auch nicht. Sie wollen mit musikalischer Sozialkritik die Welt zum Besseren verändern.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur