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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 02.08.2012

Auf der Suche nach dem Weltenretter

Osamu Tezuka: "Buddha. Band 1: Kapilavastu", Carlsen Verlag, Hamburg 2012, 312 Seiten

Der japanische Manga-Altmeister Osamu Tezuka
Der japanische Manga-Altmeister Osamu Tezuka (dpa / picture alliance / Maxppp)

In Asien wird Osamu Tezukas Comic-Zyklus über Buddhas Lebensgeschichte bewundert: Mythischer Stoff, großes Pathos, flotte Kampfszenen, alberne Späße und lustige Satire. Nun beginnt der Carlsen Verlag eine zehnbändige deutsche Ausgabe.

Osamu Tezuka (1928-89) wird als "Gott der Mangas" verehrt, kein anderer Comiczeichner hat so viel für die japanische Comickultur getan. Tezukas riesiges Werk mit mehr als 150.000 Seiten geht in sehr verschiedene Richtungen, die weltweit bekannte Abenteuergeschichte "Astroboy" gehört genauso dazu wie eine längere Auseinandersetzung mit dem deutschen Nationalsozialismus ("Adolf"). Der Buddha-Zyklus war eines der wichtigsten Projekte für Osamu Tezuka, er hat ihn von 1972 bis 1983 veröffentlicht. Im Carlsen Verlag ist nun der erste Band einer auf zehn Bände angelegten deutschsprachigen "Buddha"-Ausgabe erschienen.

"Kapilavastu" heißt dieser erste Teil nach dem Geburtsort von Siddhartha Gautama, der zum Begründer des Buddhismus wurde. Er selbst spielt allerdings noch kaum eine Rolle in diesem ersten Band. Osamu Tezuka geht sehr frei mit der Überlieferung um und führt zuerst eine ganze Reihe von fiktiven Figuren ein, um damit seine Themen zu setzen und ein mehrstufiges Erzählgebäude aufzubauen. Ein brahmanischer Mönch gehört zu diesen Figuren, er wird von seinem Meister auf die Suche nach einem verheißenen Weltenretter geschickt. Er glaubt, diesen Erlöser zunächst in Tatta zu finden, einem vorwitzigen Jungen aus der niedrigsten Kaste der indischen Gesellschaft, einem Paria. Tatta hat die Gabe, seinen Geist in Tiere hinüberwechseln zu lassen und in ihrem Körper zu agieren, so geht er als Tiger, Schlange oder Pferd durch mehrere Episoden.

Die Heiligkeit aller Kreaturen und die innige Verbindung zwischen ihnen ist ein Leitmotiv dieses ersten Buddha-Bandes. Ein anderes ist die schreiende Ungerechtigkeit des indischen Kastenwesens. Der Paria Tatta steht dafür und mehr noch der Sklavensohn Chapra. Er begehrt auf gegen seinen Sklaven-Status und schafft es, von einem mächtigen General adoptiert zu werden, ohne aber lange seiner Herkunft entkommen zu können. Schicksalsglauben und Gewalt sind die Themen, die mit der Figur von Chapra verbunden sind. In all diese Geschichten bettet Osamu Tezuka die Geburt des Siddhartha Gautama ein.

Kitsch, Verklärung, düstere Dramatik, alberne Späße, Tezuka lässt kaum ein Register ungenutzt für seine Erzählung. Genauso wie die Tonlagen wechseln die Zeichenstile, man findet eine klassische japanische Gebirgsansicht im Stil des Großmeisters Hokusai genauso wie flotte Bang-Kabang-Kampfszenen oder schlichte Comic-Späße. Ein hoher Militär erscheint als Kampfgorilla, ein Minister als ewig langer Hals, auf dem nur eine Stirn und ein Schnauzbart sitzen. Besonders in Massenszenen arrangiert Tezuka Gewimmel satirisch überzeichneter Gestalten.

Die Kombination ist überraschend: ein mythischer Stoff, großes Pathos auf der einen Seite und eine leichte Komödie auf der anderen. Osamu Tezuka entwirft in diesem ersten Band ein Welttheater, in dem der gerade erst geborene Buddha seine Rolle erst noch finden wird. In den asiatischen Ländern wird Tezukas Version von Buddhas Lebensgeschichte bewundert, die erste englischsprachige Ausgabe wurde vor zehn Jahren mit dem Eisner-Award geehrt, dem bedeutendsten Comic-Preis der USA. Vor 30 Jahren hat Osamu Tezuka seinen Buddha-Zyklus beendet, höchste Zeit, diese große Comic-Erzählung nach Deutschland zu bringen.

Besprochen von Frank Meyer

Osamu Tezuka: Buddha. Band 1: Kapilavastu
Carlsen Verlag, Hamburg 2012
312 Seiten, 22,90 Euro