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Mahlzeit / Archiv | Beitrag vom 24.06.2012

Arsen-Alarm bei Reiswaffeln für Kinder

Ökotest rät vom Verzehr ab

Von Lebensmittelchemiker Udo Pollmer

Das Bakterium GFAJ-1 - kann mit Arsen leben. Für Menschen, vor allem für kleine Kinder, ist der Schadstoff hochgiftig.
Das Bakterium GFAJ-1 - kann mit Arsen leben. Für Menschen, vor allem für kleine Kinder, ist der Schadstoff hochgiftig. (AP)

Dass Reis den Giftstoff Arsen anreichert, ist schon lange bekannt. Doch an einen Arsengrenzwert für das Grundnahrungsmittel wagt sich offenbar niemand ran. Anders in China: Dort wäre ein erheblicher Teil der Reiswaffeln, die bei uns für Kinder angeboten werden, nicht mal für Erwachsene akzeptabel.

Eltern sollten ihren Babys und Kleinkindern möglichst keine Reiswaffeln zum Knabbern geben. Das rät zumindest das Verbrauchermagazin Ökotest. Es hatte in den meisten Produkten erhöhte Mengen an Arsen gefunden. Außerdem enthielten einige Waffeln auch noch zuviel Cadmium. Während es beim Cadmium wenigstens Höchstmengen gibt, fehlen diese beim nicht minder giftigen Arsen.

Eine aktuelle Untersuchung bestätigt, dass in den USA die Belastung der Bevölkerung mit Arsen vorwiegend vom Reisverzehr abhängt. Dass Reis den Schadstoff anreichert, ist schon lange bekannt. Deshalb erfordert diese Getreideart eine konsequente Rückstandskontrolle. Da Arsen aber bisher kein Thema in den Medien war, und eine Höchstmenge fehlt, zogen es viele Anbieter, auch im Biobereich, vor, sich taub zu stellen. Deshalb ist es dankenswert, wenn eine Zeitschrift das Thema mal anpackt.

In höherer Dosis und bei regelmäßiger Zufuhr verursacht Arsen Hautkrebs, das Melanom, und Leberkrebs. Hier verfügt vor allem der deutsche Weinbau über einschlägige Erfahrungen. Früher wurden in den Weinbergen fleißig arsenhaltige Pestizide versprüht. Die reicherten sich im Trester an und gelangten so in den Haustrunk, eine Art Wein, den die Winzer früher für den Eigenbedarf herstellten. Heute spielt das keine Rolle mehr.

Doch wie gelangt das Arsen in den Reis? In vielen Gegenden Asiens, allen voran in Bangladesch, ist das Brunnenwasser stark belastet, weil es durch arsenreiche geologische Schichten fließt. In Thailand und China ist der Bergbau ein wichtiger Verursacher. Hinzu kommt, dass dort Arsen in allerlei traditionellen Medikamenten enthalten ist. Sogar in der Tiermast werden Arsenverbindungen genutzt, sie ersetzen dort teure Antibiotika. Die Fäkalien von Mensch und Tier sind wiederum als Dünger unverzichtbar. Und mancherorts werden zu allem Überfluss auch noch die stark belasteten Reisschalen an Tiere verfüttert. So reichert sich der Schadstoff in der Nahrungskette an.

In der Fachpresse gilt die Verseuchung weiter Landstriche Asiens als die größte chemische Katastrophe in der Geschichte der Menschheit. Abermillionen von Menschen müssen die verheerenden Folgen tragen. Doch bei uns hört man wenig davon. Denn die Katastrophe ist ja keine Folge einer skrupellosen chemischen Industrie. Zudem sind beim Reis vor allem die Randschichten belastet. Das Schälen und Polieren senkt die Schadstofffracht erheblich. Dort, wo es sauberes Wasser gibt, wird empfohlen, den Reis einzuweichen und vor dem Kochen das Wasser abzugießen. Beim Parboiling, also einer speziellen Dampfbehandlung, bei der die vermeintlich wertvollen Stoffe aus der Schale in den Reis hinüberwandern, werden natürlich auch Schadstoffe wie Arsen oder Pestizide auf den Weißreis übertragen. Damit wird genau der Effekt konterkariert, der durch das Schälen erzielt werden soll.

Auch andere Lebensmittel auf der Basis von Reis geraten allmählich in den Focus der Lebensmittelüberwachung. Die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA hat deshalb den Markt für Bio-Reissirup unter besondere Beobachtung gestellt. Beim Zucker gibt's keine Probleme, der ist gereinigt, also raffiniert. "Raffiniert" bedeutet nun mal praktisch frei von Schadstoffen.

Die höchsten Gehalte an Arsen befinden sich nach Angaben der EFSA, der europäischen Lebensmittelbehörde in Muscheln, Algenpräparaten und in Vollkornreis. Doch an einen Arsengrenzwert für das Grundnahrungsmittel Reis wagt sich offenbar niemand ran, denn dann wäre auch der Vollkornreis betroffen. In Asien sieht man das anders. Deshalb kann sich China im Gegensatz zu Deutschland auch eine vernünftige Höchstmenge von 0,15 Milligramm Arsen pro Kilo Reis leisten. In China wäre also ein erheblicher Teil der Reiswaffeln, die bei uns für Kinder angeboten werden, nicht mal für Erwachsene akzeptabel. Mahlzeit!

Literatur:

Goll R: Reis(s) aus! Ökotest Kinder Kinder 2012; H.6: 20-24
Hinsch B: Schwarz auf Reis: Ökotest 2010; H.9: 14-21
Cullen WR: Is Arsenic an Aphrodisiac? The Sociochemistry of an Element. RSC, Cambridge 2008
EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM): Scientific Opinion on Arsenic in Food.
EFSA Journal 2009; 7: e1351
Meharg AA: Arsenic in rice - understanding a new disaster for South-East Asia. Trends in Plant Science 2004; 9: 415-417
Gilbert-Diamond G et al: Rice consumption contributes to arsenic exposure in US women. PNAS 2012 108: 20656-20660
Signes A et al: Effect of two different rice dehusking procedures on total arsenic concentration in rise. European Food Research an Technology 2008; 226: 561-567
Stone R: Arsenic and paddy rice: a neglected cancer risk? Science 2008: 321:184-185

Ökotest zu Arsen in Reiswaffeln

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Externe Links:

Ökotest zu Arsen in Reiswaffeln