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Religionen / Archiv | Beitrag vom 11.09.2010

Armutsbekämpfung durch Klimaschutz

Das katholische Hilfswerk Misereor und die Entwicklungspolitik

Von Thomas Kroll

Kamele traben auf einem ausgetrockneten Flussbett. (AP)
Kamele traben auf einem ausgetrockneten Flussbett. (AP)

Klimaschutz ist die Grundlage für die Bekämpfung von Armut in den Entwicklungsländern. Diese Position vertritt das katholische Hilfswerk Misereor in einer neuen Studie unter dem Titel "Global aber gerecht".

Das bischöfliche Hilfswerk Misereor tritt alljährlich zwei Wochen vor Ostern besonders in Erscheinung. Dann wird im Gottesdienst um Spenden gebeten für die zahlreichen Projekte vor allem auf der Südhalbkugel der Erde.

"Die Spenden sind natürlich die wichtige, konkrete Antwort auf ganz konkrete Probleme, aber das alleine reicht nicht, reicht schon lange nicht mehr. Vor allen Dingen dann nicht, wenn man sich auch der Frage stellen muss, was sind die Ursachen der Probleme, die man dort, im Süden, behebt. Und das wird nirgendwo so deutlich wie in der Frage des Klimawandels."

Bernd Bornhorst leitet die Abteilung für Entwicklungspolitik in der Aachener Misereor-Zentrale. Zwar sind die Probleme nicht immer so groß und medienwirksam wie derzeit in Pakistan aufgrund der Flutkatastrophe, doch leiden viele Partner von Misereor unter Überschwemmungen oder Dürre.

Eine Kleinbäuerin aus Indonesien berichtet:

"Die Ernten fallen immer geringer aus. Während früher zwei Reisernten im Jahr möglich waren, ist es heute nur noch eine Ernte, da der Regen sehr stark abgenommen hat."

"All das kostet jetzt schon viel Geld, das durch Spenden oder durch staatliche Zuschüsse aufgebracht wird. All das aber führt uns auch zu der Fragestellung: Was hat das mit Klima, mit Klimawandel zu tun? Und was müssen wir machen, um diese Dinge nicht noch weiter voranschreiten zu lassen, sondern womöglich aufzuhalten? Und genau diese Beobachtung unserer Partner und diese Verquickung mit der internationalen Fragestellung, hat uns dazu gebracht zu sagen: Wir müssen uns damit mal etwas seriöser und effektiver und länger beschäftigen, um dann tatsächlich auch Antworten geben zu können."

Entstanden ist die Studie "Global aber gerecht". Der Untertitel: "Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen" gibt die Richtung an: Armutsbekämpfung setzt Klimaschutz voraus. Anders gewendet: Klimaschutz ist Armutsbekämpfung.

Für die neue Misereor-Studie haben sich recht unterschiedliche Institutionen einmalig zusammengefunden:

"Das Besondere an der Viererkonstellation ist zunächst mal, dass ... zwei Partner, die das Projekt finanzieren, Misereor und die Münchner Rückstiftung, – der eine kommt aus der Wirtschaft, der andere ist ein kirchlicher Partner – und die zwei wissenschaftlichen Partner, das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und das Institut für Gesellschaftspolitik, in einem gewissen Sinne Gegensätze darstellen."

Ottmar Edenhofer ist stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Für seine Kollegen war die Zusammenarbeit mit dem Münchner Institut für Gesellschaftspolitik recht ungewohnt. Es wird von Jesuiten geführt.

"Die meisten Naturwissenschaftler hier haben mit Glaube und Kirche nichts zu tun. Und wenn es um Fragen etwa geht der Bevölkerungspolitik, aber auch um die Frage Armut und Frauen, da war Misereor nicht ganz wohl, das ausschließlich in unsere Hände zu legen, da wollten sie eben einen Partner haben, der auch die Seite der Ethik abdeckt. Und deswegen war dann auch das Institut für Gesellschaftspolitik mit dabei, die eine ausgewiesene hervorragende Expertise im Bereich von Entwicklungspolitik, aber auch im Bereich der Ethik haben."

"Und die Münchner Rückstiftung war und ist deswegen natürlich auch interessant, weil sie auch durch die Verbindung mit der Münchner Rückversicherung über einen enormen Wissensschatz verfügt, was die Frage der Beobachtung von Wetterkatastrophen, von Klimakatastrophen anbetrifft, und eben auch die Beschäftigung damit, welche Möglichkeiten hier angeboten werden könnten, zum Beispiel durch Versicherungsleitung einen Ausgleich herbei zu führen."

Versicherer, Entwicklungs- und Klimaexperten sowie Ethiker erarbeiteten die Studie ausgehend von folgenden Grundaussagen:

1. Der Klimawandel wird hauptsächlich durch den Menschen verursacht,
2. ungebremster Klimawandel birgt hohe Risiken,
3. gefährlichen Klimawandel kann man vermeiden.


"Und deswegen haben wir von Anfang an entschieden, dass unsere Vorstellungen, die wir entwickelt haben, wie man mit dem Klimawandel umgehen kann, mit denen diskutiert werden sollen, die das betrifft."

"Wir waren zum Beispiel in Brasilien, wir waren im südlichen Afrika, wir waren in Indien."

Weltweit fanden neun Dialogforen statt. Kleinbäuerinnen und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen saßen ebenso am Tisch wie Vertreter der vier Projektpartner.

"Das spezifisch Christliche, was Misereor vermutlich eingebracht hat, ist eben dieser ja häufig auch banal klingende Satz, der uns aber leitet, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Das heißt, dass wir immer wieder darauf geachtet haben, dass die Sicht und die Erfahrung der Betroffenen, der Menschen, über die ja oft viel geredet wird, aber mit denen selten geredet wird, dass die im Mittelpunkt stehen."

"Und das war für uns eine ziemlich heilsame Erfahrung, weil uns das davor bewahrt hat, dass wir am Ende ... für technokratische Lösungen eintreten, die also bei den Armen zu größten Bedenken führen."

Konkret fordern die vier Projektpartner einen Global Deal für Klima und Entwicklung. Der beinhaltet zum Beispiel einen weltweiten Emissionshandel, ein Abkommen über nachhaltige Waldnutzung sowie das Teilen von kohlenstoffarmen Technologien, ja die Entwicklung einer kohlenstofffreien Weltwirtschaft. Eine Utopie? Für Edenhofer ist es eine konkrete Vision:

"Es gibt die Perspektive und die Möglichkeit eines solchen Global Deals, wo am Ende des Ganzen nicht ein Nullsummenspiel ist, sondern wo wir eigentlich am Ende alle gewinnen könnten, weil wir dann in einer sichereren, in einer saubereren und hoffentlich auch in einer friedlicheren Welt leben können."

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