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Studio 9 | Beitrag vom 17.12.2015

Armin Mueller-Stahl zum 85.Die göttliche Rache des Thomas Mann

Von Maria Ossowski

Armin Mueller-Stahl in der Rolle des Schriftstellers Thomas Mann mit Peter Ketnath (l) als Kellner Franz im TV-Mehrteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" unter der Regie von Breloer.
Armin Mueller-Stahl in der Rolle des Schriftstellers Thomas Mann mit Peter Ketnath (l.) als Kellner Franz.

Seine Vielseitigkeit macht ihn unvergleichlich. Studiert hat er die Geige, berühmt wurde er als Schauspieler in der Rolle von Thomas Mann, sein Galerist verkauft mit Erfolg seine Bilder. Doch was hat Armin Mueller-Stahl mit Käse zu tun?

"Hätte mein Vater in Berlin um die Hand meiner Mutter angehalten, wäre ich ein Berliner. Er aber hat es in Tilsit getan, so bin ich ein Tilsiter, gewissermaßen ein Nebenprodukt des Käses."

Ein weltberühmter Geiger wollte er werden oder besser ein noch größerer Dirigent als der von ihm verehrte Sergiu Celibidache. Nur nicht zu bescheiden im Berlin direkt nach dem Krieg.

Seine künstlerische Laufbahn als Schauspieler begann in der DDR, an der Volksbühne wurde er ein Star, er gehörte zur Elite des Landes. Das politische System hat er nicht gemocht, aber seine Arbeit dort geliebt. Beim Mauerbau war er im Westen und kehrte dennoch in die DDR zurück, um einen Film fertigzustellen.

Mit Che und den Castros in Kuba

Besonders geschätzt hat er seine Reisen nach Kuba Anfang der 60er-Jahre. In der Villa eines Milliardärs, der das Land verlassen musste, mit Swimmingpools und allem Luxus traf er die kubanische Politelite, heute allesamt Legenden

"Der Che Guevara und Raúl Castro, die saßen auf einer Schaukel und unterhielten sich und unterhielten sich. Das wurde dann uns übersetzt, wie ihnen das Haus gefallen hätte. Che Guevara meinte, der hätte Geschmack, Raúl Castro meinte, der hätte überhaupt keinen Geschmack, während Fidel das Abendbrot zubereitete, indem er Konservenbüchsen öffnete. Und dann klatschte er was auf die Teller aus den Konservenbüchsen, so aßen wir – und das war schön!"

Nach der Biermannausbürgerung ging auch Mueller-Stahl in den Westen. Er genoss die Reisefreiheit, ärgerte sich aber über die Abhängigkeit von Filmproduzenten. Selbst entscheiden zu können, was er wie machen wollte, das zieht sich als roter Faden durch sein Leben. Renitenz nennt er dies oft. Das sei in den drei Deutschlands nur bedingt möglich gewesen, in der Nazizeit überhaupt nicht, in der DDR selten. In der Bundesrepublik häufig, aber in den USA fühlt er sich, vielen politischen Ärgernissen zum Trotze, besonders wohl, nicht nur, weil das Wetter in Kalifornien besser ist.

Von Thomas Mann auf den Rücken gelegt

Seit der Hauptrolle im Breloerfilm über Thomas Mann begleitet ihn der Schriftsteller, den er eigentlich weniger gern gelesen hatte als seinen Bruder Heinrich Mann. Dennoch: Die Rolle war einer seiner größten Erfolge. Vielleicht, meint er, wollte Thomas Mann nie gespielt werden, vielleicht wollte er sich rächen.

"Thomas Mann macht mich, Armin Mueller-Stahl, zum Kriech. Er lässt mich nicht frei gestalten, erfinden, Vergnügen am Spontanen haben. Er presst mich in seine geistige Zwangsjacke, im Kampf mit ihm bin ich der Unterlegene. Er hat mich auf den Rücken gelegt, hält meine Arme auf dem Boden und kniet auf meinen schlaffer werdenden Armmuskeln. So heißt die göttliche Rache!"

Viele alternde Schauspieler gefallen sich in narzisstischen Anekdoten ihres Bühnenlebens, diese Gefahr gilt für den intellektuellen Mueller-Stahl überhaupt nicht. Er durchdringt Rollen, Partituren und philosophische Probleme, und zwar immer mit jenem trockenen Humor, der große Geister auszeichnet. Auch bei den letzten Fragen.

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