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Buchkritik

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 21.06.2007

Angst und Schrecken in der Schreibmaschine

Hunter S. Thompson: "Gonzo Generation - Das beste aus den Gonzo Papers". Heyne-Verlag 2007, 574 Seiten

Hunter S. Thompson, Schriftsteller unf Journalist
Hunter S. Thompson, Schriftsteller unf Journalist (AP)

Dass der Tod eines Künstlers für dessen Karriere förderlich sein kann, ist keine neue Erkenntnis. "Good career move" lautete etwa ein sarkastischer, sich im Nachhinein aber als durchaus zutreffend herausstellender Kommentar zum Tod von Elvis Presley, verzeichnete der eigentlich schon abgehalfterte "King of Rock" aus dem Grab heraus doch plötzlich wieder wahrhaft himmlische Verkaufszahlen.

Von den Dimensionen her lässt sich der Erfolg, den der amerikanische Autor Hunter S. Thompson posthum erfährt, zwar nicht wirklich vergleichen, prinzipiell allerdings schon. Seit seinem schlagzeilenträchtigen Selbstmord am 20. Februar 2005 (Thompson hatte sich mit einer großkalibrigen Pistole erschossen) ist das Interesse am "King of Gonzo" neu entflammt, auch in Deutschland.

Zwar hatte ihn der Erfolg von "Angst & Schrecken in Las Vegas" (Zweitausendeins) auch hierzulande wenn schon nicht zum Star, so doch zum erfolgreichen Kult-Autor werden lassen, doch die Nachfolgewerke fanden keine deutschen Verlage mehr und blieben unübersetzt - bis zu seinem Tod. Seit dem Frühjahr 2004 hagelt es Wiederauflagen bzw. Neuerscheinungen, in erster Linie aus dem Heyne-Verlag.

"Gonzo Generation" nennt sich ein fast 600 Seiten dicker Wälzer, der im Untertitel "Das Beste aus den Gonzo Papers" verspricht. Die Zusammenstellung des Materials ist in dieser Form exklusiv. Etwa die Hälfte des Bandes besteht aus Texten, die der in den Siebzigern erschienenen Ausgabe "Die große Haifischjagd" (deutsch in zwei Bänden bei Zweitausendeins) entnommen sind, darunter, neben anderen Perlen aus Thompsons kreativer Hochphase, neben "Das Kentucky Derby ist dekadent und degeneriert" auch der Artikel, der als Premiere des Gonzo-Stils gilt.

Die zweite Hälfte von "Gonzo Generation" darf dagegen quasi als Neuerscheinung gelten. Die in den Achtziger und Neunziger Jahren erschienen Thompson-Bände "A Generation of Swine", "Songs of the Doomed" und "Better Than Sex", bisher nicht in deutscher Übersetzung erhältlich, sind hier versammelt - auszugsweise zumindest, aber das entspricht auch durchaus ihrem Rang im Werk Thompsons.

So amüsant sich seine Tiraden gegen Materialismus und Karrieregeilheit der Reagan-Ära ("Eine Generation von Schweinen"), der allgemeine Abgesang auf den "American way of life" in "Songs der Verdammten" oder die "Bekenntnisse eines Polit-Junkies" (Untertitel von "Besser als Sex") lesen - amüsant zumindest dann, wenn man die radikal-liberale und anarchistische Grundhaltung des Autors halbwegs nachvollziehen kann; die durchschlagende Wirkung und die Originalität seiner Meilenstein-Texte erreicht Thompson in seinem Spätwerk nur selten - wie etwa in seinem Nachruf auf Präsident Nixon, wo er noch einmal zu wirklich großer Form aufläuft.

"Gonzo Generation" wendet sich weniger an Thompson-Einsteiger (für die führt nach wie vor kein Weg an "Angst & Schrecken in Las Vegas" vorbei) als an Fans, die nicht hardcore (oder liquide) genug waren, um sich alle Originalbücher zu besorgen und die in diesem von Teja Schwaner übrigens in bekannter Qualität übersetzen Sammelband nun eine nützliche Ergänzung geliefert bekommen.

Rezensiert von Helmut Heimann

Hunter S. Thompson: "Gonzo Generation - Das beste aus den Gonzo Papers"
Aus dem Amerikanischen von Teja Schwanerbei
Heyne-Verlag 2007
574 Seiten, 9.95 Euro