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Mahlzeit / Archiv | Beitrag vom 22.09.2007

Aluminium: Schwerwiegendes über ein Leichtmetall

Auch Sonnenschutzmittel enthalten Aluminium
Auch Sonnenschutzmittel enthalten Aluminium (AP)

Zwei Forschungsergebnisse der britischen Universität Keele machen nachdenklich. Erstens die Beobachtung, dass Frauen, die an Brustkrebs erkranken, mehr Aluminium in ihrer Brust haben als gesunde Frauen. Die höchsten Gehalte befinden sich dort, wo auch häufiger Tumoren auftreten, nämlich in der Nähe der Achsel. Daher stehen aluminiumhaltige Deos im Verdacht, zur Krebs-Entstehung beizutragen.

Eine zweite Erkenntnis aus Keele macht die Sache brisanter: Aluminium ist nicht nur in Deos enthalten, sondern auch in vielen Sonnenschutzmitteln. Dabei können – je nach Produkt - an einem sonnigen Badenachmittag bis zu einem Gramm Aluminium auf der Haut verteilt werden. Nach Angaben der britischen Forscher ist die menschliche Haut für die fraglichen Alu-Verbindungen durchlässig.

Kommen wir mal zu den Lebensmitteln – spielt da Aluminium auch eine unrühmliche Rolle? Es gibt drei Eintrittspforten für Aluminium in den Körper: Erstens über die Haut, zweitens beim Atmen über den Riechnerv direkt ins Gehirn (das gilt vor allem für Alustäube) und drittens über die Nahrung. Die Bedeutung der Nahrung wurde lange Zeit bestritten, weil der Verdauungstrakt das Element normalerweise nicht aufnimmt. Schließlich werden ja auch aluminiumhaltige Magensäurebinder verschrieben, ohne dass es zu einer nennenswert erhöhten Aluminiumbelastung des Körpers gekommen wäre.

Also ein klarer Fall von Entwarnung? Was die Magensäurebinder betrifft, in der Regel ja – aber nicht bei Aluminium, das sich in der Nahrung befindet. Wird es zusammen mit Stoffen, die Aluminium binden wie Zitronensäure, Milchsäure, Glutamat oder dem Aromastoff "Maltol", dann wird es vom Körper aufgenommen und kann bis ins Gehirn gelangen. Besonders hohe Belastungen produzieren Lindenblütentee oder Früchtetee in der Aluminium-Feldflasche bei der Wanderung. Relativ viel Aluminium hat man in der Tomatensoße von Heringsdosen gefunden, in Dosenbieren und -limos nach längerer Lagerung und natürlich bei Verwendung von Alufolie zum Grillen von Fisch – schön lecker mit Zitrone beträufelt. Aber das sind alles nur Beispiele, im Einzelfall ist die Alufracht kaum vorhersagbar – zu vielfältig sind die Einflüsse.

Und was passiert im Körper damit? Es gibt schon lange die Erkenntnis, dass Alzheimerpatienten deutlich höhere Gehalte an Aluminium im Gehirn aufweisen. Zugleich zeigen Tierversuche, dass die Applikation von Aluminium zu einem Krankheitsbild führt, dass der Alzheimerschen Krankheit sehr wohl ähnelt. Manchmal gelangt es auch in die Knochen, dann kommt es zur Osteomalazie (Konochenerweichung). Ähnliche Krankheitsbilder hat man früher an Dialysepatienten, die über die Dialyse mit Aluminium belastet worden waren, vorgefunden. Heute spielt dieser Belastungspfad allerdings keine Rolle mehr. Anders sieht es beim Trinkwasser aus. In England sind in Regionen mit einer stark erhöhten Aluminiumfracht im Trinkwasser neurologische Krankheiten häufiger. Insofern geht von Aluminium ein gesundheitliches Risiko aus.

Sollten wir also in Zukunft einen großen Bogen um Aluminium machen, egal ob im Sonnenschutzmittel oder Alufolie? Das kommt darauf an. Zunächst macht es einen Unterschied, ob sich das Aluminium in Lebensmitteln oder Kosmetika befindet. Ums Essen und Trinken kommt niemand umhin. Es gibt viele sinnvolle Einsatzbereiche für das Leichtmetall, auch im Lebensmittelsektor, beispielsweise die Alufolie um das Sandwich. Aber es gibt natürlich auch Risiken. Risiken, die vermeidbar wären, würde man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zur Aufbewahrung von sauren Speisen taugt Aluminium nicht. Wir diskutieren heute immer noch fleißig über die "giftigen Schwermetalle" wie Quecksilber oder Cadmium, obwohl wir diese inzwischen recht gut im Griff haben. Jetzt wäre es an der Zeit, sich einmal unvoreingenommen den "harmlosen Leichtmetallen" zuzuwenden. Schließlich sind Aluminiumverbindungen in Kosmetika verzichtbar.

Quellen::
Nicholson S, Exley C: Alumnium: a potentiial pro-oxidant in sunscreens/sunblocks? Free Radical Biology and Medicine. Article in press
Exley C et al: Aluminium in human breast tissue. Journal of Inorganic Biochemistry 2007; Epub ahead of print.
Darbre PD: Underarm cosmetics and breast cancer. Journal of Applied Toxicology 2003; 23: 89-95
McGrath KG: An earlier age of breast cancer diagnosis related to more frequent use of antiperspirants/deodorants and underarm shaving. European Journal Cancer Prevention 2003; 12: 479-485 Altmann P et al: Disturbance of cerebral function in people exposed to drinking water contaminated with aluminium sulphate: retrospective study of the Camelford water incident. BMJ 1999; 319: 807-811
EU.L.E.n-Spiegel – Wissenschaftlicher Informationsdienst des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften l1995; Heft 4; Schwerpunkt Aluminium