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Mahlzeit / Archiv | Beitrag vom 11.11.2007

Alternative zur Milch?

Produkte aus Soja

Sojabohnen (Stock.XCHNG / luis rock)
Sojabohnen (Stock.XCHNG / luis rock)

Viele Eltern geben ihren Kindern aus Angst vor einer Milchallergie Sojamilch zu trinken. Doch nun gab das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Warnung heraus. Bei der Verwendung von Sojaprodukten kommt es immer wieder zu Kreuzallergien mit Milch. Daneben können Sojaallergien auch zu einer Allergie gegen Birkenpollen führen.

Was bedeutet das für die Kinder? Sojamilch ist nur für solche Kinder eine denkbare Alternative zur Milch, die keine Kuhmilch vertragen und auf Soja nicht allergisch reagieren. Zur Vorbeugung vor Allergien ist Sojamilch nicht geeignet. Sie ist eine Notlösung. Notlösung deshalb, weil inzwischen eine ganze Reihe weiterer unerfreulicher Verdachtsmomente zutage traten. Soja enthält jede Menge Phytoöstrogene, also Naturstoffe, die wie Sexualhormone wirken. In Sojamilch wurden Gehalte vorgefunden, die – rechnet man das ganze auf einen Säugling um – der Dosis entsprechen, die in mehreren Antibabypillen enthalten ist. Verschiedene Untersuchungen deuten darauf hin, dass dabei tatsächlich hormonelle Effekte auftreten; bei Mädchen beispielsweise eine zu früh einsetzende Ausbildung der Geschlechtsmerkmale. Bei Jungen wird – aufgrund von Tierversuchen – befürchtet, dass die Hoden geschädigt werden. Männliche Ratten, deren Mütter mit Soja gefüttert worden waren, waren impotent. Zudem kam es zur Zurückbildung des Thymus, ein wichtiges Organ des Immunsystems. Neu ist das im Grundsatz nicht, denn bei Verwendung von Soja in der Kälbermilch gab es in der Vergangenheit gesundheitliche Probleme in der Nutzviehhaltung.

Aber für Erwachsene ist Soja vermutlich harmlos, schließlich wird in Asien traditionell Soja gegessen? Die Soja-Hype stammt nicht aus Asien, sondern aus den USA. In Asien wurde Soja vor dem Verzehr meistens umfangreich verarbeitet, um die natürlichen Abwehrstoffe zu entfernen. Einige werden durch Hitze zerstört, wie zum Beispiel Allergene, andere wie die Saponine überstehen sogar das Extrudieren und müssen durch andere Verfahren entfernt werden. Eine Reihe von Versuchen bestätigt, dass Soja kein per se "gesundes" Lebensmittel ist. Bei Affen kam es durch eine länger dauernde Verfütterung von Soja bei den Männchen zu einer erheblichen Steigerung der Aggressivität. Insgesamt litt das Sozialverhalten der Tiere. Bei Mäusen traten durch Soja Herzprobleme (Cardiomyopathien) auf. Beim Menschen wurden – so eine Studie aus den USA – Hirnprobleme beobachtet. Wer gerne Tofu aß, dessen intellektuelle Fähigkeiten litten. Je mehr Sojakäse auf dem Speiseplan stand, desto schlechter die Denkfähigkeiten der Menschen. Ob sich diese Befunde bestätigen lassen, muss man abwarten, aber man muss sie sehr ernst nehmen.

Und was ist mit den vielen Sojapräparaten, die zur Vorbeugung vor Krebs, Arteriosklerose oder Klimakteriumsbeschwerden usw. empfohlen werden?
Die amerikanische Herzgesellschaft (American Heart Association) hält Sojasupplemente für nutzlos. So auch die Einschätzung des deutschen Arznei-Telegramms, ein unabhängiger Fachdienst zur Bewertung von pharmazeutischen Produkten.

Warum sind in Soja so viele unerwünschte Stoffe drin? Soja ist eiweißreich. Damit enthält sie den limitierenden Faktor für das Leben in freier Natur. Da ist Eiweiß nicht nur wichtig, sondern auch knapp. Und deshalb sind eiweißreiche Pflanzen wie die Sojabohne bis an die Zähne bewaffnet. Mit Hormonen versucht sie die Fruchtbarkeit von Fraßfeinden zu schädigen (allerlei Zootiere wurden dadurch unfruchtbar), mit Enzyminhibitoren die Eiweißverdauung zu blockieren, mit Saponinen die Darmwand zu schädigen usw. Rohe Sojabohnen sind zum Beispiel für Gänse tödlich. Deshalb ist es notwendig, jedes Lebensmittel korrekt zu verarbeiten. Sobald es als "gesund" beworben wird, sollten beim Verbraucher stets die Alarmglocken schrillen. Optimale Lebensmittel sind nicht "gesund" sondern bekömmlich.

Literatur:
Kleine-Tebbe J et al: Severe oral allergy syndrome and anaphylactic reactions caused by a Bet v 1-related PR-10 protein in soybean, SAM22. Journal of Allergy and Clinical Immunology 2002/110/S.797-804
Zimmerli B, Schlatter J: Vorkommen und Bedeutung der Isoflavone Daizein und Genistein in der Säuglingsnahrung. Mitteilungen aus dem Gebiete der Lebensmitteluntersuchung und Hygiene 1997/88/S.219-232
Partsch HJ, Sippell WG: Pathogensis and epidemiology of precocious puberty. Human Reproduction Update 2001/7/S.292-302
Anil M et al: Hypokalzämische Tetanie bei ‚alternativer‘ Sojamilch-Ernährung in den ersten Lebensmonaten. Klinische Pädiatrie 1996/208/S.323-326
Gardner RW et al: Causes of adverse responses to soybean milk replacers in young calves. Journal of Dairy Science 1990/73/S.1312-1317
Jones N: Don’t eat soya if you’re pregnant. New Scientist 2003/H.2382/S.9
Simon NG et al: Increased aggressive behavior and decreased affiliative behavoir in adult male monkeys after long-term consumption of diets rich in soy protein and isoflavones. Hormones and Behavior 2004/45/S.278-284
Stauffer BL et al: Soy diet worsens heart disease in mice. Journal of Clinical Investigation 2006/116/s.209-216
Yellayi S et al; The phytoestrogen genistein induces thymic and immune changes: a human health concern? PNAS 2002/99/S.7616-7621
Sacks FM et al: Soy protein, isoflavones, and cardiovascular health. Circulation 2006/113/S.1034-1044

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