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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.03.2013

"Als Fernsehzuschauer habe ich wirklich gelacht"

Früherer CSU-Chef Huber über die Politsatire "Der Minister"

Erwin Huber im Gespräch mit Ute Welty

Der Einfluss der Medienmacht sei in dem Film sehr gekonnt dargestellt, meint der frühere CSU-Chef Erwin Huber. (AP)
Der Einfluss der Medienmacht sei in dem Film sehr gekonnt dargestellt, meint der frühere CSU-Chef Erwin Huber. (AP)

Der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber hält die Filmsatire "Der Minister" für amüsant und sehenswert. Aufstieg und Fall des Parteifreundes Karl-Theodor zu Guttenberg seien gut nachgezeichnet, sagte Huber.

Ute Welty: CSU-Generalsekretär, Wirtschaftsminister, Verteidigungsminister – Karl-Theodor zu Guttenberg war der Shootingstar der Regierung Merkel und der Erste, der über eine Plagiatsaffäre stürzte. Und weil das Leben bekanntlich die besten Geschichten schreibt, war diese Geschichte jetzt auch im Fernsehen zu sehen: "Der Minister" bei Sat.1 mit Kai Schumann als Minister und Katharina Thalbach als Bundeskanzlerin. Und deren erste Begegnung ist schon schicksalsträchtig.

(Einspieler Film)

"Bundeskanzlerin Murkel: "Ich bin sicher, Sie schon irgendwo gesehen zu haben, aber ich schaue nachmittags so selten Fernsehen!"

zu Donnersberg: "MdB Franz Ferdinand Freiherr von und zu Donnersberg, meine Frau Viktoria, geborene Gräfin von Hubenburg-Bisbacher."

Bundeskanzlerin Murkel: "Reizend – und so viele Titel! Ich habe leider nur einen Doktor.""

Welty: Ob man darüber lacht oder nicht, ist zum einen sicher eine Frage des Charakters und des Humors. Aber zum anderen auch eine Frage der Profession, denn mit dem Berufspolitiker an sich geht der Film so gar nicht sanft um. Fragen wir also einen Berufspolitiker, fragen wir Erwin Huber, den ehemaligen CSU-Vorsitzenden und ehemaligen Finanzminister in Bayern. Guten Morgen!

Erwin Huber: Guten Morgen!

Welty: Haben Sie denn lachen können, oder ist Ihnen das Lachen im Halse steckengeblieben?

Huber: Als Fernsehzuschauer habe ich wirklich gelacht, es ist schon eine sehr köstliche Satire, ist auch ein kleines Kunstwerk, und es bleibt ein Spannungsbogen aufrechterhalten, obwohl man ja das Ende kennt. Es werden also wirklich aus Affekt ganz tolle Gags gemacht – also als Zuschauer habe ich mich köstlich amüsiert. Als Politiker war ich natürlich mehr betroffen, weil unsere Profession natürlich nicht gut wegkommt dabei.

Welty: Die besten Ideen werden planschend im Pool veranstaltet beziehungsweise geboren, und man wartet planschend im Pool auf eine Entscheidung über das Kabinett der nächsten Regierung. Haben Sie eine solche Situation jemals erlebt?

Der Schauspieler Kai Schumann spielt Franz Ferdinand von Donnersberg in der Satire "Der Minister" (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)Der Schauspieler Kai Schumann spielt Franz Ferdinand von Donnersberg in der Satire "Der Minister" (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)Huber: Nein, in der Realität natürlich nicht. In der Realität ist die Politik ernsthaft. Aber wir müssen ja eigentlich sprechen über eine Satire, und da finde ich das sehr gelungen. Also die Kanzlerin ist überragend dargestellt, es ist wirklich köstlich, und ich glaube, es ist Satire in Höchstform. Aber ich finde auch, der Donni, der mich sehr an K. T. erinnert, ist in Mimik, in der Sprache sehr gut dargestellt. Also ich finde es in der Tat eine wirklich köstliche, amüsante und sehenswerte Filmsatire.

Welty: Wir kennen ja nun den echten zu Guttenberg, welche Parallelen haben Sie entdecken können, abgesehen von Äußeren, im Vergleich mit dieser Kunstfigur zu Donnersberg?

Huber: Es war natürlich schon die Orientierung an der Medienwirkung, die sehr stark war, die ihm natürlich auch zum Verhängnis geworden ist. Der Unterschied ist der, ich kenne K. T., er ist ja eigentlich ein gebildeter Mann, und nicht ein Tölpel, wie er da dargestellt wird. Das ist ein krasser Gegensatz, aber man sieht natürlich auch die Verführungen der Macht, man sieht dann die Abgehobenheit und Realitätsferne, die entsteht. Aber wer könnte denn in diesem Alter das alles cool verkraften, also Aufstieg und Fall sind schon gut nachgezeichnet.

Welty: Gab es auch Stellen, wo Sie sagen, da stößt Satire an Ihre Grenzen, oder halten Sie es mit Ihrem aktuellen Parteichef und dem legendären Satz, das können Sie alles senden?

Huber: Man muss natürlich schon unterscheiden, das ist Satire, das ist ja keine Dokumentation. Und deswegen lache ich natürlich an Stellen, wo die Politik also auch als Komödie erscheint, wo ich natürlich als Politiker gar nicht lachen dürfte, sondern eigentlich betroffen sein müsste, weil das Leben ja Gott sei Dank nun ganz anders ist. Aber - sagen wir einmal so - der Einfluss der Medienmacht, das ist schon ganz gekonnt dargestellt, und vor allen Dingen in der Art und Weise:Na ja, gut, wenn es gut läuft, habe ich eine Schlagzeile, wenn es schlecht läuft, habe ich auch eine Schlagzeile. Und da, meine ich, muss die Politik vielleicht auch eine Lehre draus ziehen, doch eine gewisse Distanz auch zur Medienwirkung herzustellen.

Welty: Apropos legendäre Sätze: Kanzlerin Murkel meint im Film, dass die Menschen gar nicht so genau wissen wollen, wie Gesetze, Kriege und Wurst gemacht werden. Müssen Sie sich dem aus ihrer reichhaltigen politischen Erfahrung anschließen?

Huber: Ja, das würde ich auch sagen, ja, denn wenn man in die Küche schauen würde, auch bei einem Sternekoch, ich weiß nicht, ob einem dann immer das so schmecken würde. Und auch die Gesetzesmache ist wahrlich nicht ganz einfach. Im Übrigen, ein Denkmal hat man dem K. T. doch gesetzt: Der letzte Satz, dem glauben Sie doch alles, macht vieles wieder gut. Denn die Faszination und das Phänomen Guttenberg ist ja eigentlich noch immer ungelöst.

Welty: Ja, wenn man sich zum Beispiel anschaut, wie viele Gesetze das Bundesverfassungsgericht in jüngster Zeit kassiert hat, dann muss man doch vielleicht darüber nachdenken, ob eben Gesetze nicht vor allem schlecht gemacht werden.

Huber: Jetzt werden Sie wieder ganz ernst.

Welty: Ja!

Huber: Nein, bei Gesetzesmaterien und Juristerei auf hohem Niveau gibt es nämlich immer auch Ansichtssachen, da gibt es jetzt nämlich auch handwerkliche Fehler. Jetzt muss ich mal sagen, wer ohne handwerkliche Fehler ist, der werfe den ersten Stein, aber das sind natürlich auch oft Auslegungssachen, Bewertungssachen. Also die Tätigkeit des Verfassungsgerichts will ich da nicht als Gradmesser nehmen, und natürlich auch der zeitliche Druck ist groß geworden beim Gesetzesmachen, die Materie ist komplex. Also da gibt es viele Gründe, das zu erklären. Aber manchmal sollte man sich vielleicht auch mehr Zeit nehmen, gründlicher überlegen. Die Energiewendegesetze sind alle mit heißer Nadel gestrickt, und die könnte man gut anführen als Beispiel dafür, wie man Gesetze eigentlich nicht machen sollte.

Welty: Zu Guttenberg in der Realität, zu Donnersberg in der Satire – worin begründet sich Ihre Hoffnung, dass Politik vielleicht dann doch mehr ist als Image?

Huber: Ja doch, in den Ergebnissen hoffe ich, ja? Das wird ja hier ausgeblendet, hier wird ja nun etwas herausgezogen und zur Satire gemacht, was schon ein Element in unserer Mediengesellschaft ist. Wir Politiker sind ja drauf angewiesen, dass wir, sagen wir, über die Medien zu den Menschen kommen, und damit gibt es eine gegenseitige Abhängigkeit. Vielleicht auch bei vielen Politikern in der heutigen Zeit, mit den vielen Medien und mit der ungeheuren Medienwirkung, eine Verführung der Politik, nicht mehr an den Fakten und an den Lösungen besonders orientiert und konzentriert zu sein, sondern an den Schlagzeilen, an der Medienwirkung. Da sehe ich durchaus eine Gefahr für die heutigen Politiker. Nämlich, zu sagen, die Schlagzeile reicht mir ja, was rauskommt, ist eigentlich zweitrangig, und da, glaube ich, muss die Politik aufpassen, nicht die Ernsthaftigkeit zu verlieren.

Welty: Der Minister im Fernsehen und der Politiker im Interview. Mein Dank fürs Gespräch geht an Erwin Huber, ehemals CSU-Vorsitzender. Einen guten Tag noch!

Huber: Danke, schönen Tag!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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