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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 21.08.2009

Aloha, USA

1959: Hawaii wird US-amerikanisch

Von Ralf Geißler

Der Pu'u O'o des Kilauea auf Hawaii  (USGS, J.D. Griggs)
Der Pu'u O'o des Kilauea auf Hawaii (USGS, J.D. Griggs)

Vor 50 Jahren wurde das Inselparadies Hawaii vollwertiges Mitglied der USA - aus strategischen und wirtschaftlichen Überlegungen.

Das Paradies ist weit. Fast 4000 Kilometer trennen Hawaii vom amerikanischen Festland. Acht Inseln und Hunderte kleine Atolle – verstreut im Pazifischen Ozean. Am 21. August 1959 ernannte US-Präsident Dwight D. Eisenhower den abgelegenen Archipel zum 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten. Vor dem Weißen Haus hisste er die neue US-Flagge, die nun 50 Sterne trug, und hielt eine kurze Ansprache.

"Alle 49 Bundesstaaten begrüßen Hawaii in ihrer Gemeinschaft. Wir wünschen dem neuen Bundesstaat Wohlstand, Sicherheit, Glück und enger werdende Beziehungen zu den anderen. Wir wissen, dass Hawaii bereit ist, unsere Gemeinschaft zu einer stärkeren Nation zu machen."

Diese Nation wuchs 1959 ganz außerordentlich. Erst im Januar war Alaska offiziell in die USA aufgenommen worden – als größter aller Bundesstaaten. Hawaii brachte zwar weniger Territorium ein, war touristisch aber besser zu vermarkten. Und so flog auch der Journalist Peter von Zahn 1959 nach Honolulu und stellte den Deutschen das ferne Hawaii in seinen "Berichten aus der neuen Welt" vor.

"Die jungen Männer sehen aus wie braune Meergötter. Die Mädchen neigen zu iononischen Formen und wenn sie Matronen werden, zu großer Beleibtheit, die Hand in Hand geht mit einem fröhlichen Gemüte."

Von Zahn schwärmte über die Feuer spuckenden Vulkane und das tiefblaue Meer. Seine Schilderungen überdeckten allerdings, dass Hawaii eine sehr traurige Vergangenheit hatte. Als der britische Seefahrer James Cook die Inseln 1778 entdeckte, schleppte er verschiedene Krankheiten ein. Die Zahl der Ureinwohner schrumpfte in den folgenden Jahren auf ein Fünftel. Dafür siedelten sich immer mehr US-Amerikaner an. Mit Ananas- und Bananenfarmen brachten sie es zu Reichtum und Einfluss. Vor allem die Familie Dole drängte die USA dazu, Hawaii zu annektieren. 1898 ernannte US-Präsident McKinley Hawaii zu amerikanischen Territorium. Königin Lili'uokalani wurde zur Abdankung gezwungen.

Berühmt wurde die letzte Königin Hawaiis durch ihre Musik. Mehr als 100 Melodien hat sie komponiert. Am Bekanntesten: das Aloa Oe – hier in einer Aufnahme von 1928.
Nach Lili'uokalanis Abdankung sollte es noch mehr als 60 Jahre dauern, bis Hawaii auch ein gleichberechtigter Bundesstaat der USA wurde. Die Amerikaner interessierte zunächst vor allem die strategisch günstige Lage Hawaiis zwischen ihrem Kontinent und Asien. Das Militär baute den Seehafen Pearl Harbor zum wichtigsten Flottenstützpunkt im Pazifik aus. Am Morgen des 7. Dezember 1941 wurde er von japanischen Fliegern bombardiert. US-Präsident Roosevelt verstand das als Kriegserklärung. Die USA traten nach dem Angriff auf Hawaii in den Zweiten Weltkrieg ein.

"Der Angriff gestern auf die Inseln von Hawaii hat bei der US-Armee schwere Schäden hinterlassen. Viele Amerikaner haben ihr Leben verloren."

Nach dem Krieg mehrten sich Stimmen, die Hawaii zu einem Bundesstaat aufwerten wollten. Doch es gab auch viele Skeptiker. Sie kritisierten, Hawaii sei viel zu weit von Amerika entfernt und entspräche gar nicht der US-Bevölkerung. Peter von Zahn berichtete:

"In Hawaii ist nicht ein Viertel europäischer Abstammung. Die Mischungen zwischen Japanern, Chinesen, Philippinos, Poylnesiern, Melanesiern, Malayen, hawaiischen Ureinwohnern, Negern und Puertoricanern sind hübsch und ein Stein des Anstoßes für die konservativen der amerikanischen Südstaaten, die ein Ideal der weißen Oberherrschaft verschwinden sehen."

Zudem fürchteten Politiker eine Verschiebung des politischen Gleichgewichts zugunsten der Republikaner, wenn auch die Hawaiianer wählen dürfen. Doch nach zähen Verhandlungen stimmte der Kongress einer Aufnahme Hawaiis als Bundesstaat zu. Als Präsident Eisenhower die Inseln im August 1959 begrüßte, wurde in Honolulu vier Tage lang gefeiert – mit Paraden, Feuerwerk und Hulatänzen. Sämtliche Schulen und Behörden blieben geschlossen. Eine Minderheit allerdings war nicht begeistert: die Ureinwohner Hawaiis. Einige von ihnen fordern bis heute die Unabhängigkeit der Inseln zurück.

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