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Tonart | Beitrag vom 08.01.2016

Äl Jawala: "Hypnophonics"Das Publikum verhexen

Von Jutta Petermann

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Verschiedene Blechblasinstrumente (picture-alliance/ dpa / Patrick Seeger)
Orientalische Bläsersätze gehören weiterhin zum Handwerkszeug von Äl Jawala. Doch auf dem neuen Album werden sie unter anderem durch Western-Gitarre und Rap ergänzt. (picture-alliance/ dpa / Patrick Seeger)

Die Balkan-Big-Beat-Band Äl Jawala aus Freiburg will auf ihrem aktuellen Album "Hypnophonic" inhaltlich mehr rüberbringen als in den vor allem instrumentellen Stücken der vergangenen 16 Jahre. Doch nicht nur der Gesang ist neu.

"Also tatsächlich die Repetition, die war es, die wir mehr gesucht haben als früher. Dieses Genießen, eine Spannung aufzubauen dadurch, dass man Dinge einfach wiederholt."

Der Albumtitel "Hypnophonic" steht für das musikalische Verhexen-wollen des Publikums - entspanntes Wiederholen soll die Hörer in Trance versetzen, sie quasi hypnotisieren.

Die orientalischen Bläsersätze gehören da natürlich weiterhin absolut zum Handwerkszeug, wie auch der moderne, urbane Dancefloor-Sound verbunden mit traditioneller Musik des Balkan. Diesmal greifen Äl Jawala, was übersetzt die Reisenden bedeutet, aber auch noch zur Western-Gitarre und rappen dazu, spielen ein berühmtes arabisches Volkslied oder lassen den tranceartigen Gesang ihres Gastsängers Mamoudou Doumbaye auf einem jamaikanischen Raggarhythmus tanzen.

Afrika, Karibik, Naher Osten, Nordamerika - der Globetrotter-Charakter von Hypnophonic entstand bei den Sessions im Probenraum. Vor allem die Gastsänger brachten die weite Welt mit. Einer von ihnen lebt schon länger im Breisgau, Mamoudou Doumbaye.

"Djanto, das singt ein Freund von uns, Mamoudou aus Guinea und da geht es um die Flucht und 'ne Message, die er seinen Landsleuten sagt; eben nach Europa gehen auswandern, die Realität, wie es hier aussieht, was einen da erwartet, da ranken sich viele Geschichten, und vielen gehen da recht blauäugig los."

Kein politisches Konzept

Inhaltlich mehr rüberbringen, so wie in Djanto, das wollte das Quintett jetzt nach gut 16 Jahren, in denen es vornehmlich instrumentale Musik spielte. Hypnophonic enthält denn auch größtenteils Songs.

"Zum Beispiel in 'Be anybody' geht es einfach darum, dass man der sein kann der man will. Man muss einfach einen Schritt tun, um sich zu verändern."

Die Band hat kein politisches Konzept, sondern will am liebsten nur über ihre Lieder auf der zwischenmenschlichen Ebene wirken. Aber die fünf Freiburger freuen sich dann doch, wenn im Studio völkerverständigende Momente entstehen. Etwa als sie die Gastsängerin Bayan Faroun aus Jerusalem ans Mikro holten.

"Die war da mit 'ner Freundin, die ist Israelitin die haben wir beiden zusammen als Team auf dem Stück 'Be Anybody' singen lassen. Sie aus Palästina und die andere aus Israel, einfach als Zeichen. Klar stoßen wir mit unserer Musik da sehr viel an in der Richtung an. Ich glaube, wir können ein kleines bisschen dazu beitragen, dass sich da Türen öffnen zwischen den Leuten."

Bayan kam ganz zufällig als Sängerin zu den Aufnahmen. Die Anfang-20-Jährige war als Austauschstudentin für zwei Wochen in Freiburg. Der Schlagzeuger der Band hat sie kennengelernt und mitgebracht, weil sie das arabische Lied All Bint El Chalabiya kannte.

Brückenbauer durch Musik

Äl Jawala ist es wichtig, dass das richtige Gefühl rüber kommt auf diesem weltumarmenden und dennoch clubtauglichen Album "Hypnophonic". Deshalb singen die Bandmitglieder diesmal auch viel selbst, und unter den Gastsänger sind eben auch Laien wie Bayan.

"Weil wir gar nicht so sehr die Perfektion suchen, sondern die Vielfalt und das Besondere in jeder Stimme, also den Ausdruck einfach mehr als irgendwas Professionelles."

Bayan ist zweimal zu hören, neben elf anderen Sängern im Stück "Be anybody" auch noch als Solistin des arabischen Liedes All Bint El Chalabiya, es sollte mit oder ohne Gesang auf jeden Fall aufs Album. Die Tatsache, dass der Nahe Osten aufgrund des islamistischen Terrors aktuell eher misstrauisch betrachtet wird, spielte dabei zwar keine vordergründige Rolle. Doch Äl Jawala sehen sich, wenn schon nicht als politische Band, dann doch als Brückenbauer mittels Musik.

"Weil ich glaube, wir interpretieren diese traditionellen Stile so, das sie auch die Leute hier verstehen oder westlich geprägte Leute verstehen, indem wir es in unserem Sinne verpoppen oder in unsere Sprache übertragen, bekannte musikalische Elemente einbauen. Und so viele Leute da ran führen, und ihnen diese Welt öffnen, und dass man sich die orientalische Musik überhaupt anhört."

Die Band Äl Jawala ist mit ihrem Album ab 14. Januar auf Tour in Deutschland, erste Station ist Dudenhofen; es folgen Hamburg, Berlin und zahlreiche weitere Stationen wie Erfurt, Kassel, Rostock und zum Abschluss Ende April Offenburg. Mehr Informationen auf der Webseite der Band.

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