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Interview / Archiv | Beitrag vom 29.01.2011

Ägyptens Militär in "Schlüssel"-Rolle

Nahostexperte kann sich Militär-Übergangsregierung vorstellen

Wie alle ägyptischen Präsidenten seit 1952 kam auch Hosni Mubarak aus dem Militär. (AP)
Wie alle ägyptischen Präsidenten seit 1952 kam auch Hosni Mubarak aus dem Militär. (AP)

Henner Fürtig, Direktor des GIGA-Instituts für Nahost-Studien in Hamburg, sieht nach den massiven Protesten in Ägypten das Militär in einer Schlüsselrolle. Er könnte sich sogar vorstellen, "dass für eine gewisse Übergangszeit das Militär die Sache in die Hand nimmt", sagte der Nahostforscher.

Im Gegensatz zu früheren südamerikanischen Militärregimes ist die ägyptische Armee nach Ansicht Fürtigs aber nicht auf die direkte Machtausübung aus. Eine Übergangsregierung durch das Militär würde "wahrscheinlich ( ... ) dann wieder zu einer Formierung einer Zivilregierung führen", sagte der Professor für Nahoststudien an der Universität Hamburg.

Das Militär genieße bei der ägyptischen Bevölkerung, anders als in Tunesien, immer noch einen sehr guten Ruf. Dies habe man auch daran sehen können, dass die Bevölkerung einrückende Militäreinheiten am Freitag in Kairo zunächst begrüßt habe, so Fürtig. Seit mehr als 50 Jahren werde das ägyptische Regime im Hintergrund vom Militär bestimmt: "Alle ägyptischen Präsidenten seit 1952 kamen aus dem Militär. Wir dürfen nicht vergessen, Hosni Mubarak war vor seiner Präsidentschaft Luftwaffenchef", erklärte Fürtig.

Nach seiner Interpretation sind die USA in ihren offiziellen Erklärungen bereits vom ägyptischen Präsidenten abgerückt: "Der Name Mubarak ist nicht ein einziges Mal gefallen. ( ... ) Also, ich glaube, die Amerikaner nehmen auch leicht Abstand von dem Regime Mubarak." Wichtig aus der Sicht der USA sei, dass eine neue ägyptische Regierung sich für einen Ausgleich im Nahen Osten einsetze und den Islamismus bekämpfe, sagte Fürtig.

Nach den Protesten in Tunesien und Ägypten rechnet der Nahostforscher nun auch mit größeren Protestwellen im Jemen und in Jordanien. Insgesamt aber sei die arabische Welt sehr unterschiedlich aufgestellt: "Wir haben republikanische Systeme, wir haben Monarchien, wir haben arme Gesellschaften, wir haben sehr reiche." Er gehe nicht davon aus, dass im Sinne einer "Domino-Entwicklung" nun alle arabischen Regimes zur Disposition stünden, so Fürtig.

Das vollständige Gespräch mit Henner Fürtig können Sie mindestens bis zum 29.6.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

Interview

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