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Buchkritik | Beitrag vom 17.02.2016

Adele Griffin: "Addison Stone"Faszinierende Geschichte einer hochbegabten Künstlerin

Von Silvia Schwab

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'LIZ 5' - Porträt von Andy Warhol aus dem Jahr 1963 (picture alliance / dpa)
'LIZ 5' - Porträt von Andy Warhol aus dem Jahr 1963 (picture alliance / dpa)

Addison Stone - das ist eine junge Pop-Künstlerin in New York, die früh viel erreichte, aber auch früh starb. Adele Griffins gelingt es in ihrer Biografie, die Geschichte dieser düster-funkelnden jungen Künstlerin sehr lebhaft zu schildern. Der Clou dabei: Es gab sie nicht.

"Addisons hervorstechendste Eigenschaft war Furchtlosigkeit."
"Sie sah aus wie ein schlanker, dunkler Schatten, perfekt wie ein Kunstwerk, aber sie war auch voller Leben, anstrengend, lustig, wild, elegant."
"Sie wollte immer nur das tun, was sie tun wollte."
"Addys Gehirn war einfach genial. Aber ihr Herz war manchmal in der Pubertät stehen geblieben." "Sie hat nicht nur Kunst gemacht, sie war Kunst."

Adele Griffins Biografie der hochbegabten, unberechenbaren Addison Stone ist spannend vom Anfang bis zum Schluss. Man weiß, dass die junge Künstlerin mit achtzehn Jahren ums Leben kam, aber man weiß nicht, wie das geschah. Nun zeichnet die Autorin, die fasziniert ist von der Lebensgeschichte der düster-funkelnden jungen Frau. deren Leben von der Kindheit im schwierigen Elternhaus bis zum rätselhaften Tod akribisch nach: Erste Liebe, Schulabbruch, frühe künstlerische Erfolge, der Start in New York, begeisterte Fans und neidische Kollegen, Drogen, ein Selbstmordversuch, Therapie, Addisons berühmte Projekte wie der Ritt auf einem Kronleuchter oder der Diebstahl ihres Selbstportraits aus dem Whitney Museum.

Ein Mix aus Bewunderung, Neid, Wut und Mitleid

Das selbstzerstörerische Leben der Addison Stone entwickelt sich so unmittelbar und plastisch, dass man beim Lesen ständig schwankt zwischen Bewunderung, Neid, Wut und Mitleid.

Doch nicht nur das Leben und die Persönlichkeit von Addison Stone waren außergewöhnlich. Auch Adele Griffins Zugriff ist es: Die Autorin hat unzählige Gespräche mit Eltern und Bruder, Freunden und Geliebten, Fans und Feinden, Therapeuten und Journalisten aufgezeichnet und komponiert deren Stimmen und Erzählungen so gekonnt ineinander, dass ein ungeheuer lebendiges, schillerndes, widersprüchliches Bild der jungen Frau entsteht. Chronologisch, aber aus unzähligen Berichten mosaikartig zusammengesetzt, fasziniert dieses Buch gerade durch die völlig unterschiedlichen Erzählweisen, Töne, Haltungen und Perspektiven der Interviewten. Und eines wird bald klar: Die Addison Stone gab es nicht – es gab ganz viele Addisons.

Erzählung ergänzt durch dokumentarisches Material

Ergänzt werden die Erzählungen durch reichlich dokumentarisches Material wie Mails, Zeitungsartikel, Fotos und Abbildungen von Addisons Kunstwerken und Portraits. Fazit: Dies ist die unglaublich interessante, anregende und mitreißende Lebensgeschichte einer jungen Frau, die so ein spezielles Leben führte und so einen eigenwilligen Tod starb, dass sie auch eine überzeugende Romanfigur abgegeben hätte.

Was sie – und das ist der Clou - auch ist! Denn Addison Stone hat nie gelebt. Sie ist die Erfindung dieser großartigen Autorin. Ihre Addison Biografie ist Fiktion, alle Dokumente sind Fakes, die Fotos sind mit Models nachgestellt, die Gemälde stammen von vier Kunststudenten. Aber die Illusion ist so perfekt – bis hin zum Cover und zum Vor- und Nachwort - dass selbst skeptische Rezensenten darauf reinfallen. Ein umwerfendes Buch!!

Adele Griffin: Das unvollendete Leben der Addison Stone
Aus dem Englischen von Anja Hansen-Schmidt
cbt, München 2015, 217 Seiten, 14,99 Euro

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