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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 04.02.2016

75 Jahre TeflonSiegeszug einer zufälligen Entdeckung

Von Irene Meichsner

Teflon-Pfannen ( imago/Jochen Tack)
Teflon weltbekannt als Beschichtung in Töpfen und Pfannen. Medizinisch wird der Kunststoff in Gelenken, Herzklappen und Herzschrittmachern verwendet. ( imago/Jochen Tack)

An Teflon bleibt nichts kleben: Der hitze- und kältebeständige Kunststoff ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Vor 75 Jahren erhielt Roy Plunkett, Mitarbeiter des US-Chemiekonzerns DuPont, das erste Patent auf seine zufällig entdeckte Erfindung.

"Es war vollkommen klar, wer die Entdeckung gemacht hatte. Vielleicht war ich naiv. Aber ich ... wusste, was ich chemisch in der Hand hatte, auch wenn ich noch nicht wusste, wozu Teflon alles gut sein könnte. ... Wenn man in so eine Situation hineingerät, muss man geistig vorbereitet sein. Und ich denke, das war bei mir der Fall."

Zufallsfund - eine unbekannte feste Substanz im Gaszylinder     

Roy Plunkett war 27 Jahre alt, als ihm ein Zufall den berühmten Kunststoff bescherte, an dem nichts kleben bleibt. Eigentlich sollte der junge Mann nach einem neuen Kältemittel für Kühlschränke suchen. Plunkett, Mitarbeiter des Chemiekonzerns DuPont, versuchte es mit Hilfe von gasförmigem "Tetrafluorethylen", kurz: TFE, das er unter hohem Druck in flaschenförmigen Zylindern auf Trockeneis aufbewahrte. Was dann geschah, schilderte er 1986, acht Jahre vor seinem Tod, einer amerikanischen Stiftung zur Dokumentation der Chemie-Geschichte, der "Chemical Heritage Foundation":

"Am Morgen des 6. April 1938 - wir hatten uns einen Zylinder ausgesucht - sagte mein Assistent: 'Hey Doc, haben wir schon alles Gas aus diesem Zylinder verbraucht?' Ich antwortete: 'Nein, ich glaube nicht.' Daraufhin sagte er: 'Was zum Teufel ist da los?' ... Vom Gewicht her musste in dem Zylinder noch was drin sein, aber obwohl das Ventil offen war, kam kein Gas heraus. ... Schließlich schüttelten wir etwas Pulver heraus – der erste Nachweis eines Polymers von TFE. ... Meine erste Reaktion war: 'Tja, da müssen wir wohl von vorn anfangen, vor allem, wenn dieses ganze Zeug polymerisiert hat.'"

"Teflon", der Kunststoff mit besonderen Eigenschaften

Das Material erwies sich als hitzebeständig – und äußerst stabil.

Roy Plunkett:"Es reagierte mit nichts, rein gar nichts."

Am 4. Februar 1941 erhielt Plunkett ein Patent auf das "Polytetrafluorethylen", kurz: PTFE; der Name "Teflon"wurde erst später geprägt. 1943 wurde der Kunststoff zum ersten Mal praktisch eingesetzt – als Korrosionsschutz für Behälter, in denen beim Bau von Atomwaffen im Rahmen des "Manhattan-Projekts" Uranhexafluorid gelagert wurde. Erst nach dem Krieg begann der Siegeszug von PTFE als Beschichtungs-, Dichtungs- oder Isoliermittel.

Weltweit als Beschichtungs- und Isolierungsmaterial nicht mehr wegzudenken

"Erinnerst Du Dich noch, wie die Muffins am Blech kleben blieben? – Ach, jetzt hör aber auf, das tun sie doch immer noch. - Nein, tun sie nicht!"

So wurde im amerikanischen Fernsehen für Teflon geworben – anfangs nur mit geringem Erfolg. Den Weg in die Küche fand der Kunststoff erst auf dem Umweg über Frankreich, wo der Ingenieur Marc Grégoire und seine Frau Colette Mitte der 50er Jahre auf die Idee kamen, Teflon für Bratpfannen und Kochtöpfe zu verwenden. Grégoire entwickelte eine Methode, um PTFE auf Aluminiumscheiben aufzubringen. 1956 gründete er die heute noch existierende Firma "Tefal", ein Kurzwort aus Teflon und Aluminium.

An dem Gerücht, Teflon sei ein Abfallprodukt der Raumfahrt, ist also nichts dran – obwohl es sich hartnäckig hielt und Teflon später auch für Kabelisolierungen und Hitzeschutzkacheln der Apollo-Kapseln verwendet wurde. Mit Teflon werden Tiefseekabel isoliert, die Kfz-Industrie verwendet das Material für die Beschichtung von Rohren und Schläuchen, die Medizin benutzt es für künstliche Gelenke, Herzklappen und Herzschrittmacher. "Gore-Tex"-Jacken verdanken ihre regenabweisenden und luftdurchlässigen Eigenschaften einem feinen Netz von PTFE-Fasern. Derweil machte der Entdecker des neuen Kunststoffs bei DuPont Karriere.

"Über die Jahre wurde ich regelmäßig herbeizitiert, um einen Patentantrag für ein anderes Land zu unterschreiben."

Später Ruhm des Bauernjungen aus Ohio

Plunkett wurde vielfach ausgezeichnet, 1985 sogar in die "Hall of Fame"der Erfinder aufgenommen.

"Man hat mich gefragt: 'Was halten Sie davon?' Ich habe gesagt: 'Also, ich weiß nicht recht. Ich schwebe auf Wolke sieben. Aber ich frage mich schon, was zum Teufel ein Bauernjunge aus Ohio in dieser Gesellschaft zu suchen hat."

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