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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.07.2013

64 Kilometer durch den Bodensee

Der Extremschwimmer Christof Wandratsch will den größten See Deutschlands durchqueren

Christof Wandratsch im Gespräch mit Ute Welty

Der Extremschwimmer Christof Wandratsch (WoW-Art)
Der Extremschwimmer Christof Wandratsch (WoW-Art)

Christof Wandratsch, Jahrgang 1966, zählt zu den besten Langstreckenschwimmern Deutschlands. In der 90er-Jahren war er Europameister über 25 Kilometer, 2005 stellte er einen neuen Rekord für die Durchquerung des Ärmelkanals auf. Jetzt will er den Bodensee bewältigen - ohne Neoprenanzug.

Ute Welty: Ich gebe zu, ich schwimme gerne, aber die ersten 25 Meter habe ich immer erst das Gefühl, gleich untergehen zu müssen. 64 Kilometer zu schwimmen, das ist für mich völlig unvorstellbar. Nicht aber für Christof Wandratsch, und weil 64 Kilometer im Becken wohl etwas eintönig wären, hat er sich Deutschlands größte Badewanne ausgeguckt: er will den Bodensee von Bodman nach Bregenz ohne Neoprenanzug durchqueren. Aber nicht heute, denn heute spricht er mit Deutschlandradio Kultur. Guten Morgen, Herr Wandratsch!

Christof Wandratsch: Hallo! Guten Morgen.

Welty: Wann genau soll es los gehen und von was ist es abhängig?

Wandratsch: Es ist abhängig von den Wetterbedingungen. Es ist zwar momentan seit Wochen super Wetter, aber ich möchte natürlich das möglichst lang hinauszögern, dass der See schön warm wird. Man muss auch darauf achten, dass am Abend keine Gewittermeldungen anstehen.

Welty: Das Wasser ist im Moment wie warm beziehungsweise wie kalt?

Wandratsch: Das Wasser ist momentan so zwischen 20 und 22 Grad. Das sind eigentlich sehr gute Bedingungen und ich habe mir jetzt mal vorgenommen, dass ich am Montag früh um zwei Uhr losschwimmen will.

Welty: Montag nächster Woche?

Wandratsch: Ja.

Welty: Warum so früh morgens?

Wandratsch: Ich plane mal so um die 20 Stunden plus/minus und möchte auf keinen Fall zweimal in die Nacht hineinkommen und sage mir, ich fang lieber in der Nacht an, wo ich noch ausgeruht bin, wo ich frisch bin, nicht müde, dann ist es ein bisschen kühler, und schwimme dann in die Wärme rein und ins Helle. Das ist einfach vom Positiven her viel besser, als wenn ich früh anfange zu schwimmen, um sechs Uhr, und dann komme ich irgendwann nach Mitternacht an und alles ist schon kalt und du bist müde, und da hast du dann wenig Lust, noch weiterzuschwimmen.

Welty: 64 Kilometer, 20 Grad, 20 Stunden, alles ohne Neopren – das kann doch nicht wirklich Spaß machen, oder? Was treibt Sie?

Wandratsch: Ja. Da ist es wichtig, dass mein Betreuerteam, mein Trainer, der Stefan Hetzer, und mein Betreuer, der Matthias Hofman, mir den Spaß vermitteln, dass sie auf dem Begleitboot Spaß haben, und dann habe ich auch im Wasser Spaß und dann wird es da ganz gut gehen. Als Vorbereitung, klar.. Das ist jetzt nicht so aus irgendeiner dummen Wette heraus entstanden, sondern das ist ja über Jahre hinweg trainiert. Ich habe weit über 100 Langstreckenrennen bestritten, Weltcup, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, alles gewonnen. Also da ist schon Erfahrung da und über Jahre hinweg hat sich das so entwickelt.

Welty: Aber man muss das auch wirklich wollen?

Wandratsch: Ja, ja. Der Wille ist da. Das ist aber bei allem, egal was ich mache.

Welty: Warum ist der Wille da? Das würde mich interessieren.

Wandratsch: Ja gut, warum? Den hat jetzt noch keiner ohne Neoprenanzug erfolgreich durchquert, den längsten See Deutschlands, und da sage ich mir okay, das ist ein Ziel, wo es sich lohnt, sich voll anzustrengen, alles zu geben, dass man das dann erfolgreich bewältigt.

Welty: Dieses Unterfangen ist ja nicht ohne Risiko. Es gibt Schiffe, es gibt Fische, es gibt die eigene Erschöpfung. Sind Sie sich selbst der größte Feind?

Wandratsch: Ja, eigentlich kann man das schon so sagen. Wenn ich dann nicht mehr kann oder irgendwelche Verletzungen auftreten - das weiß man ja nicht -, dann liegt das erst einmal an mir. Durch den Bodensee zu schwimmen, das klingt jetzt zwar überheblich, aber ich brauche da vor den Fischen keine Bedenken zu haben, vor den Schiffen nicht und sonstigen Sachen, was sich da noch auf dem Wasser herumtreibt, oberhalb der Wasseroberfläche und unterhalb. Da brauche ich keine Bedenken haben. Das einzige, was mich an dem ganzen noch hindern kann, ist ein Gewitter.

Welty: Ein Gewitter?

Wandratsch: Dann ist sofort Schluss.

Welty: Das ist dann richtig gefährlich?

Wandratsch: Das ist richtig gefährlich. Dann bricht der Bootsfahrer sofort ab und ich würde auch sofort abbrechen. Das ist das einzige, was das ganze Unternehmen stoppen kann.

Welty: Wie gesagt, Sie planen den Start für Montag ganz früh um zwei Uhr. Wie bereiten Sie sich jetzt noch vor? Lässt sich überhaupt noch irgendetwas auffangen, was Sie bisher versäumt haben?

Wandratsch: Was ich jetzt versäumt habe, das ist zu spät. Das brauche ich auch nicht mehr versuchen aufzufangen. Trainiert habe ich genügend, jetzt muss man halt die Form erhalten, am Tag noch mal so zwei, drei Stunden trainieren, dass man dem Körper ein Zeichen gibt, okay, er muss jetzt irgendwann einmal ein bisschen länger was leisten. Jetzt nur herumliegen und schlafen, das bringt auch nichts. Und dann die Sachen alle herrichten. Wir werden am Sonntag das Begleitboot präparieren, alles beladen und dann Sonntag zeitig ins Bett gehen.

Welty: Und reichlich essen wahrscheinlich auch?

Wandratsch: Reichlich essen, ja, und dann, ich schätze mal, so um halb eins, ein Uhr aufstehen, was essen, aufs Boot gehen und ich schwimm dann los.

Welty: Na dann wünschen wir Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg.

Wandratsch: Danke schön!

Welty: Christof Wandratsch will den Bodensee ohne Neopren durchqueren. Das sind 64 Kilometer bei ungefähr 20 Grad Wassertemperatur. Nochmals alles Gute für Sie!

Wandratsch: Vielen Dank! Schönen Tag noch!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


Mehr Infos im Netz:

Website des Extremschwimmers Christof Wandratsch

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