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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 14.02.2012

55 Cent pro Nachricht - wie auf Papier

Seit einem Jahr gibt es den E-Postbrief

Von Po Keung Cheung

Werbung für den Online-Brief der Deutschen Post (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
Werbung für den Online-Brief der Deutschen Post (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Im Internet-Zeitalter hat es der klassische Brief schwer. Doch für offizielle Schreiben ist die elektronische Post noch nicht sicher genug. Das soll sich mit speziellen E-Maildiensten ändern.

Wichtige Angelegenheiten erledigt man per Brief, idealerweise per Einschreiben, damit man auch einen Beleg hat. Der elektronische Brief soll eine schnelle und bequeme Alternative bieten: Kein Ausdrucken mehr, kein Briefmarkenkleben, kein langes Anstehen mehr am Postschalter, um ein Einschreiben abzugeben. Die Nachricht am Computer schreiben, per Mausklick verschicken und das Ganze sicher und anerkannt. Das ist die Idee des E-Postbriefes.

Ursprünglich wollte sich die Deutsche Post an dem Telekom-Projekt "de-Mail" beteiligen, stieg aber 2009 aus, entwickelte ein eigenes System und ging schneller auf den Markt. Anders als bei einer ganz normalen E-Mail-Adresse, die jeder ohne Identitätsnachweis einrichten kann, ist hier klar, von wem die Nachricht kommt, sagt Ralph Wiegand, Vorstandsmitglied der Deutschen Post:

"Der E-Postbrief ist eben keine E-Mail, weil einige Grundvoraussetzungen beim E-Postbrief komplett anders sind. Zum einen sind Absender und Empfänger klar identifiziert über ein Verfahren, wo Sie sich ausweisen müssen und wo wir die Identität sicherstellen. Das zweite ist, dass wir ein komplett verschlüsseltes Verfahren haben – vom Absender bis zum Empfänger werden die E-Postbriefe verschlüsselt. Das haben wir nach den besten und modernsten technischen Standards umgesetzt."

Der Kunde muss also einmal zur Post und seinen Ausweis vorzeigen. Erst dann wird die Adresse eingerichtet. Sie orientiert sich am echten Vor- und Nachnamen, ein Verstecken hinter Fantasiebegriffen ist nicht möglich. Damit soll die Sicherheit gewährleistet sein. Die Nutzung funktioniert wie bei der normalen E-Mail: Über ein Internet-Portal werden die Nachrichten gesendet und empfangen. Im Gegensatz zur normalen E-Mail kostet der Service allerdings Geld: 55 Cent pro Nachricht, wie bei einem normalen Brief. Das Senden und Empfangen funktioniert elektronisch allerdings nur unter E-Postbrief-Kunden. Normale E-Mail-Adressen eignen sich nicht. Immerhin hat die Post eine Hilfslösung parat, sollte der Empfänger noch keine entsprechende Adresse besitzen.

Ralph Wiegand: "Wenn Ihre Stadtverwaltung, Ihr Amt das zulässt und digital erreichbar ist, dann kriegen Sie den E-Postbrief in den E-Postbriefkasten. Ist es noch nicht soweit, wird der E-Postbrief von uns ausgedruckt, kuvertiert und der Stadtverwaltung auf dem klassischen Wege zugestellt."

Und das kostet für bis zu drei Seiten ebenfalls 55 Cent, sind es mehr, gibt es einen Aufschlag. Eine Krücke, die wohl noch eine Weile herhalten muss, denn bis alle Behörden tatsächlich den E-Postbrief akzeptieren, dürften noch Jahre vergehen. Einzelne Ämter nutzen ihn zwar bereits, etwa das Landratsamt im baden-württembergischen Böblingen. Und seit Oktober 2011 testet ihn die bayerische Verwaltung. Andernorts jedoch zögern die Ämter noch und warten die Ergebnisse ab. Immerhin haben mehrere Firmen einen Nutzen für ihre Geschäfte erkannt: Die sichere Identifizierung ihrer Kunden.

Ein backsteinfarbiges Gebäude mitten Berlin. Im alten E-Werk, hinter elektronisch gesicherten Türen, befinden sich die Büros der Firma "MyHammer". Sie betreibt eine Internetbörse für Handwerkerleistungen. Ob Maler, Klempner oder Elektriker: Hier sollen Kunden und Fachleute zueinander finden und Aufträge aushandeln. Seit März 2011 nutzt das Unternehmen den E-Postbrief, um Handwerker zu identifizieren. Firmensprecher Niels Genzmer:

"Wir sind ein Pionier in dieser Zusammenarbeit mit der Post. Dieses Instrument wird sich erst allmählich etablieren. Insofern sind wir noch in der Anfangsphase, beobachten das. Nach meinen Informationen liegt es im dreistelligen Bereich der Handwerker, die das nutzen. Und auch übrigens nicht nur Handwerker, sondern Auftraggeber. Gerade beim Auftraggeber ist es ja oft interessant für den Auftragnehmer zu sehen: Hier habe ich es mit jemandem zu tun, der mit seinem Namen für seinen Auftrag steht und vielleicht deswegen ein besonders zuverlässiger Auftraggeber ist."

Meldet sich ein Handwerker mit seiner E-Postbrief-Adresse bei "MyHammer" an und bestätigt die danach eintreffende Nachricht, gilt er damit als zweifelsfrei identifiziert. Das wird auch auf seiner Profilseite angezeigt. Für den Kunden ein Indiz, dass der Anbieter nichts zu verbergen habe, sagt Niels Genzmer. Aus seiner Sicht ist der E-Postbrief ein voller Erfolg.

Aber nicht alle sehen das so euphorisch. Die Stiftung Warentest hat die Einführung des E-Postbriefes von Anfang an kritisch begleitet. Sie bemängelte nicht nur die anfänglichen technischen Probleme. Auch die beworbene rechtliche Verbindlichkeit störte sie. Lutz Wilde, Redakteur bei Stiftung Warentest:

"Verbindlich sozusagen, wie schriftlich und das hat nun zumindest das Landgericht Bonn aufgrund einer entsprechenden Klage auch gesagt, dass es eben nicht verbindlich ist. Es gibt durchaus Rechtsgeschäfte, die kann man verbindlich nur regeln, schriftlich, also auf einem Blatt Papier, auch nicht per E-Postbrief."

Mit der richterlichen Entscheidung ist der Deutschen Post eines der bedeutenden Argumente für ihren Service verloren gegangen. In vielen Alltagsgeschäften, wo eine sichere Identifizierung der Beteiligten erwünscht ist, etwa bei Bestellungen oder bei Angeboten in Internet, mag der E-Postbrief eine schnelle und einfache Lösungsmöglichkeit sein. Bei Vertragsfragen aber sollte dann doch noch ein klassischer Brief geschrieben werden, rät der Experte der Stiftung Warentest. Dies gilt grundsätzlich für Angelegenheiten, bei denen die so genannte Schriftform dringend erforderlich ist:

"Wer einen Mietvertrag kündigen will, der muss zwingend das schriftlich machen, das heißt, am besten mit Unterschrift, dass muss dann auf Papier sein. Das schickt man dann am besten per Einschreiben, wenn man da auch einen Beleg haben will. Das geht aber eben auch bei Fällen, in denen ein Vertrag, beispielsweise ein Fitnessvertrag das vorsieht, dass man eben nur schriftlich kündigen kann. Der E-Postbrief ist nicht schriftlich, also hier lieber genau gucken, bevor man hier etwas verschickt und dann feststellt, es hatte überhaupt gar keine Wirkung."

"Papier ist geduldig", diese Redensart gilt also auch im Internet-Zeitalter. Und daran wird sich wohl so schnell nichts ändern, trotz des E-Postbriefes.

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