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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 01.03.2009

Zyperns antikolonialer Kampf

Erzbischof Makarios kehrte vor 50 Jahren aus dem Exil nach Zypern zurück

Von Niels Kadritzke

Bis 1960 war Zypern eine britische Kronkolonie. Der antikoloniale Kampf der griechischen Zyprioten hatte wenig gemeinsam mit den Bewegungen der Dritten Welt. Politisches Ziel war nicht die Unabhängigkeit, sondern der Anschluss Zyperns an Griechenland. Angeführt wurde er vom orthodoxen Erzbischof Makarios III, der heute vor 50 Jahren aus der Verbannung nach Zypern zurückkehrte - im Gepäck die Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft.

"Einige Territorien des Commonwealth können nicht erwarten, dass sie irgendwann unabhängig oder imstande sein werden, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden."

Den Satz sprach der britische Kolonialminister Henry Hopkinson im Londoner Unterhaus. Gemeint war die Kronkolonie Zypern. Es war im Juli 1954. Fünf Jahre später war der koloniale Spuk vorbei. Am 1. März 1959 bejubelten 200.000 griechische Zyprioten in Nicosia einen hochgewachsenen Mann in schwarzem Gewand. Makarios III., Erzbischof der orthodoxen Kirche Zyperns, war drei Jahre lang von seiner Insel verbannt gewesen. Bei seiner Rückkehr hatte er ein Geschenk dabei: die Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft.

"Unser Held, der Ethnarch, ist endlich zurück - und wir hoffen, bald all die anderen Helden zu empfangen, die wie der legendäre Dighenis für unsere und die Freiheit unserer Kinder gekämpft haben."

Was der zypriotischer Leitartikler damals über den Heimkehrer schrieb, wirkt als Würdigung eines antikolonialen Kämpfers recht anachronistisch. Der Titel Ethnarch stammt aus osmanischen Zeiten, als der orthodoxe Erzbischof zugleich Repräsentant der Inselgriechen gegenüber dem Sultan war. Und der "legendäre Dighenis", den der Leitartikel beschwor, ist ein mystischer Held aus byzantinischer Zeit.

Der Kampf der griechischen Zyprioten hatte wenig gemeinsam mit anderen antikolonialen Bewegungen. Und auch das Ziel, das sie erstrebten, war ein krasser Sonderfall, schreibt der zypriotische Soziologe Niyazi Kizilyürek:

"Die griechischen Zyprioten meinten mit 'Selbstbestimmung' etwas anderes als anti-koloniale Freiheitskämpfer in Afrika oder Asien. Ihr Ziel war nicht die Unabhängigkeit, sondern der Anschluss Zyperns an Griechenland, ihr emotionales Mutterland. Dieses Ziel der 'Enosis' schloss allerdings die türkischen Zyprioten aus. Das bot der Kolonialmacht die Chance, die Türkei als 'Schutzmacht' der Inseltürken ins Spiel zu bringen."

Für die Briten war die Insel Zypern nur aus einem Grund interessant: wegen ihrer strategischen Lage im östlichen Mittelmeer. Noch im Oktober 1956 diente sie als Sprungbrett für den britisch-französischen Angriff auf die Suez-Kanalzone. Das koloniale Rückzugsgefecht endete mit einer Niederlage. Das entschied die Frage, die ein Militärhistoriker so formuliert:

"Sollten die Briten ganz Zypern als Militärbasis behalten, oder reichte eine Basis auf Zypern? Das Suez-Debakel führte zu der Einsicht, dass die Souveränität über ganz Zypern ebenso unhaltbar wie unnötig geworden war."

Für eine kontrollierte Aufgabe der unbequemen Kolonie brauchten die Briten ihren alten Gegenspieler Makarios jetzt als Partner. Noch im März 1956 hatten sie ihn auf die Seychellen verbannt; ein Jahr später durfte er zurückkehren, wenn auch nur nach Athen. Nach zähen Verhandlungen, zu denen Großbritannien auch Griechenland und die Türkei einlud, präsentierten diese drei Länder den Zyprioten am 19. Februar 1959 in London eine Vereinbarung mit folgenden Schlüsselpunkten:

"Zypern wird eine unabhängige Republik, partnerschaftlich regiert von griechischen und türkischen Zyprioten. Großbritannien, Griechenland und die Türkei werden 'Garantiemächte' der neuen Republik mit begrenzten Eingriffsrechten. Die Briten behalten auf Zypern zwei 'souveräne Militärbasen'."

Und noch etwas: Die Vereinigung mit einem anderen Land war ausgeschlossen. Dass ihr Ethnarch den Verzicht auf die Enosis unterschrieben hatte, konnten sich viele griechische Zyprioten nur mit Erpressung erklären. Makarios hat dem ausdrücklich widersprochen. Er habe in London unterschrieben, weil das Scheitern der Konferenz für Zypern eine Katastrophe gewesen wäre. Was Makarios damit meinte, erläuterte sein engster Mitarbeiter Glavkos Klerides, der später Präsident Zyperns wurde:

"Seine große Befürchtung war, dass die Engländer die Türkei auffordern würden, sich ein bestimmtes Gebiet zu nehmen, und ebenso Griechenland. Und dass sie sich selber nehmen, was sie als Militärbasen brauchten. Dann wäre ein Teil Zyperns türkisch, einer griechisch und einer britisch geworden. Eine solche Dreiteilung wollte er unbedingt verhindern. Deshalb hat er unterschrieben."

Doch die Inselgriechen behandelten ihre Unabhängigkeit wie ein unerwünschtes Geschenk. Versponnen in ihre Enosis-Nostalgie konnten sie die Republik nicht als ihr Haus sehen - und als Chance zur Aussöhnung mit den türkischen Zyprioten. 1963 begannen sie einen Bürgerkrieg, der die friedliche Koexistenz mit den Inseltürken zunichte machte.

1974 erzwang die Invasion der türkischen Armee die Teilung der Insel. Seitdem ist der Norden türkisch, der Süden griechisch. Und die britischen Militärbasen sind immer noch da. Die Dreiteilung Zyperns, die Makarios 1959 verhindern wollte, ist unerbittliche Realität geworden.

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