Seit 11:07 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 11:07 Uhr Tonart
 
 

Thema / Archiv | Beitrag vom 27.12.2011

Zwischen Traum und Wirklichkeit

Der Dokumentarfilm "Cinema Jenin" befasst sich mit dem Wiederaufbau eines Kinos im Westjordanland

Von Noemi Schneider

Das Cinema Jenin wurde am 5. August 2010 wieder eröffnet. Nach der ersten Intifada 1987 war es geschlossen worden. (picture alliance/ dpa/ Alaa Badarneh)
Das Cinema Jenin wurde am 5. August 2010 wieder eröffnet. Nach der ersten Intifada 1987 war es geschlossen worden. (picture alliance/ dpa/ Alaa Badarneh)

Ein "kultureller Leuchtturm" in den Palästinensergebieten sollte es werden: Das Cinema Jenin. Mit großem Idealismus hatte der Regisseur Marcus Vetter das alte Kino der Stadt im Westjordanland wieder aufbauen lassen, doch es wird kaum angenommen. Darüber hat Vetter einen Film gedreht, der demnächst Premiere im Cinema Jenin feiern soll.

Der deutsche Filmemacher Marcus Vetter hat einen Traum. Er will ein ehemaliges Kino, eine Ruine wieder zum Leben erwecken. Das Kino steht in Jenin, dem UN-Flüchtlingslager, der ehemaligen Terrorhochburg der Al Aqsa-Brigarden, mitten im vom Israel besetzten Westjordanland. Dschenin ist eine Hochsicherheitszone, für Israelis ist der Zutritt strengstens verboten.

Marcus Vetter dreht dort im Sommer 2008 einen Film und entdeckt die verfallene Kinoruine. Als er erfährt, dass dort einst Filme aus aller Welt gezeigt wurden und die Bewohner Jenins Männer und Frauen gemeinsam in Kino gingen, findet er seine Mission.

Mithilfe seines Arabisch-Übersetzers Fakhri Hamad und Ismael Khatib beginnt Vetter das Projekt Cinema Jenin. Er will Gelder akquirieren, das Kino renovieren und wieder eröffnen. Er findet Unterstützer in der palästinensischen Autonomiebehörde und auch die deutsche Regierung zeigt sich interessiert, allein die Menschen vor Ort sind gespalten. Wozu brauchen sie ein Kino?

Dass sie ein Theater brauchten, hat der israelisch-arabische Schauspieler und Theatermacher Juliano Mer-Khamis bewiesen. Seine Mutter Arna, eine Jüdin, hatte diese Vision und gründete 1987 das Freedom Theater, in dem sie sich unermüdlich darum bemühte, die Kinder Jenins von der Straße zu holen und aus ihnen Schauspieler zu machen statt Selbstmordattentäter.

Vetter will ihnen nun noch ihr Kino zurückbringen. Der Weg ist hart und steinig, denn die Besitzer der Ruine wollen, wenn dann auch etwas verdienen. Und die konservativen Muslime sehen in dem Filmtheater eine Gefahr für Sitte und Anstand. Vetter überwindet viele Hürden, er gründet einen Verein, richtet ein Gästehaus ein und holt freiwillige Helfer aus Deutschland ins Westjordanland, die mit Feuereifer an das Kino-Projekt herangehen.

Selbst Roger Waters von Pink Floyd besucht das Flüchtlingslager, macht Fotos und spendet eine Tonausstattung. Am 5. August 2010 wird das Kino eröffnet. Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad schreitet über den roten Teppich. Festredner und die internationale Presse feiern das Projekt. Ein Abend voller großer Erwartungen und Hoffnungen. Marcus Vetter will das Schicksal des Kinos nun in die Hände der Bewohner Jenins legen.

Hier endet der Film, doch das Leben geht weiter.

Im April 2011 wird Juliano Mer-Khamis von einem Unbekannten vor seinem Theater erschossen. Die freiwilligen Helfer haben Dschenin nach und nach aus Sicherheitsgründen verlassen, Fakhri Hamad studiert mittlerweile in Deutschland, ein regelmäßiges Filmprogramm gibt es schon lange nicht mehr. Der Traum ist aus?

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur