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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.03.2012

Zwischen Schweden, Norwegen und Hollywood

Der Schauspieler Stellan Skarsgard mag keine eindeutigen Figuren

Von Jörg Taszman

Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgard (picture alliance / dpa / Justin Lane)
Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgard (picture alliance / dpa / Justin Lane)

Stellan Skarsgard gehört seit Jahren zu den wohl profiliertesten europäischen Charakterdarstellern, die es bis nach Hollywood geschafft haben. Seinen absoluten Durchbruch erlebte er 1996 in Lars von Triers "Breaking the waves". Auch in Norwegen ist er beliebt - obwohl er auf Schwedisch dreht.

"Sie sind gewöhnt, dass ich norwegische Filme mache und glauben, ich sei ein norwegischer Schauspieler, der ein wenig komisch redet. Also rede ich Schwedisch und sie verstehen mich."

"King of Devils Island" ist nicht der erste Film, den Stellan Skarsgård in Norwegen dreht, kürzlich sah man ihn noch in den deutschen Kinos als "Ein Mann von Welt", wo er einen aus dem Knast entlassenen Mann spielt, der irgendwie wieder von vorne anfangen möchte. Diese schwarze Komödie lag Stellan Skarsgård. Er mag keine eindeutigen Figuren, glaubt nicht an Gute oder Böse und ist ein großer Junge geblieben.

Das schließt eine große Ernsthaftigkeit nicht aus. Wenn er wie in "King of Devils Island" einen Gefängnisdirektor spielt, will er immer auch glaubhaft und menschlich erscheinen, sich nicht in Schauspielerklischees verlieren. Er mag das Altmodische an seinem neuen Werk, hat privat eine Schwäche für Melodramen und immer wieder sieht man ihn auch in teuren Hollywoodproduktionen wie in "Mamma Mia" , wo er an der Seite von Colin Firth und Pierce Brosnan spielte. Singen musst er dort auch.

Wenn der Schwede in "Mamma Mia" mit Hawaii Hemd herum hüpft, seinen ganz ordentlich gewölbten Bauch zeigt und wirklich ohne jede Eitelkeit spielt, nimmt man ihm ab, dass er sich wohl dabei fühlte, der Hahn im Korb zu sein:

"Ich weiß gar nicht, was ich über diesen Film sagen soll, ob ich ihn überhaupt Film nennen sollte. Ich würde ihn eher als ein freudiges Ereignis bezeichnen. Diese drei Frauen, die erst das Musical und dann den Film gemacht haben, sind wirklich sehr schlau. Sie haben es absichtlich vermieden, dass es perfekt wird. Warum will man das? Wenn man das echte Leben zeigen will, musst du Perfektion vermeiden. Das Leben ist nun einmal nicht vollkommen. Deshalb macht es den Zuschauern auch mehr Spaß, dass einige unter uns vielleicht nicht so gut singen. Andere tanzen vielleicht nicht so gut. Dennoch sind wir so großzügig, dass man sich den Film anschaut und über uns lacht. Und ein Mann in diesem Film zu sein, war wirklich seltsam. Wir drei - Colin Firth, Pierce Brosnan und ich - wir waren wie ... auf jeden Fall verstehe ich jetzt auch, wie sich Frauen fühlen müssen, die in einem Männerfilm mitmachen. Du bist nur noch eine Tussi."

Er dreht bis zu vier Filme pro Jahr und ist trotzdem ein Familienmensch. Mit seiner ersten Frau, einer Ärztin, hat er sechs gemeinsame Kinder, mit seiner zweiten Frau einen weiteren Sohn. Wenn es geht, nimmt er die Kinder mit zu den Dreharbeiten. Sein ältester Sohn Alexander ist seit der US Fernsehserie "True Blood" und dem Auftritt in "Melancholia" selber ein bekannter Schauspieler. Wie kaum ein anderer pendelt Stellan Skarsgård in seiner Rollenauswahl zwischen teurem amerikanischen Genrekino und ambitionierten skandinavischen Produktionen. Nur in Schweden dreht er kaum:

" Ich habe wohl einen Film in den letzten 15 Jahren in Schweden gemacht. Die Angebote, die ich bekomme sind nicht sehr attraktiv. Mir ist es egal, woher die Angebote kommen. In Norwegen habe ich fünf oder sechs Filme gedreht und es waren mit die besten Rollen, die ich je hatte. In Dänemark arbeite ich mit Lars von Trier. In Schweden haben sie sich zusammen mit den Deutschen auf diese Polizeifernsehserien spezialisiert. Entweder "Wallander" oder wie immer die auch heißen. Ich finde diese Filme nicht sonderlich aufregend, weil wenn ich Polizeizeugs machen möchte, gehe ich nach Amerika und werde zehn Mal besser bezahlt."

Die meisten Filme hat Stellan Skarsgård mit Lars von Trier gedreht. Seit "Breaking the Waves" noch vier weitere, als letztes "Melancholia". Er schätzt an dem dänischen Filmemacher, dass es bei der Arbeit keine Tabus gibt.

"Er ist ein enger Freund, den ich sehr liebe. Das ist nicht wie arbeiten, sondern wir sind wie zwei Kinder im Sandkasten, die spielen und sich Sachen ausdenken. Das ist wirklich beruhigend. Ich weiß, dass es nicht für alle beruhigend ist, mit Lars zu drehen, aber mir geht es so. Eigentlich ist Lars sehr einfach zu ertragen. Man muss nur sehr direkt mit ihm sein. Man kann ihm alles sagen, ich beleidige ihn dauernd und er mich auch. Das ist sogar ein ziemlich rauer Ton. Das Problem mit Lars von Trier ist, wenn du ihn so ernst nimmst, wie seinen Ruf als Regisseur, dann killst du alle Möglichkeiten, mit ihm eine normal, menschliche Beziehung zu haben. Er ist so albern wie Sie und ich. Aber er ist sehr gut in dem, was er macht."

In Schweden drehte Stellan Skarsgård kürzlich dann doch. Allerdings im amerikanischen Remake der Stieg Larsson Verfilmung "Verblendung". An David Fincher schätzt er vor allem, dass der das ganze Geld - die über 100 Millionen Dollar - in Zeit und die Zusammenarbeit mit den Schauspielern investierte. Die Dreharbeiten dauerten fast ein Jahr und öfter musste Skarsgård Szenen auch bis zu 40 Mal drehen. Das störte ihn nicht. Er meint mit seinem typisch trockenen Humor:

"Dann fällt wenigstens nicht so auf, wie ich 39 Mal die Szene versaut habe."

Kulturpresseschau

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