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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.02.2011

Zwei Legenden des Berliner Nachtlebens vor der Kamera

Berlinale-Dokumentarfilme porträtieren Clubbesitzer Rolf Eden und die Transsexuelle Chantal

Von Gerd Brendel

Playboy Rolf Eden und seine Partnerin Brigitte besuchen die Premiere des Films "the big eden" auf der Berlinale. (picture alliance / dpa)
Playboy Rolf Eden und seine Partnerin Brigitte besuchen die Premiere des Films "the big eden" auf der Berlinale. (picture alliance / dpa)

Berliner Nächte sind legendär. Und zwei Berlinale-Dokumentarfilme erzählen die Geschichten zweier ihrer lebenden Legenden: Peter Dörfler befasst in "the big eden" mit dem Clubbesitzer und Lebemann Rolf Eden. Jacki Baier widmet sich in "House of Shame – Chantal all night long" der Party-Organisatorin und Nachtleben-Legende Chantal.

"Applaus für Chantal"

Chantal

"die Heidi of the underground, Heidi of subculture"

und Rolf Eden:

"Rolf Eden ist beides, er ist Playboy ... und er ist Geschäftsmann …"

Die eine veranstaltet seit zehn Jahren Underground-Parties der andere war fast über ein halbes Jahrhundert lang der Partykönig von Berlin

"ich bin Exhibitionist, ich liebe das, dass ich in der Öffentlichkeit bin ... i love myself ... kauf jeden Tag ne Zeitung, um zu gucken, ob ich drin bin."

In diesen Tagen steht Rolf Eden wieder fast täglich in der Zeitung. Der Grund: ein Dokumentarfilm, den der Regisseur Peter Dörfler über ihn gedreht hat.

"… wo ich über ihn nachgedacht habe und ... Guten Tag allerseits ... da kommt er ah ... Herr Eden ..."

Zum Interviewtermin im "Hafen" kommt der Hauptselbstdarsteller eine Viertelstunde zu spät. Kein Wunder: Rolf Eden ist an diesem Abend auf fremdem Terrain unterwegs: Die Schwulen-Bar in Schöneberg fungiert quasi als Wohnzimmer der zweiten Nachtleben-Größe, um die es hier geht: Chantal.

"Vielleicht brauch ich erst mal ein paar Schluck Bier?"

Chantal spielt die Hauptrolle in Jackie Bayers Dokumentarfilm: "House of Shame - Chantal all night long". "Die Heidi der Berliner Subkultur ist mit dem Fahrrad und Jeans gekommen, Rolf Eden im Rolls-Royce. "The big Eden" ist Hochglanz-Dokumentarkino: Die alten Fotos hat Dörfler aufwendig in Szene gesetzt. Wie einen echten Star platziert er Eden im weißen Anzug vor weißem Hintergrund.

"Da er ja so ne Kunstfigur ist, und Darsteller seines eigenen Lebens ist, und sein Leben als Showtime sieht."

Dörfler nimmt den Selbstdarsteller in seiner Rolle ernst u n d begleitet Eden in die toten Winkel seines Scheinwerfer-Lebens. Wer weiß schon, dass der dreijährige Berliner 1933 mit der gesamten Familie nach Palästina auswanderte? Ein großer Teil des Films spielt zwischen Haifa und Tel Aviv. Aber wie befragt man einen notorischen Optimisten zu den Schattenseiten des Lebens?

"Mit seiner Lebensauffassung, dass alles positiv ist, können sie Herrn Eden so eine Frage nicht stellen, - Fragen vielleicht schon - aber ich wüsste keine Antwort zu geben-"

Also hat Dörfler Rolf Edens Bruder in Haifa befragt, Kameraden seiner ehemaligen israelischen Elite-Einheit, fast alle seine sieben Kinder und deren Mütter – und Dörfler lässt sie den Lebemann befragen. Das sind die besten Szenen des Films.

Als Rolf Eden das Rollenfach vom erfolgreichen Nachtclubbesitzer zum Schlagzeilen-tauglichen Playboy-Rentner wechselte, begann Chantals Karriere als Berliner Szenegröße. Seit zehn Jahren kursieren über ihre "Chantals house of shame"-Parties die abenteuerlichsten Absturz-Geschichten. Hollywood-Größen wie in Rolf Edens Kudamm-Clubs schauen hier nie vorbei, dafür Punkrock-Stars und Berliner Trümmertunten. Jackie Baier erzählt kein Hochglanz-Leben, sondern eine Nacht im Dauerrausch: Wackelkamera, harte Schnitte und immer wieder Chantal, ungeschminkt am Frühstückstisch und als Underground-Diva.

"Herkunft ... interessierte mich nicht, interessant war, was sie aus ihrem Leben gemacht hat. Irgendwann ist ein Mensch für sein Gesicht selbst verantwortlich ... ja mich hat interessiert, wo dieses selbstverantwortliche Gesicht anfängt oder der Körper, den wir beide in die Hand genommen haben und modeliert haben. Chantal ist transsexuell und ich bin transsexuell."

Auch der Film über Chantal schaut hinter die Fassade aus Schminke und Silikon: In einer Szene besucht die Protagonistin ihre ehemaligen Kolleginnen auf dem Transenstrich, aber Selbstmitleid leistet sich die Regie auch hier nicht. Im Gegenteil:

"Lick my pussy" (Filmszene)

"the big eden" und "Chantal all night long" sind zwei Dokumentarfilme, so unterschiedlich wie ihre Protagonisten. "Lebende Berlin-Legenden" hat man Rolf Eden und Chantal genannt. Außenseiter sind sie beide auf ihre Weise und beide haben irgendwann einmal beschlossen, sich selbst zu erfinden. Das ist der Stoff für großes Kino. Und wer weiß, vielleicht auch für eine neue große Party: Rolf Eden auf Chantals Bühne? Warum nicht. "Gage brauche er nicht mehr, sagt der Lebemann:

"… und dann würde ich en richtig schönen Abend machen mit den Liedern, die wir so in den 60-ern hatten: 'you are my sunshine ... hey ... babbariba' ... ne halbe Stunde würde ich machen."


Service:
"The big eden" läuft am Mittwoch, 16.2.2011, um 16.30 Uhr im CineStar 7 und am Donnerstag, 17.2.2011, um 17.30 im Cubix auf der Berlinale. Die Berlinale-Premiere von "House of Shame" findet am Mittwoch, 16.2.2011, um 17.00 Uhr statt.

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