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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.10.2015

Zum Tod von Arno GruenWarum sind wir so gerne gehorsam?

Moderation: Britta Bürger

(Juliet Haller)
Der Psychoanalytiker Arno Gruen (Juliet Haller)

Der deutsche Psychoanalytiker Arno Gruen ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Wir erinnern mit einem im vergangenen Jahr geführten Gespräch an den einst vor den Nazis aus Berlin geflüchteten Wissenschaftler, der sich zeitlebens mit den Ursachen von Gewalt und Fremdenhass auseinandersetzte.

"Wider den Gehorsam" - es ist eine direkt und an jeden gerichtete Aufforderung, mit dem der Psychoanalytiker Arno Gruen sein im vergangenen Jahr erschienenes Buch überschrieb. In dem Essay geht Gruen der Frage nach, warum wir uns immer wieder freiwillig dem Willen anderer Menschen unterwerfen.

Hören Sie im Beitrag die Wiederholung eines Gespräches mit Arno Gruen von 2014.

Die zerstörerische Dynamik des Gehorsams und die verlorengegangene Empathie: Das waren die  (MP3), mit dem sich die Moderatorin Britta Bürger im November 2014, also knapp ein Jahr vor seinem Tod, ausführlich unterhielt. Er war vor den Nazis aus Berlin geflüchtet, wurde in den USA Analytiker und lebte Jahrzehnte lang in der Schweiz. Bis zuletzt arbeitete er nicht nur als Autor, sondern auch als Analytiker.

Seine Erkenntnis: Gehorsam führt zu Faschismus und Gewalt

Wie wurde er selbst durch seine Kindheit geprägt? Warum sind wir so gerne gehorsam? Können wir Empathie lernen? Fragen, auf die er in der Sendung "Im Gespräch" intensiv einging.

Schon als Kind hätten ihn die Propheten in der Bibel bewegt, erzählt Gruen - weil sie "immer für Recht und gegen Unrecht kämpften". "Das ist das Motiv meines Lebens", so der Analytiker. Er möchte die Menschen mit seinem neuen Buch "aufwecken", "so dass sie zu sich selbst kommen können".

"Gehorsam meint, dass man das eigene Selbst nicht wirklich entwickeln kann", erläutert er: "Dass man keine wirkliche Verantwortung für sich selbst entwickelt."

In letzter Konsequenz führe Gehorsam politisch zu Autorität, Faschismus und Gewalt, betont Gruen. Er setzt dem eine Vision entgegen: das Zusammenleben "auf der Basis von empathischen Empfindungen".

Arno Gruen verstarb am 20. Oktober 2015 im Alter von 92 Jahren. 

Mehr zum Thema:

Kurz und kritisch - Revolution vs. Genügsamkeit
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 06.09.2014)

Der empathische Mensch kann Kriege verhindern
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 08.05.2013)

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