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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.12.2010

Zu illustrativ

Christian Claas inszeniert Peter Hacks' "Der Maler des Königs"

Rezensiert von Volker Trauth

"Als Ganzes betrachtet lässt die Inszenierung zuviel am Stück unentdeckt". (Stock.XCHNG)
"Als Ganzes betrachtet lässt die Inszenierung zuviel am Stück unentdeckt". (Stock.XCHNG)

Mit "Der Maler des Königs" bringt Peter Hacks seine eigenen Wende-Erfahrungen in einen dramatischen Text ein. Er zeigt den Abstieg eines ehemaligen Hofmalers und seines Meisterschülers. Leider dominiert in Meiningen der illustrierende Gestus; der funkelnde, hintersinnige Dialog des Autors kommt nur selten zum Blühen.

Zwölf Zeilen eines seiner Gedichte wögen "ganze Bibliotheken politischer Gemeinheiten" auf, sagte Frank Schirrmacher, Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", mit dem Blick auf die dichterische Qualität im Werk von Peter Hacks auf der einen und dessen umstrittene politische Meinungsäußerungen wie die Lobpreisung von Ulbricht und Stalin sowie den schwer erträglichen Jubel über die Ausbürgerung von Wolf Biermann auf der anderen.

Jahrzehntelang habe, so Schirrmacher, keiner "mit so hinreißender Intelligenz" über Goethe , Napoleon, über die Romantik, die Magie und den Realismus geschrieben wie der Autor des Welterfolgs von "Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe".

Nach langem Totschweigen fällt nun der Blick auf Hacks´ umfassende Bildung, seine Stil- und Gattungssicherheit sowie seine Fähigkeit, souverän auf der Klaviatur überlieferter dramatischer Techniken und Verfahren zu spielen. Die Kenntnis solcher unübertroffener Techniken sei für ihn eine "Standfläche", um zu "verbessern und weiterzuführen" hat Hacks einmal gesagt. Für viele Meinungsführer der öffentlichen kulturkritischen Debatte von Schirrmacher bis Mosebach gilt Hacks als einer, der in seinen Werken auf die Ausbreitung von tagesaktuellen Befindlichkeiten verzichtet und im Gewande historischer und mythologischer Stoffe ein umfassendes Bild von der Welt vermittelt hat.

In die Spielpläne der Theater ist Hacks allerdings noch nicht zurückgekehrt. Sieht man von wenig beachteten Uraufführungen an alternativen Theatern wie dem Theater an den Landungsbrücken in Frankfurt/Main oder einer Inszenierung der Abschlussklasse der Folkwangschule Essen ab, so harren noch manche Texte des Autors aus der Wendezeit ihrer Entdeckung auf der Bühne.

Ein solcher Entdeckungsversuch ist die Uraufführungsinszenierung des 1991 geschriebenen Stücks "Der Maler des Königs" in Meiningen. Es ist ein Stück über individuellen Abstieg, eine Parabel über das Vergessenwerden von Künstlern in der Folge von Veränderungen der Macht und des öffentlichen Geschmacks.

Der einstige Hofmaler und Akademiepräsident Boucher und sein Meisterschüler Fragonard, der ehemalige "Cherub der erotischen Malerei", sind verarmt und als Künstler nicht mehr gefragt. Fragonard ernährt sich von der unwürdigen Tätigkeit der Reinigung von Nachtgeschirren, Boucher ist in eine übel riechende Mansarde gezogen und ernährt sich von den Liebesdiensten seines ehemaligen Modells, der Dame O´Murphy, die die einem Hundertjährigen gewährt. O´Murphy aber hat inzwischen einen "runzligen Hintern", und um den auf die Leinwand zu bannen, will er, der Meister üppig ausladender Körperlandschaften, seine vielfach erwiesenen Maltechniken nicht bemühen.

Parallelen zum Autor geraten ins Blickfeld. Der war 1991 aus der Akademie der Künste ausgetreten, weil er in Zeiten "der Geldsäcke und der Schwärmerei" nicht mehr an der Kunstverbreitung teilnehmen, nicht mehr "Gegenwartsmüll und Alltagstrampelei" auf die Bühne kippen wollte.

Der junge Regisseur Christian Claas lässt das Vorspiel, die Ernennung des Boucher zum "Hofmaler des Königs", als Kurzfilm von einer Auszeichnungsfeier in der DDR zeigen – mit herabhängender DDR-Flagge, mit Kampfliedern aus DDR-Zeiten und der sächselnden Fistelstimme des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, an dessen Seite nicht die Madame Pompadour, sondern eine stramme FDJlerin dem Maler die Nadel ansteckt. Für mich ein verhängnisvoller Regieeinfall, der an Hacks total vorbeigeht. Die Erkenntnis, dass es sich hier um eine Wendezeit handelt, die erschließt sich nach des Autors Intentionen durch das assoziative Mitspiel des Zuschauers, nicht über das plakative Illustrieren.

Auch in der Szenen- und Schauspielerführung dominiert der illustrierende Gestus; der funkelnde, hintersinnige Dialog des Autors kommt nur selten zum Blühen. Eine Ahnung von dem Reichtum, den wirkungssichere, zur sprachlichen Pointierung fähige Schauspieler in diesem Text finden können, vermittelt Hans-Joachim Rodewald als Fragonard. Der zeigt - in den besten Momenten tragisch und komisch zugleich – einen jämmerlichen Verlierer, der mit trotzigem Stolz seine Größe von einst vorführt und an dem Wandel der Zeiten fast zerbricht.

Als Ganzes betrachtet aber lässt die Inszenierung zuviel am Stück unentdeckt.


"Der Maler des Königs" von Peter Hacks
Uraufführung am 11.12. 2010 am Südthüringischen Staatstheater Meiningen
Regie: Christian Martin Claas

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