Seit 20:03 Uhr Konzert
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 20:03 Uhr Konzert
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.12.2010

Zitatkino mit Hollywoodglamour

Premiere von "The Tourist" in Berlin

Von Christian Berndt

Johnny Depp, Angelina Jolie und Florian Henckel von Donnersmarck (v.r.n.l.) präsentieren "The Tourist" in Berlin. (AP)
Johnny Depp, Angelina Jolie und Florian Henckel von Donnersmarck (v.r.n.l.) präsentieren "The Tourist" in Berlin. (AP)

Der Oscar für "Das Leben der anderen" im Jahr 2007 wurde für den damals 33-jährigen deutschen Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck zur Eintrittskarte für Hollywood. Nun hat er mit den beiden Stars Angelina Jolie und Johnny Depp seine erste Traumfabrikproduktion abgedreht, die vor allem klassisches Hollywoodkino zitiert.

"Gut, Sie sagen, zwei Mega-Stars und wie schläft es sich dann. Was man nicht vergessen darf, ist das: Star, das gibt es gar nicht, was ist das schon, ein Star? In diesem Fall sind das einfach zwei sehr gute Schauspieler."

In diesem Fall beherrscht Florian Henckel von Donnersmarck die Kunst des Understatements. Natürlich sind die Hauptdarsteller seines Films "The Tourist" zwei der begehrtesten Stars in Hollywood: Angelina Jolie und Johnny Depp. Im Berliner Hotel Adlon wird die Pressekonferenz, die schließlich mit knapp drei Stunden Verspätung beginnt, am Schluss mit Hochspannung erwartet. Donnersmarck hat eine Starbesetzung bekommen – gleich für seinen ersten Film in Hollywood. Nicht nur für ihn ist es allerdings eine neue Erfahrung, auch für seine Hauptdarsteller, die sich vorher nicht einmal persönlich kannten:

Angelina Jolie: "Ich glaube, wir haben uns nie getroffen. Aber wir kannten beide gegenseitig die Arbeit des anderen. Wir wussten voneinander, und wir wussten nur gute Sachen übereinander. Wir haben ähnliche Familien und so was. Wir haben schnell festgestellt, dass wir viel gemeinsam haben."

Und über den ersten Filmkuss zwischen den beiden berichtet, während er sich eine Zigarette anzündet, Johnny Depp:

"Um ehrlich zu sein, er war computergeneriert. Es war total getrickst, in Wirklichkeit habe ich einen grünen Tennisball geküsst."

Natürlich war es ein echter Filmkuss, und er war perfekt vorbereitet. Denn das Zusammenspiel der beiden ist das Zentrum des Films: Angelina Jolie verkörpert die geheimnisvolle Fremde, die einen wildfremden Amerikaner im Zug nach Venedig anspricht: Den unauffälligen Mathematiklehrer Frank, gespielt von Johnny Depp. Natürlich ist Frank perplex, aber er lässt sich auf den Flirt ein. Und bereits am nächsten Morgen findet er sich in ein lebensgefährliches Abenteuer verwickelt.

Vor der pittoresken Kulisse von Venedig hat Donnersmarck diesen romantischen Thriller im klassischen Hollywoodstil gedreht, mit wilden Verfolgungsjagden und viel Glamour. Es ist ziemlich genau das Gegenteil seines ersten Films, "Das Leben der Anderen". Für das bedrückende Stasi-Drama erhielt Donnersmarck den Oscar, der Film wurde sein Türöffner für Hollywood und der Grund für Jolie und Depp, mit ihm zu arbeiten:

Angelina Jolie: "Ich habe 'Das Leben der anderen' gesehen. Ich liebte es als einen Film, der so exquisit gemacht war."

Johnny Depp: "'Das Leben der anderen', als ein Stück Kino, als ein Kunstwerk, hat mich einfach völlig fertig gemacht. Ich dachte, es ist ein wunderbarer Film und konnte nicht glauben, dass er von einem Filmanfänger ist, wie man sagte."

Donnersmarck arbeitete eigentlich am Drehbuch für ein Melodram, aber als die Anfrage Angelina Jolies für ein Projekt kam, sagte er zu. Daraus wurde allerdings kein Melodram, sondern Unterhaltungskino:

Donnersmarck: "Ich sah halt hier die Möglichkeit, einen Film zu machen, den ich um die Weihnachtszeit sehr gerne mit meiner Familie im Kino sehen würde. Einen Film mit wahnsinnig begabten Schauspielern, deren Emotionen ich einfach wahnsinnig gerne zuschaue, auf sehr leichte Art und Weise durch die schönsten Orte der Welt. Das war einfach meine Absicht."

Die Absicht, schöne Oberfläche zu bieten, sieht man dem Film auch an. Die Kritiken in den USA waren nach dem Kinostart teilweise verheerend, die New York Times meint, es hätte eines besseren Regisseurs bedurft, um solch seichte Unterhaltung vor dem künstlerischen Desaster zu bewahren. Aber für seine Hauptdarsteller war der Film eine ungewöhnliche Erfahrung mit einer fremden Filmkultur:

Angelina Jolie: "Ich wollte Teil eines Films sein, der sich sehr europäisch anfühlt. Ich als Amerikanerin brauchte jemand, der mir damit hilft. Es geht nicht nur um den europäischen Akzent, ich brauchte jemand, der wirklich auch kulturell versteht, was es bedeutet, Europäer zu sein. Bei jemanden, der so tiefes Verständnis hat für Kultur, Sprachen, und mir dabei half, die Seiten an mir zu verlieren, die sehr amerikanisch sind."

Johnny Depp: "Wir drei haben viel über das Kino aus der Mitte des Jahrhunderts gesprochen. Bogart und Alfred-Hitchcock-Filme. Da ist eine Eleganz, eine Schönheit, eine Schnelligkeit, ein Humor, der leider nicht mehr existiert."

Tatsächlich zitiert Donnersmarck viel klassisches Hollywoodkino, aber an die handwerklichen Fähigkeiten eines Hitchcock oder Ernst Lubitsch reicht der Film bei Weitem nicht heran. Aber immerhin steht der Film in den USA an Platz 2 der Kinocharts, und Donnersmarck nimmt es selbstbewusst. Er meint, wenn er an Durchsetzungswillen sein Vorbild Arnold Schwarzenegger erreicht, müsste es eigentlich klappen.

"Für jeden, der Willenskraft bewundert, ist Arnold Schwarzenegger einfach ein Vorbild. Ich habe immer gedacht, meine Startvoraussetzungen waren so viel besser als die von Arnold Schwarzenegger. Er ist für mich immer jemand, den ich mir vor Augen führe, wenn ich mir überlege, dass ich eigentlich keine Ausrede habe, alles zu erreichen, was ich im Leben erreichen will."

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

"Ich heile mich dadurch ein bisschen von meiner eigenen Düsterkeit"

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur