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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 26.09.2010

Zerfall einer Familie

Film "Die Entbehrlichen" zeigt die Auswirkungen von Hartz IV

Von Wolfgang Martin Hamdorf

Szene aus "Die Entbehrlichen" (drei freunde)
Szene aus "Die Entbehrlichen" (drei freunde)

Der 12-jährige Jakob konnte den Selbstmord seines Vaters nicht verhindern. Nun versteckt er seine Leiche hinterm Sofa aus Angst, ins Heim zu kommen. Andreas Arnstedt beschreibt in seinem Spielfilmdebüt in beklemmenden Bildern einen Teufelskreis aus Alkohol, Aggression und Armut.

Filmszene: "Der Gestank wird ja immer schlimmer! Papa, wenn die das rauskriegen, dann komme ich ins Heim. Aber jetzt gehe ich erst mal zur Schule, damit das nicht auffliegt."

Der 12-jährige Jakob spricht zu einem Toten, den er schon seit Tagen hinter der Wohnzimmercouch versteckt hält. Der arbeitlose Malermeister aus Neukölln hatte sich erhängt, nachdem seine Frau, Jakobs Mutter das häusliche Elend nicht mehr ausgehalten und ihn verlassen hat. Über Rückblenden erzählt "Die Entbehrlichen" die Geschichte eines sozialen Abstiegs.

Filmszene:
"Ich muss morgen die Klassenfahrt bezahlen."
"Keen Problem, da."
"Das reicht nicht, die Klassenfahrt kostet 180 Euro die vier Tage."
"180 Euro? Soll ich dir mal was sagen? Von dem Geld macht sich das Lehrerpack einen schönen Tag, da lassen die die Kuh fliegen."
Weiß ich, aber ich möchte zum ersten Mal ans Meer."

Eigentlich kommt Jakob aus einer ganz normalen Familie aus dem Berliner Bezirk Neukölln, aber durch Arbeitslosigkeit und Alkohol wird die Stimmung immer aggressiver.

Filmszene: "Das ist ein Druckfehler. Straße wird mit ß geschrieben!"
"Nein, mit ss."
"Aber das ist doch scheißega..."
"Willst du mich verscheißern, willst du mir sagen, wie Straße geschrieben wird?"
"Ja, mit ss"
"Das ist ein Druckfehler, klar?"
"Jetzt hört doch mal auf, dass ist doch ganz egal, wie Straße geschrieben wird, Hauptsache, man weiß, dass man weiß wo es lang geht."

Aber das weiß am Ende eben niemand mehr. "Die Entbehrlichen" zeigt eine Familie, die an der absurden Hartz-IV-Bürokratie scheitert, zeigt Löcher im sozialen Netz, Vorurteile und Ignoranz in einer eigentlich wohlhabenden Gesellschaft. Der Film beschreibt das Geflecht von Lebenslügen, Illusionen und Hoffnungen, das die Familie zusammenhält, bis es nicht mehr geht, und erzählt das alles mit menschlicher Wärme, Humor und Lokalkolorit, dank seiner beeindruckenden Schauspieler: Oskar Bökelmann als ebenso träumerischer, wie Katastrophen gewohnter Jugendlicher, Steffi Kühnert als seine Mutter, und ganz besonders André Hennicke als Jürgen Weiss, der arbeitslose Malermeister, der immer wieder versucht, den Teufelskreis aus Alkohol und Aggression zu durchbrechen.

Radiofeuilleton - Kino und Film

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