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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.08.2013

Zerbrechliches Erbe

Streit um die Rückgabe von NS-Beute im Badischen Landesmuseum

Von Johannes Halder

"August der Starke als Freimaurer", Porzellan-Manufaktur Meißen, um 1743 ( Badisches Landesmuseum Karlsruhe)
"August der Starke als Freimaurer", Porzellan-Manufaktur Meißen, um 1743 ( Badisches Landesmuseum Karlsruhe)

Seit 60 Jahren verwahrt das Badische Landesmuseum eine Porzellansammlung, die die Nazis aus dem Nachlass des jüdischen Geologen Ernst Gallinek geraubt hatten. Doch die Rückgabe der 400 wertvollen Objekte an die rechtmäßigen Erben lässt noch immer auf sich warten.

Teller, Tassen, Untertassen, jede Menge zerbrechliches Zeug, Geschirr und zierliche Figürchen aus den berühmtesten Porzellanmanufakturen des 18. Jahrhunderts – etwa 80 Stücke aus der Sammlung Gallinek hat das Badische Landesmuseum in verschiedenen Abteilungen ausgestellt, um damit die Kulturgeschichte im Absolutismus oder im Biedermeier zu illustrieren, in der großherzoglichen Waffenkammer zum Beispiel mit der Darstellung einer Wildschweinjagd aus dem edlen Porzellan.

Katharina Siefert ist Provenienzforscherin am Museum, als solche fragt sie nach der Herkunft der Bestände.

"Ernst Gallinek stammt aus Breslau, aus einer begüterten Familie, promovierter Geologe, und muss sehr früh angefangen haben zu sammeln, nicht nur Porzellan. Es gibt aus den 1920er-Jahren museologische Zeitschriften, da wird er genannt als Sammler auch von Gläsern beispielsweise. Er muss also sich mit Kunstgewerbe im weitesten Sinne befasst haben."

Auch drei wertvolle Wandteppiche und ein gutes Dutzend Porträtminiaturen gehören zu dem unrechtmäßig entzogenen Erbe, das man im Karlsruher Schloss quasi treuhänderisch verwaltet, seit 1953 schon.

Bereits damals hatte das Museum das zuständige Ministerium in Stuttgart darauf aufmerksam gemacht, auf welch fragwürdige Weise die Schätze ins Haus gekommen waren. Zwar liegt der größte Teil davon bis heute im Depot, doch eigentlich war man ganz froh über den Zuwachs, man konnte ihn ja gut gebrauchen.

Erst als die Sammlung im Januar 2008 in der offiziellen Datenbank für durch die Nazis verursachte Kulturgutverluste veröffentlicht wurde, dem sogenannten Lost-Art-Register in Magdeburg, kam der Stein ins Rollen. Im Stuttgarter Ministerium hatte man deshalb eine Anwaltskanzlei mit einem Gutachten zur erbrechtlichen Situation beauftragt. Das liegt seit Januar vor und wird derzeit mit allen Beteiligten erörtert. Und wem die Sammlung gehört, darüber gibt es eine klare Rechtsauffassung:

"Erbberechtigt ist die Jüdische Gemeinde Baden-Baden, die ja Rechtsnachfolgerin ist der nach dem Krieg nicht mehr existierenden Gemeinde in Baden-Baden. Also die Jüdische Gemeinde Baden-Baden."

Die israelitische Religionsgemeinschaft mit Sitz in Karlsruhe fühlt sich allerdings auch erbberechtigt. Und schließlich sind noch andere Anspruchsteller aufgetaucht, nämlich aus dem familiären Umfeld Gallineks in den USA. Immerhin geht es um eine Menge Geld, alleine für das Porzellan.

"Es wurde schon mal die Zahl genannt von etwa 800.000 Euro."

Das letzte Wort hat nun das Nachlassgericht. Wem auch immer die fragilen Schätze am Ende zugesprochen werden – für das Museum wäre ein Abzug der Sammlung ein herber Verlust, sagt Katharina Siefert:

"Es ist tatsächlich so, dass gerade der Bestand an Meißner Porzellan im Badischen Landesmuseum im Wesentlichen durch die Sammlung Gallinek abgedeckt ist."

Im idealen, aber wenig wahrscheinlichen Fall wäre es natürlich vorstellbar, dass die Erben die Sammlung als Leihgabe oder gar als Schenkung im Museum belassen. Notfalls aber müssten Mittel aus einem eigens dafür vorgesehenen Zentralfonds bereitgestellt werden, um die Sammlung zurückzukaufen, denn das Museum würde sie gerne behalten.

"Ob dann zum Beispiel das Badische Landesmuseum diese Stücke erwirbt, das ist jeweils im Einzelfall zu klären. Also die sogenannten Washingtoner Prinzipien sehen ja eine faire und gerechte Lösung für jeden Einzelfall vor."

Wie auch immer: Es wird höchste Zeit, dass endlich Bewegung in die Sache kommt. Seit 60 Jahren ist der Fall bekannt, und es wäre schade, wenn im Erbstreit noch das Porzellan zerschlagen würde, um das es geht.

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