Seit 17:30 Uhr Nachspiel
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 17:30 Uhr Nachspiel
 
 

Fazit | Beitrag vom 03.01.2017

Youtube-Hit aus Saudi-Arabien Saudische Frauen tanzen für ihre Rechte

Von Anna Osius

Beitrag hören
Eine Gruppe von jungen Frauen in einer Einkaufspassage in der saudischen Hauptstadt Riad (dpa / picture alliance / Maxppp)
Viele junge Frauen in Saudi-Arabien wollen sich ihr Leben nicht mehr von Männern diktieren lassen. (dpa / picture alliance / Maxppp)

Auto fahren, in der Öffentlichkeit ohne männliche Begleitung unterwegs sein, Sport treiben: All das ist Frauen in Saudi-Arabien untersagt. Über dieses Verbot setzen sie sich in einem YouTube-Video fröhlich hinweg, das gerade viral geht. Hinter dem Tabubruch steckt ein saudischer Künstler.

Es ist einer der neuen Hits auf Youtube: Das Musikvideo Hwages aus Saudi-Arabien. Frauen singen und tanzen in der Öffentlichkeit – unter ihren Niqabs und Abayas, also Gesichtsschleiern und langen schwarzen Gewändern, tragen sie bunte fröhliche Kleider – sie skaten, fahren Roller, spielen Basketball und tanzen buchstäblich über Tische und Bänke.

"Mögen alle Männer ausgelöscht werden", singen die Frauenrechtlerinnen. "sie machen uns psychisch krank". Damit spielt das Video auf die vielen Verbote an, die für Frauen in Saudi-Arabien gelten: Sie dürfen beispielsweise nicht ohne männliche Begleitung das Haus verlassen, dürfen kein Auto fahren und nicht alleine verreisen.

Erwachsene Frauen, die tanzen, skaten und kegeln

Das Video beginnt mit einem Auto: Vier Frauen quetschen sich auf die Rückbank, während am Steuer ein kleiner Junge Platz nimmt - eine Anspielung darauf, dass selbst kleine Jungs in Saudi-Arabien viel mehr Rechte haben als erwachsene Frauen. Diese brechen im Video aus, fangen an zu tanzen, fahren Autoscooter auf einer Kirmes und kegeln – sehr zur Empörung einiger saudischer Männer, die im Musikclip mit erhobenen Zeigefinger die Szenen verfolgen.

Das Video wurde einen Tag vor Heiligabend hochgeladen und hatte mittlerweile mehr als 2,3 Millionen Klicks auf Youtube. Internationale Medien berichten über den Tabubruch.

Dahinter steckt ein saudischer Künstler, Kurzfilme-Macher und Videoproduzent – Majed Alesa. Er hat bereits in der Vergangenheit mit gesellschaftskritischen Videos von sich reden gemacht – seine letzten Musikvideos hatten bis zu 38 Millionen Klicks. Majed Alesa ist dafür bekannt, dass er traditionelle Musik und Dichtung mit modernen Klängen zusammenbringt – auch im aktuellsten Video.

Reaktionen der saudischen Behörden sind noch nicht bekannt

Auch die Politik kommt ins Spiel: Eine Karikatur des designierten neuen US-Präsidenten Trump taucht im Video auf, dazu singen die Frauen: Die Männer tun so, als seien sie klug, aber sie sind vom Teufel bewohnt.

Harte Worte der Frauenrechtsaktivisten – Reaktionen der saudischen Behörden sind noch nicht bekannt. Vielleicht weil die saudische Moralpolizei zunächst noch mit einem anderen Youtube-Video beschäftigt ist: Mehrere junge Frauen wurden gerade verhaftet, weil auf einem Privatvideo aus Jeddah, eingestellt auf Youtube zu sehen ist, wie sie zusammen mit gleichaltrigen jungen Männern auf einer Party sind und einfach ausgelassen feiern.

Mehr zum Thema

Mit Ultrakurzwelle gegen Islamisten - Das Frauenradio im irakischen Halabdscha
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 29.12.2016)

Emanzipation in Saudi-Arabien - "Es gibt viel gravierendere Verbote als den Gesichtsschleier"
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 31.08.2016)

Aktivismus im Netz - Vom Hashtag zur Bürgerbewegung
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 28.09.2016)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWer stiehlt den Karnevalisten die Show?
NPD, AfD, Pegida, Neonazis, Salafisten als demokratiefressende Krake: Motivwagen beim Kölner Rosenmontagsumzug. (dpa/picture alliance/Oliver Berg)

Die "FAS" sorgt sich um den Karneval. Schuld am Niedergang dieses Kulturguts sei die AfD: "Falsche Biedermänner wie Alexander Gauland, Funkenmariechen wie Frauke Petry oder ein entlaufener Steißtrommler wie Björn Höcke sorgen jetzt für ganzjähriges Narrentreiben."Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Toshiki Okada in MünchenJapans unerlöste Seelen
Der japanische Dramatiker und Bühnenregisseur Toshiki Okada  (picture alliance / dpa)

Eine moderne Version des klassischen japanischen Nô-Theaters präsentiert Toshiki Okada an den Münchner Kammerspielen: Das Stück porträtiert eine Gesellschaft in Agonie, gezeichnet von demografischem Wandel und einer bis heute andauernden Finanzkrise.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur