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Nachspiel | Beitrag vom 13.03.2016

Yin YogaAusgleich und Entschleunigung

Von Marianne Allweiss

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Eine Frau entspannt sich bei Yoga-Übungen im Licht der untergehenden Sonne an einem Strand in Kalifornien. (picture alliance / dpa / Chad Ehlers)
Yoga am Strand in Kalifornien. (picture alliance / dpa / Chad Ehlers)

Yoga besteht in vielen Studios und Fitness-Clubs aus schnellen, schweißtreibenden Übungen. Ein gestählter Körper scheint oft wichtiger als ein ruhiger Geist - worum es den Yogis ursprünglich ging. Nun besinnen sich immer mehr Übende darauf, auf die Wurzeln.

Pia: "Willkommen zum Moonlight. Ist jemand zum ersten Mal im Moonlight oder zum ersten Mal bei mir?"

Pia Greschner unterrichtet jeden Sonntagabend in einem großen Yogastudio in Berlin-Mitte. Vor allem Yin-Yoga-Übungen. Anderthalb Stunden komplett ohne die bekannten Sonnengrüße und ohne körperliche Anstrengung. 

"Moonlight ist ein bisschen anders als Nicht-Moonlight. Weil wir ein bisschen ruhiger üben und uns ein bisschen mehr auf das Stillwerden und den Atem ausrichten."

Anders als in den meisten anderen Yogastunden lässt Pia ihre Schülerinnen und Schüler im Liegen auf dem Rücken beginnen. Auf einer zusammengerollten Decke längs unter der Wirbelsäule, so dass sich die Brust öffnen kann, während Becken und Beine, Kopf und Arme in den Boden sinken. Zehn Minuten lang liegen die Yogis so da und bewegen sich nicht.

"Da passiert so einiges. Es ist echt ein ziemlicher Prozess, sowohl im Körper als auch im Kopf. Und Du hörst Dir zu."

Was anderes bleibt einem auch nicht übrig, wenn man mehrere Minuten lang in einer Drehposition auf dem Rücken liegt oder in eine Vorbeuge in der Grätsche auf der Matte geht. Das ist intensiv, obwohl äußerlich nichts passiert. Das meint der Name Yin. Entlehnt aus der taoistischen Philosophie. Das Weibliche, Weiche, symbolisiert durch den Mond im Gegensatz zum Yang, zum Männlichen, Harten, zur Sonne. 

"Das ist eine fortgeschrittene Praxis. Das Yin, das sanfte Üben. Das erfordert viel mehr Aufmerksamkeit, viel mehr Konzentration. Viele bleiben tatsächlich bei diesem Yang, weil sie meinen, dass sie sich noch mehr pushen müssen und nicht diese Qualität dieses Gegenpols sehen, den Yin bietet."

Beides geht aber nur zusammen, meint die Yogalehrerin und Künstlerin Pia. Die Muskeln müssen auch gestärkt und nicht nur gedehnt werden. Wie die Endvierzigerin zu dieser Einsicht gekommen ist?

"Das kommt mit dem Alter." (Lacht.)

Ausgleich zu einem dynamischen Leben

Bei Dirk Bennewitz war es ähnlich. Der 47-Jährige hat jahrelang Kampfsport gemacht und dann zum Yoga gefunden, zuerst zu herausfordernden Stilen, später zum Yin. Das hat er als einer der ersten nach Deutschland gebracht.

"Das moderne Yin Yoga, das was wir hier im Moment praktizieren, wurde begründet von einem Amerikaner in Los Angeles in den 80er-Jahren. Damals wurde noch recht hart, fast schon brachial praktiziert. Und der hat den Gegenpol dazu entwickeln wollen und gesagt, immer nur doller und härter zu machen, das macht irgendwie auch keinen Sinn."

Dirk leitet zwei Yogaschulen in Hamburg und bildet Yin-Yoga-Lehrer aus. Heute steht er vor fast 20 Frauen und Männern in einem Yogastudio in Berlin-Kreuzberg und demonstriert, worum es ihm geht: körperliche Spannung abzubauen, aber nicht unbegrenzt. Dirk geht zu einem aufgestellten Skelett und hebt dessen Bein, bis es nicht mehr weiter geht.

"Wollt Ihr das mal versuchen, zu fühlen? Stellt mal einen Fuß auf. Dann nehmt Ihr Eure vorderen Finger in so eine Reihe und piekt mal hier so rein. Ans Ende von Eurem Oberschenkel. Und dann machen wir mal Trikonasana. Und irgendwann werdet Ihr die Finger einklemmen zwischen dem Oberschenkel und Eurer Hüftpfanne."

Diesen Punkt in Trikonasana, in der Dreieckshaltung, erreichen die Yogis unterschiedlich schnell. Die Übung sieht bei jedem etwas anders aus.

"Und dann ist die Frage: Wird das durch Training besser? Nö. Nein, nie. Ich hab meinen finalen Bewegungsradius erreicht. Und das ist etwas, was man erkennen muss als Yogalehrer und auch in seiner eigenen Praxis identifizieren sollte."

Anatomie spielt im Yin Yoga also eine große Rolle. Schließlich besteht auch die Gefahr, dass man sich überdehnt, wenn die Muskeln komplett entspannen. Richtig ausgeführt, erfüllt das Loslassen für den Yogalehrer und Buchautor Dirk aber einen wichtigen Zweck: Das Bindegewebe wird stärker und weniger schmerzhaft, der Körper wird flexibler. Aber auch für der ehemaligen Fallschirmjäger ist Yin Yoga in erster Linie der Ausgleich zu einem dynamischen Leben, eine Art Meditation.

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